Taunusblatter.
Zeitung für das Herzogthum Nassau.
*r. LT Samstag den SV. Mai 1848»
Gnade und Ungnade der Fürsten, Gunst und Ungunst des Volks.
Die Gnade der Fürsten und die Gunst des Volks werden gesucht und um sie gebuhlt, um selbstische Zwecke aus krummen und geraden Wegen zu erreichen. Derjenige, welcher sich um eine oder die andere bewirbt, baut auf den feinsten Flugsand, der unter den Füßen entweicht. Wird um beide gleichzeitig gebuhlt, dann erscheint der Bewerbende zweideutig und durch allgemeine Verachtung gebrandmarkt, zurückgestoßen. Man liebt und benutzt den Verrath, verachtet aber den Verräther. Wer durch Verrath und Spioniren momentane Vortheile und Gunst erlangt, muß mit Schande bedeckt, in das Nichts zurück, auS dem er zu dem Etwas, d. h. zu Reichthum und Ehre emporsteigen wollte. Wer anders spricht, als er vorher sprach und handelte, kann höchstens nur Einfältige augenblicklich täuschen, wie auch der, welcher von einer besiegten Partei zur siegenden schnell überspringt, der, welcher der ausgehenden Sonne huldigt, ehe die untergehende aus dem Gesichtskreise entschwunden ist, unausbleiblich bald entlarvt, ist er der allgemeinen Verachtung verfallen. Vor diesen besonders ist zu warnen und diese trifft mit Recht die Ungunst des Volks. Da man aber vom Einzelnen auf das Allgemeine nie sicher schließen kann, so ist es ein schreiendes Unrecht einen ganzen Stand zu verdächtigen, unter dem Einzelnen auf jene Art zweideutig und verrätherisch sich zeigten. Dieses trifft jetzt den Stand
der Staatsviencr und der Geistlichen, welche fast allgemein den in Wahlversammlungen zum Nachtheil der Volkssache ausgeschlossen wurden, obgleich viele derselben durch Intelligenz, Kenntniß der Verfassung, Gesinnungstüchtigkeit, Menschenkenntniß und Rednergabe an dem Netzbau sehr nützlich hätten mitwirken können. Dem Volk, so vielfach in seinen bescheidenen Erwartungen, durch heuchlerische Versprechungen getäuscht, ist eS nicht zu verübten, mißtrauisch zu sein gegen diejenigen, welche sich zweideutig beweisen. Zu dem Mißtrauen gehört aber ein Grund oder eine Thatsache. Fehlen beide, so ist es ungerecht, weil hinter den Machthabern, von denen man bestimmt weiß, daß sie durch Gewalt oder Furcht vor Gewalt zu Bewilligungen sich bequemten, alle Brücken abgebrochen sind, daher sie nicht zurück, sondern vorwärts gehen müssen. Offenbar empörend ungerecht ist es, gegen Fürsteu und Staatsdiener, welche aus innerer Ueberzeugung den Fortschritt fördern, ferner noch mißtrauisch zu sein. Dieses allgemein gefürchtete Gespenst — die Reaction — schleicht nicht unheimlich-unsichtbar durch das Haus. Nein es spukt auf dem offenen Markt und spielt in der freien Presse die erste Liebhaberrolle. Gleich der Cholera, dem ewigen Juden in fliegender Eile folgend und Tod und Verderben hinter sich verbreitend, hat eè Geldmangel, d. h. nicht Mangel, sondern daS Verschließen in der eiserne Kiste, Sinken der Staats- Papiere, totale Stockung aller Gewerbe und als Folge