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Taunusblütter.

Zeitung -

für das

Herzogthum Nassau.

^r. «

Samstag den 15» April

1848.

Die Wahlen zu dem deutschen Parlament und zu der Nassauischen Deputirtenkammer.

Beide beschäftigen setzt alle Gemüther, weil von ihnen die Zukunft der deutschen Nation und unseres theuren Vaterlandes abhängt.

Die Wahl der Abgeordneten zum deutschen Par­lament ist bereits am 6. d. M. von dem Fünfziger- Ausschuß angckündigt, wozu ein Auszug aus dem Protokoll der 29. Sitzung der Bundesversammlung vom 7. d. M. folgende Erläuterung gibt:

1) die Wahl der Vertreter des Volks zu der consti- tuirenden deutschen Nationalversammlung geschehe so, daß unter Beibehaltung des Verhältnisses der BundeSmatrikel, je nach 50,000Seelen ein Vertreter gewählt werde, daß, wenn der Ueber- schuß der Bevölkerung 25,000 übersteigt, ein weiterer Abgeordneter zu wählen sey, und daß jeder kleinere Staat, dessen Bevölkerung nicht . 50,000 Seelen erreicht, einen Vertreter zu wäh­len habe;

2) in Beziehung auf die Wahl der Abgeordneten kann auf jeden Fall bei der Wählbarkeit keine Beschränkung durch Vorschriften auf Wahlcensus oder Bekenntniß einer bestimmten Religion Vor­kommen und eine Wahl nach bestimmten.Stän- den nicht angeordnet werden;

3) als wählbar ist jeder volljährige, selbstständige Staatsangehörige zu betrachten;

4) es ist nicht nothwendig, daß er dem Staate an- gehöre, welchen er bei der Versammlung vertre­ten soll;

5) die politischen Flüchtlinge, welche nach Deutsch­land zurückkehrend und ihr StaatSbürgerrecht wie­der angetreten, sind wahlberechtigt und wählbar;

6) die höchsten Regierungen werden ersucht, diese Wahlen so zu beschleunigen, daß wo möglich die Sitzungen der Nationalversammlung am 1. Mai beginnen können.

Nach unserm genehmigten Wahlgesetz ist im Her- zogthum die Urwahl für die Wahlmänncr (bestehend aus einem Ausschuß) auf den 18. d. M. und die Wahl der Deputirten auf den 1. k. M. bestimmt.

Bereits haben sich, außer den heimlichen, öffentliche Wahl - Comitö's gebildet, um die Wahlen auf Gleich­gesinnte zu lenken. Hiernach scheint es, daß man entweder das Volk nicht ganz reif hält, selbst zu wählen, oder daß man glaubt, cs kenne diejenigen Männer nicht, welche am meisten dazu befähigt seyen, auf welche man habe aufmerksam zu machen. Ich setze das letztere voraus, und in dieser Hinsicht wäre nichts dabei zu erinnern. Wohl aber ist zu beherzi­gen, daß bei diesem Wahlkampf entgegengesetzter Par­teien die größte Vorsicht angewendet werden muß, um nicht getäuscht zu werden. Wähle man daher nur diejenigen, welche man kennt, und von deren politischen Gesinnung man überzeugt ist. Ist diese zweifelhaft, so fordere man sie auf, laut uud klar