Taunusblütter.
Zeitung für das Serzogthum Nassau.
IVr. 7. Somstag den TT. April 1848.
Der Kampf gegen die religiöse Glaubensfreiheit.
Die religiöse Glaubensfreiheit, mir einer freien vom Staat getrennten Kirche, ist gern oder ungern den deutschen Volksstämmen zugesichert worden. Es liegt nun an diesen, sie zu erhalten, sie gegen ihre heimlichen und offenen Gegner männlich zu vertheidigen und mit allen Kräften hinzuwirken, daß die confessionellen Spaltungen verschwinden, welche die Schwäche des polirisch-zerrissenen großen Vaterlandes noch vermehrten. Die Jesuiten, zuerst aus der Schweiz und andern Ländern sogar vom H. Vater aus Rom mit ihrem commandirenden General verjagt, sind dessen ungeachtet noch nicht vernichtet. Aehnlich den Fliegen, welche bei dem ersten belebenden Sonnenstrahl munter aus allen Ritzen hervorkommen, in welche sie sich, Kälte cintretend, verkrochen hatten, wandeln nun in kurzen Röcken oder sonst beliebiger Tracht, sogar mit grausigen Schnurbärten behaftet, einher, verleugnen, wenn man sie scharf ansieht, ihren Herrn dreimal des Tags, und verstehen es meisterhaft als geschulte Komödianten gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Sie haben ihre Pläne daher noch nicht aufgcgebcn und man sey daher wachsam. Glaube man aber nicht, daß sie die einzigen Gegner der religiösen Freiheit seyen. Nein, gewiß nicht! Die Zahl ist nicht klein. Es sind Alle, welche durch diese Umwälzung den alten NimbuS, die Schmälerung ihrer Einkünfte und was
noch mehr gilt, ■ den bedeutenden Einfluß auf die Schafe verloren, die sie hüteten und welche sich willig von ihnen scheeren ließen. Es grenzt an das Komische, zu sehen, wenn jetzt symbolen sattelfeste Geistliche der evangelischen Konfession, welche thatkräftig bei der Verstoßung Rupp's aus dem Gustav Adolphs-Verein mitwirken, Synodal- und Presbyterial - Versammlungen verlangen, die sie vorzugsweise allein beschicken und nebenbei einige Laien zulassen wollen. An diesem Köder laßt sich nur der gute M.chel fangen. Von Andern ist dieses Unternehmen aber durchschaut und der Zweck genau erkannt worden. Mein Glau- beusbekenntniß ist, daß die Gründung einer freien Kirche nicht von Oben, durch Ehrengeistlichkeit, sondern von Unten herauf durch die kirchlichen Gemeinden befestigt tiefe Wurzeln schlagen kann. Nur auf diesem Weg kann Heil zu hoffen seyn, wenn gleichzeitig die Vereinigung gleichgesinnter Konfessionen, zur Kräftigung der Einheit Deutschlands, zu erreichen ist; nicht aber dadurch, daß neue Sekten von Alt- und Neugläubigen oder von Anern und Jsten gestiftet werden. Diese Sonderbündler bleiben uns fern. Einen ähnlichen Versuch, den guten Michel an Ort und Stelle in den katholischen Rheinländern und in L., einem bischöflichen Sitz, für ihre Sonderinteressen zu werben, hat der ehemalige Redacteur der katholischen Zeitung in Mainz am 30. v. M. gemacht, indem er, die Farbe urplötzlich wechselnd, eine neue Zeitung sür die katholischen Rheinländer ankündigt. Er