Taunusblätter.
Zeitung für das Herzogthum Nassau.
Wr. 8.
Samstag den TN. April
1848.
Monarchie oder Republik?
Keine von beiden, sondern das Beste und Zeitge- mäßeste aus allen Verfassungöformen der alten und neuen Zeit, welches erprobt, ausführbar, auf einer volksthümlichen festen Basis ruht, wozu auch die Nation die nöthige Bildungsstufe erreichte, auch ihren Wünschen und behaglichen Gewohnheiten möglichst entspricht.
Die Beantwortung jener Frage hat Tausende von Federn in Bewegung gesetzt. In den Volksversammlungen wird von den schroff geschiedenen Parteien für diese und jene Verfassungsform geworben. Der nämliche Grund für und gegen wird der verblüffen Menge zur Beherzigung empfohlen.
Es ist zu bedauern, daß diese Meinungsverschiedenheit und anmaßliche Zudringlichkeit bei den Wahlen für die Stände der Volksstämme und das deutsche Parlament einen Einfluß äußert, der in seinen Folgen höchst schädlich seyn dürfte. In diesem Kampf entgegengesetzter Ansichten, sollte jeder offen für die eine oder die andere sich aussprechen. Wenn aber Einige erklären, daß sie sich in dieser Beziehung ganz der Entscheidung des deutschen Parlaments fügen würden, so ist dieses entweder Jndifferentismus oder die Absicht liegt im Hintergrund der obsiegenden Partei, ohne Jnconsequenz, desto leichter sich anschmiegen zu können. Durch dieses versteckte Spiel wird gewiß nicht der Hellsehende, wohl aber der gute
Michel getäuscht. Ich will nicht mit Erzählung der Faseleien, welche man täglich über die beste Verfas- sungâform hört, ermüden, sondern beispielsweise nur Einiges anführen, um zu zeigen, daß hier mit vergifteten Waffen gefochten wird.
In einer Broschüre „Monarchie und Republik von Friedrich Funck, Frankfurt a. M. bei Karl Horstmann 1848" erklärt sich der Verfasser für die letztere, indem er sagte „Der Gegensatz des Gemeinwesens, der Republik, sey das Sonderwesen, diclosgebundene Selbstsucht, der Raubstaat." Als wenn nicht in der konstitutionellen Monarchie das Gemeinwesen das vorherrschende seyn könnt? ? Wollen wir auch diese Behauptung als eine verkehrte in der Geschichte nicht begründete entschuldigen, so muß es im höchsten Grad mißbilligt werden, daß der Verfasser zur Unterstützung derselben, die achtbarsten Männer dieser Zeit durch den Koth zu schleifen sich erfrecht. Hiervon zwei Proben.
„Der Schrecken vor dem Wort Republik kommt daher, weil die Leute dabei an Frankreich von 1792 bis 1799 denken, und weil ihnen über bie Geschichte der Revolution die albernsten Fabeln in den Kopf gesetzt worden sind. Der berühmteste unter den Fabulisten über diese Zeit ist Christian Schlosser zu Heidelberg. Dieser Mann hat über die Revolution unsäglich viel gelesen und gehört, aber Alles wieder vergessen und aus dem, was ihm im Gedächtniß geblieben ist, mit Hülfe seiner lebhaften Fantasie einen