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Allgemeiner

Jr. LS.

Wiesbaden, den 20. Dezember

& Hausfreund.

1830.

Zu Abonnements pro Jan. bis März 1851 4 18 kr. bei der Erpedition direkt und 4 24 kr. mit Bestellgeld bei allen Poßan- staltcn wird freundlichst eingeladen und gebeten schleunigst dieselben zu machen. Inserate im Anzeiger kosten die dreispaltige Petitzerle 4 2 'fr. Briefe und Gelder werden franko erbeten.

Inhalt:

Erzählung und Geschichtliches: 1) Zwei harte Steine mahlen selten reine. 2) Zerstörung ter Belle of the West. 3) Deutscher Aberglaube.

Gmeinnu tziges : t) Nahrungsstoffe. 2) Münzen, Maaße und Gewichte.

Allerlei Mittel für Haus- und Landwirthschaft.

Mannichfaltiges.

Erzählung und Geschichtliches.

Zwei harte Steine mahlen selten reine.

(Fortsetzung.)

Schon am zweiten Tag sah er ein, daß er wohl unter dem Bauholz schlafen müsse, wenn er für Brod noch etwas übrig haben wolle. Er thats; aber für die zartgewohnten Rippen des Knaben war daS Lager entsetzlich hart!

Am Morgen des fünften Tages, da die Sonne auf's Schiffsbauholz schien, erwachte er hungrig und hatte nichts mehr.

Da saß er, die Stirne in die Hand gestützt, und es fielen dicke Tropfen aus den Augen auf die harte Erve unter ihm. Doch es waren noch nickt die rechten Thränen, die Traurigkeit war die noch nicht, die Paulus eine göttliche nennt, welche eine Reue gebührt, die Niemanden gereuet; es war noch eine welt­liche, fleischliche es war der Unmuch über das Mißlingen seiner Pläne. An die reuige Rückkehr inS Vaterhaus dachte er nicht. Gott wollte ihn noch anders führen.

Wie er so da saß und nichts hörte noch sah, kam ein Schiffèhauptmänn daher, dessen Schiff eben segelfertig lag nack der westindischen oder eigentlich südamerikanischen Insel Saint Croir (seriell: Sänt Croa), dem aber noch ein Nothmast fehlte, den er sich hier aussehen wollte. 2hm war daS Unglück passtrt, daß ihm sein Schreiber gestorben war. Er selbst nämlich war nicht sonderlich fix in dem Artikel, darum hielt er sich einen Schreiber, dem er daS Nöthige in die Feder sagte. Als er so um die großen Haufen des Holzes herum ging, sieht er den Leon­hard da sitzen und sieht auch daS Träufeln der Thänen. Er betrachtet sich den acktzehnjährigen, sauberen Burschen, seine feine Kleidung und denkt, wer weiß, da kriegst du vielleicht wieder einen Schreiber!

Er tritt zu ihm und klopft ihm mit den Worten: Warum so trostlos, mein Sohn? auf die Schulter. In dem Tone des Mannes lag etwas Weiches und Gutmüthiges, das Leon­hardi Herz wohlthätig berührte. Er erschrack freilich über die unerwartete Berührung und Anrede, aber er sammelte sich schnell und sagte: - -

Hunger im Magen, kein Verdienst in Aussicht und kein Geld im Beutel, das sind Quellen schlechten Trostes, Herr Ka­pitän. Vollkommen richtig; erwiderte lächelnd der Schiffskapi- tän; allein da' wäre ja doch zu helfen, wenn Arbeitslust und Gottvertrauen dabei wäre.

Beides fehlt mir nicht (er log da, denn Gottvertrauen kannte er noch nicht!), sagte er keck; aber seit fünf Tagen suche ich Arbeit und finde keine.

Der Schiffskapitän sah ihm in die Augen und dieser Blick reichte für den Menschenkenner hin, Wohlgefallen an dem Men­schen zu finden.

Nun, sagte er dann, wenn Ihr mir klaren Wein über Euch einschenkt und gute Atteste habt, so könnte sich's machen, daß Ihr Arbeit bei mir fändet, wenn Ihr nämlich Lust habt, mit mir nach der Insel Saint Croir zu reisen?

Das war Wasser auf Leonhards Mühle! Setzt Euch ein Bischen zu mir oder befehlt, wohin ich mit Euch gehen soll, so will ich Eurem Wunsche vollkommen genügen, sagte Leon­hard.

Mit den Worten: Es ist mir schon gut genug hier, setzte sich der Schiffskapitän zu ihm und Leonhard beichtete ihm, wie einem Pfarrer, haarklein, wie Alles gekommen, und blieb der Wahrheit bis in's Kleinste treu.

Der Schiffskapitän hörte aufmerksam zu und sagte, als Leonhard geendigt hatte: Mackt Euch auf, mein Sohn, und geht zurück zum Vater und bittet ihn um Vergebung! Und diese Worte begleitete er noch mit nachdrücklichen Ermahnungen an das, was ein Kind seinem, wenn auch villeicht fehlenden Vater schuldig ist. Lieber Hungersterben! rief entschlossen und fest der Leonhard.

Der Schiffskapitän redete ihm hart und sanft zu: als er eben sah, daß nichts zu ändern sei, sagte er: Gut denn; Ihr sollt mit mir an Bord meines Schiffes gehen. Ist Euer Wohl­verhalten so, daß ich zufrieden sein kann, so soll! Jhr's nicht bereuen, mit mir gegangen zu sein; ich will dann in Saint Croir für Euer Fortkommen sorgen.

Leonhard versprach heilig und theuer, gehorsam und treu zu sein, und der Schiffshauptmann nahm ihn mit, und nachdem der Nothmast hergestellt und an Bord, das heißt in der Schiffs­sprache: im Schiffe, war, lichteten sie bei günstigem Winde die Anker und segelten in Gottes Namen ins tu eite Weltmeer hinaus.

Leonhard war noch nicht zur Erkenntniß seines Unrechts gekommen. Er sah sich noch immer als den leidenden Theil an und glaubte in seinem Rechte zu sein, daß er in's Vater­haus nicht zurückgekehrt sei. Dem Schiffskapitän war er treu ergeben. Unermüdet arbeitete er, dessen Aufträge zu er­füllen. Da er mancherlei Kenntnisse besaß, so konnte ihn der Schiffskapitän wohl brauchen und bediente sich seiner mit großem Vortheil. Er gewann ihn ungemein lieb und bewies ihnr diese Neigung überall. Dies reizte die anderen Schiffsoffiziere zu Neid und Feindschaft gegen ihn, was sie ihm jedoch zu be­weisen den Muth nicht hatten, so lange der Kapitän ihn schützte. Ost redete er mit ihm, wie er in Saint Croir für ihn sorgen würde; allein der Mensch denkt's und Gott lenkt's. Noch auf der See erkrankte der Kapitän. Leonhard pflegte ihn mit treuer Liebe und Dankbarkeit; die Krankheit nahm aber so über­hand, daß der brave Schiffskapitän starb. Leonhard trauerte tief um ihn. Er sah eine Stütze seines Fortkommens zerstört und ihm begann es bange zu werden, wie eS ihm ergehen würde.

Bald genug zeigten sich für ihn die Folgen des Hasses, welchen die Schiffsoffiziers auf ihn geworfen hatten. Der erste Schiffslieutenant übernahm nun den Befehl. Es war ein fin­sterer, rauher Mensch, der Leonhard sehr abgeneigt war. Bis­her hatte Leonhard bei dem Kapitän gewohnt und an seinem Tische gegessen. Jetzt mußte er in dem schlechtesten Raume deS Schiffes schlafen; mußte mit den Mattosen essen und alle die