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haben sollten, so Löte nicht leicht eine Industrie ein willkomm- neres Befriedigungsmittel als Aushülfe jener Noth dar, als der Seidenbau. Bereits ist schon jetzt dem Verein von dem Ministerium für landmirthschaftiiche Angelegenheiten eine Beihülfe von jährlich 300 Thalern bewilligt worden. Diese Summe ist insofern nicht gering, als der Ankauf von einem einzigen Loth Grains oder Seidenraupeneier bei seiner Abnutzung viele Hände in Bewegung setzt, denen ein reichlicher Erwerb dadurch gesichert wird. Der Verein hat seit 1846— 1850 975 % Sott) Grains, 225 Pfund, 18 %> Loth Saamcn und 180,000 Stück Maulbeersträuche verabfolgt; ferner dem betreffenden Staatsministerium den Vorschlag gemacht, alle neu anzulegenden Staats- chausseen und Eisenbahnen an der Stelle der jetzt dazu benutzten Pappeln und anderer wilden Bäume künftig mit Maulbeer- Èäumen einzufassen, auch eine Parthie Seidenraupeneier aus der Lombardei kommen lasten. Insbesondere aber unterstützt er ärmere Schullehrer zum Betriebe der Seidenzucht auch an baarem Gelde. Unter den Mitgliedern des Vereins, worin alle Stände bis zu dem Ministerstande vertreten sind, zählt der Schullehrerstand die meisten. Noch jetzt wird der Seidenbau von der preußischen Staatsbehörde auf das Kräftigste unterstützt. Sic zahlt auch für jede Metze Cocons eine Preisaufmunterung von 1 Silbergroschen. (Fortsetzung folgt)
Mannichsaltrgeâ.
Der Wiener in der Sänfte.
Vor etwa hundert Jahren und später noch gebrauchten die Leute, die nicht gerne gingen, Sanften. Das waren Kasten, die au zwei starken Stangen befestigt waren. Da setzte sich nun der oder die vornehme und faule Person hinein und vier starke Diener faßten die Stangen, hoben sie auf die Schulter und trugen die Sänfte fort, wohin der oder die darinnen Sitzende befahl. Weil das sanft ging, nannte man solche Kasten Sänften.
In Dresden waren sie schon im Gebrauch, als man in Wien noch nichts davon wußte. Kommt dazumal ein Vornehmer von Wien nach Dresden und besucht den Herrn v. Kya u, der ein ausgeheckter Schelm war. — Beim Abendessen kommt auch die Rede auf die Sänften und der Wiener sagt: I hob noch kani nit g'seh'n. — Ach, was? sagt Kyau. Nun, da es roch schmutzig ist, so sollen Sie meine Leute heut Abend in meiner Sänfic naw Hau^e tragen.
Das nimmt der Wiener mit viclem Dank an.
Nun setzt ihm der Herr von Kyau tüchtig mit Ungarwein zu, und der Wiener ist auch Keiner von Denen, die ein leeres Glas lieben.
Als es Heinigehenszcit war, läßt Kyau seinen Haushofmeister kommen und flüstert ihm in'sOhr: Macht aus der L>änfte den Boden heraus und den Sitz! Das geschieht.
Der Wiener kommt an das Thor. Da steht die Sänfte und die Träger. Der Haushofmeister macht die Thür der Sänfte auf und der Wiener steigt hinein. Alsbald heben die Träger ihre Stangen auf dir Schulter und im taktmäßigen raschen Trabe gehi's durch die schmutzigsten Gassen bis zuin Gasthaus des Wieners.
^Der sah fürchterlich aus, denn er mußte in dem Kasten mitlaufen. da Sitz und Boden fehlten. Er fluchte, wie ein Türke, aber Alles half ihm nichts. Er mußte mit fort. Da er nun aber meinte, das gehöre dazu, so schwieg er am Ende stille, zumal der Ungarwein keine klaren Gedanken aufkommen ließ.
Am andern Tage fragte ihn Kyau: Nun, wie gefällt Ihnen dem, das Getragenwerdensein in der Sänfte?
Schauen's, sagte der Wiener, wenn i nit wüßt', daß i wär, g'trage werde, so wollt' i druf schwör'n, daß i hätt' laufe müsse!
*** Der unschuldige Nebenochs.
Ein Bauer ging Wohlgemuth neben seinem Ochsengespann und guckte sorglos in alle Welt. Darüber zog er unwillkürlich an dem renkieil; die Ochsen wichen aus dem Gleise und der Wagen fiel um. Der entrüstete Bauer aber ohne an sich selbst zu denken, rief : „Da ist kein anderer Mensch dr'an Schule gewesen, als der Reben ochs."
tt Der studierende Pfarrer
Ein Bauer, den man dreimal hintereinander abwies, daß er fti» neu Pfarrer nicht sprechen könne, gab zur Antwort: „Nun, warum hat uns aber der König nicht einen Pastor gegeben, der schon studiert hat?"
Der Käsehändler und die Butterhändlerin.
Ein Käsehändler und eine Butterhändlerin stritten sich einst in der Kirche um einen Platz, da schob die Butterhändlerin den Ersteren auf die Seite und sagte: „Erseht kommt die Butter und dann der Käse."
2 Alles nach Verhältniß.
Ein Mädchen vom Lande fand in Berlin einen Dienst als Stubenmädchen. Einige Wochen nach ihrer Ankunft in der großen Hauptstadt entstand ein heftiges Gewitter; fürchterlich rollte der Donner und schrecklich zuckten die Blitze durch die bewegten Lüfte. Darüber erschrocken rief sie dem Küchenmädchen zu: „Ne solch' ein Wetter is zu Haus bei uns doch nich!" — „„Alles nach Verhältniß!"" sagte diese, eine geborene Berlinerin: „„Das glob' ich, in ihrem kleinen Neste rahlim gönne die Gewitter nich so stark fin, als bei uns in der Haupt- stadt.""
Bekanntmachungen.
Literarische Adligen.
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