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Volks-Botin.

Wöchentliche Begleiterin -es Nheingauer Volksboten.

M La, Sonntag, den 30, Dezember 1848.

Der Landsturm in Taubenfeld.

Von ***

(Schluß.)

Indem sie nun, mit einer Ofengabel int Arme, auf ihrem Posten stand, und wie eine Wetterfahne, die von zwei einander entgegenblafenden Winden getummelt wird, den Kopf rechts und links drehte, kam in der Ferne der Adjutant mit verhängtem Zügel geritten. Ec war durch seinen Aufenthalt im Streuschober so entstellt, und die hochbetagle Schildwache,-, die sich mit Tanzmeistern und der gan­zen Tanzkunst nicht abgab, kannte ihn überhaupt so wenig, daß sie ihn für einen feindlichen Wagehals hielt, der die von Mauern entblößte Stadt über­rumpeln wolle. Sie ließ sich und ihrer Brille nicht Zeit, die Sache genauer zu untersuchen; sie stürzte mit Zetergeschrei und mit Verlust ihrer beiden Pan­toffeln, in's Thor hinein. Eiligst ward das Geschütz mit siedendem Mehlbrei geladen. Die Zuschauer flohen vor Angst. Der Adjutant kam in sausendem Galoppe die Stadtmauer entlang, bog schnell in's Thor ein, dieFähnrichin kommandirte:Feuer!" und in einem Nu schoß ihm die heiße Ladung beider Spritzen auf den Leib. Er fiel, wie von einer Ka­nonenkugel getroffen, stöhnend vom Pferde.

Staunend sahen die Artilleristen, wen sie zu Boden gestreckt hatten. Sie umringten ihn; sie

fragten, was er in der Stadt wolle. Seine Ant­wort waren Flüche. Er verwünschte das ganze Taubenfelder Artilleriewesen.'Herr, sie verfluchen Ihr eignes Kind!" sagte dieFähnrichin.Sie selbst erfanden dieses Geschütz, Sie selbst ordneten das Kreuzfeuer an! Wer kann dafür, daß Sie auch selbst Hineinritten? Wir wollen über die Alte, die hier Schildwache stand und Sie für einen Feind ansah, Kriegsrecht halten. Weiter läßt sich bei der Sache nichts thun."

Er lärmte noch viel; doch im Herzen war er froh, daß ihm die erlittene Niederlage einen guten Vorwand lieh, die Rückkehr zum Schlachtfelde, wo­mit es ihm überhaupt kein Ernst gewesen war, zu unterlassen. Mit Mehlflecken getiegert und von den Weibern verlacht, ging er nach Hause und zu Bette. Sein Pferd, das die Streiche seines Herrn unschuldig mit ausbaden mußte, hatte gleich nach Abfeuerung der brühenden Batterie die Flucht ergriffen.

Unterdessen wurde das Waldgefecht immer hefti­ger; es mußte Hilfsmannschaft nachgeschickt werden. Doch ehe sie den Tummelplatz erreichte, hatte schon Burkhard einen vollständigen Sieg erfochten', und kehrte, zweimal verwundet, mit zwölf Gefangenen zurück. Von Blutverlust erschöpft, sank er um, in­dem er dem Obersten Bericht abstatten wollte. Dol­chen, die das sah, eilte wieder mit erwachter Liebe ihm zu Hilfe, und verband seine Wunden. Er drückte ihr gerührt die Hand. Sprechen konnte er