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VoIkS - Bötin.

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Wöchentliche Kegleiterin des Nhemgauer Volksboten.

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Sonntag, den 2. Dezember

180.

Die Stiftsdame von Günderode, gestorben in Winkel am 26. Juli 1806. (Eine biographische Skizze, mitgetheilt von B. Mackaner,)

(Schluß.)

Die Anzeige dieses traurigen Dorfall's wurde sogleich dem dasigen Oberschultheiß gemacht, welcher sich mit tem Ortschirurgen sogleich an Ort und Stelle begab und Caroline, wie erwähnt, dicht am Ufer, die Hand ans d^e Wunde gepreßt, sard, sodaß kein Blutverlust wahrgenommen werden konnte. Erst als er sie umwenden ließ, begann das Blut aus der Herzenswunde zu schießen und die Todtenblässe sich über ihr vorher noch mit rosiger Lebensfarbe bedeck­tes Gesicht zu verbreiten.

Man begrub sie still am Eingang deS Kirchhofes zu Winkel.

Die Leute erzählten sich, daß Günderode mit einem Professor von Heidelberg in einem zärtlichen Verhältnisse gestanden habe, und sich derselbe, um Karoline heurathen zu können, von seiner Gattin habe scheiden lassen wollen. Eine Krankheit der letzteren habe jedoch die eheliche Liebe zwischen den Gatten auf'S Neue befestigt, und der Professor habe deßhalb einen Brief an die Damen Servier nach Winkel geschrieben, um seinen Entschluß Karolinen auf die möglichst schonende Weise bekannt zu machen. Die Freundinen waren gewohnt, die gegenseitigen

Briefe infzu fälliger Abwesenheit einer oder der andern zu erbrechen und zu lesen, und so wäre dieser Brief in die Hände Karolinens gekommen, welche ihn er­brochen, gelesen und das eigene Todesurthcil ihrer Liebe erfahren habe. ES wollten auch mehrere Leute die Stiftsdame mit dem Briefe in der Hand Tags vorher spazieren'und auf der niedern Mauer am Rhein, nicht weit von dem Orte des Selbstmor­des, darin lesend gesehen haben.

Ueber diesem Verhältniß liegt jedoch ein dichter Schleier. Ich vermag ihn nicht zu lüften.

Nun war es Bettinen klar geworden, warum sie sich erst mit ihr entzweit hatte, und was sie mit der Geschichte von ihrer todten Schwester, die sie ihr ein halbes Jahr früher mitgetheilt, sagen wollte. Damals war der unglückselige Entschluß schon gefaßt. Karoline ist wirklich im rothen Kleide gestorben und hat den schönen Leib grad' an der Stelle verwundet, wo sic'S gelernt hatte, daß man da das Herz am sichersten trifft.

Wie traurig und melancholisch düster Karoline gegen das Ende ihres lange vorher schon mit sich vertraut gemachten Todes gestimmt gewesen sein mag, bezeugen mehrere Gedichte, aus denen ich nur fol­gende Strophen herausnehmen will:

So nehm't mich auf, geheimnisvollen Mächte,

O wieget mich in tiefen Schlummer ein!

Verhüllet mich in eure Mitternächte,

- Ich trete freudig aus bei Lebendreih'u.