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Volks-Botin.

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Wöchentliche Begleiterin des Nheingauer Volksboten.

JS 8. Somttag, den 18. Movember 1SH9

Die Stiftsdarne von Günderode, gestorben in Winkel am 26. Juli 1806. (Eine biographische Skizze, mitgetheill von B. Mackauer,)

(Fortsetzung.)

Karoline erzählte Bettinen wenig von ihren son­stigen Angelegenheiten, und diese wußte darum nicht, in welchen Verbindungen jene noch außer ihr gewe­sen sein könnte. Karoline hatte mit ihrer Freundin zwar von Daub und von Professor Creuzer in Heidelberg gesprochen, aber Bettina konnte von Keinem errathen, wer ihrer Freundin lieber sei als der andere. Es läßt sich durchaus nicht fest stellen, daß Günderode's Herz für einen Jüngling oder Mann geschlagen habe, sie war zu sehr mit der übersinnlichen Welt beschäftigt, ihre Sehnsucht und ihr Streben nach dem Höheren, Reingeistigen hatte zu tief in ihre nach Vollkommenheit ringende Seele eingegriffen, als daß eine irdische Liebe ihre Hand­lungen und ihr Lebensende bestimmt hätte. Sehr klar läßt sich diese Behauptung auS mehren Stellen ihrer Briefe beweisen, wovon ich meinen Leserinen folgende wörtlich mittheile:

Es gibt ja noch Raum außer dieser kleinen Tags - und Weltgeschichte, in dem die Seele ihren Durst, selbst etwas zu sein, löschen dürfe."

Immer neu und lebendig ist die Sehnsucht in mir, mein Leben in einer bleibenden Form auszu­

sprechen, in einer Gestalt, die würdig sei, zu den Vortrefflichsten hinzutreten, sie zu grüßen und Ge­meinschaft mit ihnen zu haben. Ja nach dieser Ge­meinschaft hat mir stets gelüstet, dies ist die Kirche, nach der mein Geist stets wallfahrt auf Erden."

Und wie singt sie von der Liebe? Hört sie:

Was ist denn Liebe, hat sie kein Bestehen?

Die Liebe will nur wandeln, nicht vergehen;

Betrachten will sie alles Treffliche.

Hat sie dieâ Licht in meinem Bild erkannt,

Eilt sie zu Andern, wo es schöner brennet,

Erjagen will sie das Vortreffliche."

In allen ihren Worten und Dichtungen spricht sich nur ihre reine Subjektivität aus. Sie fühlt nur für sich, weil die Außenwelt sie nicht versteht und auch von ihr nicht verstanden wurde. Sie ge­steht selbst, daß sie nur wenige Menschen kenne und vielleicht Niemanden ganz genau, denn sie sei sehr ungeschickt, andere zu beobachten. Eine Ursache mag auch schon hauptsächlich darin liegen, jdaß sie, wie schon erwähnt wurde, fast zu bescheiden, zu schüchtern und zaghaft war. Es war ihr so gar lästig und unangenehm, wenn sie z. B. beim Fürst Primas, in ihrem schwarzen StiftStalar erscheinen mußte. Sie kam sich immer so fremd darin vor; und es war ihr so ungewöhnlich eine angelehnte Würde öffentlich zu behaupten, daß sie immer den Kopf hängen mußte und auf die Seite sehen, wenn sie angeredet wurde. -^-

Bettina hatte kaum Karolinen kennen gelernt