Volks-Botin.
Wöchentliche Begleiterin des Nhemgauer Volksboten.
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?â L. Sonntag, den 2L October 18 W.
Walten der Gerechtigkeit.
Line wahre Geschichte aus dem Volk.
Non Friedrich Rltstrt.
(Fortsetzung.)
Die Familie, welche sich ehrfurchtsvoll zu der feierlichen Handlung versammelt hatte, stand da, wie von einem Blitzstrahl getroffen. Die Mutter sank ohnmächtig auf einen Stuhl nieder, und die Tochter weinte heiße Thränen. Auch der Pfarrer war tief erschüttert und bat die Familie, ihn mit dem Kranken allein zu lassen. „Nein, Herr Pfarrer," sagte Meister Wilhelm, „lasset sie nur! Sie sollen, sie müssen mein Schicksal hören! Sie werden den unglücklichen Gatten und Vater nicht richten wollen. Die Rache ist mein, spricht der Herr, ich will vergelten!"
Die Mutter schlug die Augen wieder auf und sah mit einem seelenvollen Blick nach ihrem Gatten hin. „Verzeih', Gute," sagte Meister Wilhelm, die welke Hand nach ihr ansstreckend, daß ich Dir in. Deinen alten Tagen noch solchen Kummer bereite.
„ Meister Wilhelm," sprach der Pfarrer mit mildem Ton: „Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen , Allen, die ihn im Ernste anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, hört ihr Schreien uud hilft ihnen. Gottes Wort verheißt: Wer seine Missethat bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Die göttliche Traurigkeit hat in euch ge
wirkt zur Seligkeit eine Reue, die Niemand gereuet. Getröstet Euch dessen, der, welcher vom Tode errettet, der unser Herz vom Verderben erlöset, vergibt auch Sünden und hilft in der Noth."
„Ja, im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit lege ich mein Geheimniß offen dar."
Meister Wilhelm fuhr fort: „Ich bin in einem Dorfe des Thüringer Waldes geboren, ünd mein wahrer Name ist Gottfried Heinrich Berger. Meine Eltern wamr wohlhabende, aber was noch mehr ist, fromme, ehrliche und rechtschaffene Landleute. Sie sahen ihren Wohlstand und ihre zwei Kinder, meine ältere Schwester Marie und mich, wachsen und mit Gottes Hülfe gedeihen und mit wahrer Dankbarkeit gegen meine Eltern und den, der sie mir gegeben, gedenke ich meiner Kindheit. In meinem neunten Jahre verlor ich meinen Vater auf eine schauderhafte Weise. Auf einer Heimfahrt von dem nächsten Städtchen waren die Pferde scheu geworden. Da er fürchtete, in einen Abgrund gestürzt zu werden, sprang er vom Wagen herab, und mit zerschmettertem Haupte ward er in seine Wohnung gebracht. Am folgenden Tage war er eine Leiche. Meine Mutter überlebte in Folge der durch den Schrecken verursachten Gemüthserschütterung den Vater nicht lange. Nun waren wir Kinder Waisen, aber darum nicht ganz verlassen. Der Schulze des Dorfes war der getreuste Freund meines Vaters gewesen, und nach dem Tode desselben hatte er sich der kranken Mitter