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Volks-Botin.

Wöchentliche Begleiterin des Nheingâüer Volksboten.

M 11.

Sonntag, den !>. Dezember

1849

Der Landsturm in Taubenfeld.

Von *"

Hurrah! der Feind kommtI" schrie ein Bauer, ter mit fliegenden Haaren, ohne Hut, auf einem ungesattelten Pferde durch die Stadt sprengte. Der Befehlshaber des Landsturms, der Bürgermeister G u n d r a m, schauderte zusammen.Sattelt ge­schwind 1" rief er in den Stall, und wußte vor Angst nicht, wo er Leute genug hernehmen sollte, seinen Adjutanten zu rufen, die Pistolen zu laden, den Küster zum Sturmläuten autzufordecn, und hun> dert andere dringende Befehle auszutheilen. Indessen stürzte schon aus allen Häusern die Bürgerschaft mit langen Piken hervor, und versammelte sich auf dem Markte. Auch der Adjutant, der feurige Tanzmeister Hâslein, kam in gestrecktem Galopp. Er saß straff und fest, wie ein schulgerechter Reiter, zu Pferde; die metallene Säbelscheide klirrte hell am Sporn, und ein fürchterlicher Schnurrbart drückte dem jugendlichen Gesichte den Stempel der Männ­lichkeit auf. So flog er den Marktplatz auf und ab, ordnete Reihen und Glieder, und ermahnte zur Tapferkeit.

Er verdankte die Adjutantenstelle zwar eigentlich seiner Schecke, die er sich, wegen einiger auswär­tigen Tanzschüler, hielt; doch verehrte ihn auch ganz Taubenfeld als den heldenmüthigsten Mann und

wärmsten Vaterlandsfrcund. Er trug die National­kokarde sogar auf der weißen Nachtmütze, mit wel­cher er des Morgens eine Pfeife Tabak zum Fen­ster hinaus rauchte; und bei jedem Glase Wein, das er mit Freunden trank, donnerte ihnen seine mächtige Beredsamkeit ins Herz, daß män Gut und Blut dem Vaterlande weihen und dessen Feinde vom Erd­boden vertilgen müsse. Er trat fast, wenn er über diesen Gegenstand sprach, aus den Schranken Menschlichkeit, indem er mit schrecklichen Eidjchwüren betheuerte, daß er jeden feindlichen Krieger, der ihm vor die Klinge' kommen würde, ohne Gnade und Barmherzigkeit niedermetzeln wolle.O, -nicht so grausam, lieber H äs le in!" jagte dann immer Dorchen, Gundrams schöne Tochter, die ihn üb­rigens' wegen seines heiligen Eifers für Freiheit und Vaterland, innigst liebte. Sie selbst nahm an dem Schicksale des bedrängten deutschen Volkes den. leb­haftesten Antheil. Darin stimmte sie ganz mit dem geistvollen Tanzmeister zusammen, und er gewann ihr Herz, das sie seinetwegen einem früheren Ver­ehrer entzog.

Dies war der Kaufmann Burkhard/ ein junger, liebenswürdiger Mann. Er sprach aber nie von Thaten, die er beim Landsturm thun wollte, und darum hielt ihn D o r ch e n für feige. H ä s- l e i n machte ihn sogar als einen lauen Patrioten und geheimen Anhänger des Feindes verdächtig, weil er sich niemals in blutdürstige Kriegsgespräche mischte,