Seite 108 C^C^C^^^MC^C^ß^S^ßS Unsere Neimat (^^^£^^^C^(^ Nr. 12
Hub dennoch Weihnachtenl
Von D. ytarl nd ob ihr's nicht sähet — es schwebt doch über der leidvollen Welt! Eure Kinder fehen's.
Sie haben die Augen dafür behalten. Sie wandern wieder, wie in den früheren Jahren, Hand
in Hand zum Kripplein und freuen sich des Christkinds, das in Armut zur Welt kommen ist und doch so viele reich macht, die niemand gezählt hat und niemand zählen kann. Und wenn auch keine Lichter dies Jahr aus der grünen Tanne herausfunkeln eine Tanne muh doch in eure Stuben. Und unter die Tanne muh die Krippe und die Maria und das Kindlein und der Josef und die Hirten und die Schafe und der Engelchor über dem Hüttlein. Und die alten lieben Lieder müssen wieder gesungen werden, und eines von den Kindern muß erzählen, „es begab sich, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging..." Das alles muh sein. Das seid ihr euren Kindern schuldig, bie ihr nicht vertreiben dürft . aus dem Weihnachtsland, weil ihr alle mit einander im finstern Sorgenland gehen müht.
Und euch selber seid ihr es schuldig. Denn ihr braucht das Weihnachtsland genau so notwendig wie euere Kinder. Ja, ihr Großen und Gescheiten, ich sag es euch auch einmal: ihr braucht das Weihnachtsland! Oder sagt einmal: braucht ihr nicht ein Land, in dem das Wort „Versöhnung" stärker ist als das Wort „Feindschaft"? Ein Land, in dem das Wort „Erbarmen" triumphiert über das Wort „Gewalt"? Vielleicht zuckt ihr die Achseln und sagt: „Ach, ein Land, in dem diese Geister gehen, gibt es nicht!" Das ist leicht gesagt. Ich aber sage euch dagegen: „Ihr sucht ja dies Land, gerade ihr Zweifler und Verzweifelten! Ihr sucht es alle!" Die Menschenwelt müßte auseinanderfallen, wenn sie dies Land nicht mehr suchen wollte. Eher läßt sie sich ihr Herz aus der Brust reihen, als die Hoffnung, daß ein solches Land einmal herniederschwebte auf all die Nacht, in der wir jetzt gefangen liegen. Und je ärger es hineingeht in den Jammer des Weltenhasses, umso glühender brennt in den Seelen der Menschen das Verlangen nach dem Weltversöhnungstag. Je zerrissener wir alle sind unter den Wunden, die Feindseligkeit und Gewalttätigkeit uns schlagen, um so mehr schreien wir nach der Hand, die in all diese Wunden einen heilenden Balsam träufelt. Je unmenschlicher die Menschenwelt wird, um so mehr fährt die Frage durch unsere Seelen: Wann wird einmal diese Erde von Menschen bewohnt werden, die den Namen Mensch verdienen? Wer wird einmal alles, was an Heiligem, Zartem, Innerlichem, Feinem und Lauterem in einer Menschenseele wohnen kann, frei machen von dem Schutt, der es verdeckt und verdirbt?
Kennt ihr den Schrei der Menschenwelt nach Erlösung? Wer ihn jetzt nicht kennen gelernt hat, oer hat kein Herz im Leib. Es ist der riesigste Wunsch, der durch die Seelen der Erde flammt: daß aus den Menschen — endlich einmal Gotteskinder würden, damit die Welt eine Welt des Friedens werde!
Und drum braucht ihr alle den Gang zum Weih- nachtsbaum, unter dessen Schatten die Krippe steht, die Krippe, in der der Welterlöser das Erdenleben begonnen hat.
Einer der alten Meister, die vor Jahrhunderten sich mit der Herstellung kunstvoller Uhren beschäftigt
Hesselbacher.
haben, hat — wie uns die Dichterin Marie v. Ebner- Eschenbach erzählt — in den Boden des Federhauses, das die Kraft umschließt, von der alle Bewegung ausgeht, die das ganze Getriebe gleichsam beseelt, den Namen Jesu eingegraben. Ein wundervolles Sinnbild! So wie in der Uhr die Feder die Triebkraft des Ganzen darstellt, so ist Jesus die verborgenste Triebkraft der Weltgeschichte. Sein Geist, seine Kraft, sein Wesen muß in den tiefsten Tiefen die Menschenwelt durchflammen, damit sie wird, was sie werden soll.
Seht, das ist unsere Zuversicht an Weihnachten: da wird wieder einmal der ganzen Menschenwelt vor die Augen geführt, in wem ihre Zukunft, ihres Friedens letzter Halt und Trost, liegt. Jesus die Triebkraft der Menschheit, das ist die unvergängliche Botschaft von unserer Erlösung. Die rufen wir hinein in die Menschenwelt, die jetzt in ihrer größten Not liegt: jetzt erst, recht! Es muh Weihnachten auf Erden werden! Denn Jesus muß — der Atem eurer Seele werden. Dann seid ihr erlöst, aus der Friedlosigkeit eingegangen in die Heimat des Friedens. Nachdruck verboten. „Die Quelle".
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| Schicksal,
: Gewalt zerbricht. Der Reiche Macht zersplittert.
^us brandiger Nacht der neue Tag gewittert.
Schein ward geprüft und ohne wert befunden.
Nun stürzt das Tausendsähr'ge hin in Stunden.
Der Trug von gestern stützt den Trug von heute
Nicht mehr. Die Lüge wird der Kraft zur Deute.
Der neuen Zeit erstehen neue Richter:
: Propheten lodern und im Sturm die
Dichter.
wir sind die Unbesiegten, die Durch- glühten.
: wenn die Armeen wanken in dem wüten,
wir heben unsre Nerzen hoch ins lichte Schlachtfeld der Wirklichkeiten, der Gesichte.
Der Ewge bleibt in tausend Untergängen,
: Und Gott verkündet sich in donnernden Gesängen,
: Uns aber, die wir gläubig in ihm sind, Verweht von Berg und Turm kein Schickfalswind.
Gertzard Günther am 1$. Sept. 1^8.