Einzelbild herunterladen
 

Nr. 11 ^^^Q|)3/^ Unsere Heimat ^r^^nw^^^r^^^^^ Seite 105

neue Lebensart gerüstet und er starb gestern in Forli nach kurzem Krankenlager. Klagend stehen an seiner Bahre, sein Vater, seine Gattin, seine Mutter und jene alte Mutter, die foviele Könige und den Kaiser gebar und den Untergang ihrer Reiche sah und noch immer auf der Schwelle- des Grabes sitzt und nicht nicht sterben kann, nachdem alles um sie her ge - storben. —

Während man in Deutschland über den Verfasser der italienischen Briefe im Unklaren war und lange blieb, war man im Baciocchi'schen Palaste bald zur Gewißheit gelangt, daß nur er der Verfasser sein könnte. Prinzessin Napoleons sagte es ihm auf den Kopf.

„Mit der Uebersetzung der Allgemeinen Zeitung kam sie wie eine Blutvergießerin in den Palast. Es kam zwischen ihr und mir zu einem bösen Auftritt, wobei ich manchmal vergaß, daß ich einem Weibe gegenüber stand. Die ganze Stadt sollte gegen mich aufgebracht werden. Allein die Erregung legte sich doch bald wieder. Der gute Ruf, dessen ich mich er­freute, kam mir zu statten. Man glaubte mich auf einem Irrweg befangen. Indessen war mir doch die ganze Geschichte verleidet. Ich fühlte mich in einer fausse situation. Am liebsten hätte ich meine Stelle aufgegeben, und nur der Prinz hielt mich zu­rück, die Meinung, es würde niemand anders im stände sein, seine Erziehung zu fördern."

Was Lotich von seinem Vorhaben abhielt, die Rücksicht auf seinen Zögling, ehe ers dachte, schon ein paar Wochen später, sollte sie wegfallen. Prinz Frederigo starb in Rom im Hause seines Onkels Borghese- an den Folgen eines Sturzes vom Pferd. Die Tagebuchblätter, die über die näheren Umstände dieses die fürstliche Familie schwer treffenden und

auch Lotich tief berührenden Todesfalles berichteten, sind leider verloren gegangen.

Es scheint, als wenn der Tod des einzigen Sohnes den Fürsten dem Erzieher seines Sohnes noch näher brächte. Der Fürst bewog Lotich, auch weiterhin in feinem Hause zu bleiben, und er blieb noch ein gan­zes Jahr. Von seinen Pflichten entbunden benutzte er dieses Jahr zu fleißigen Studien. An der Uni­versität erwarb er die philosophische Doktorwürde. Die Verbindung mit den Cotta'schen Blättern wurde aufrecht erhalten durch eine ganze Reihe von Auf­sätzen, die Lotich über italienische Verhältnisse, Land und Leute, Kunst und Küstler, Theater, Poesie u. dergl. in der Allgemeinen Zeitung und im Morgen­blatt veröffentlichte. Da Cotta diese Beiträge so hoch wertete, daß er sie gegenüber anderen Auslands- correspondenzen doppelt und dreifach honorierte, floh Lotich aus dieser Verbindung eine gute Einnahme­quelle. Seine erhöhten Einnahmen ermöglichten es ihm, seine damals schon sehr umfangreiche und be­deutende Sammlung von Büchern, Gemälden und Kupferstichen, die er im Laufe der Jahre, durch die Freigebigkeit Le Blancs und des Fürsten unterstützt, mit scharfem Blick für das wirklich Wertvolle zu­sammengebracht hatte, zu erweitern und zu vervoll- kommen. Es muß damals für den Kenner ein leich­tes gewesen sein, in Italien mit verhältnismäßig geringen Mitteln Bücher, Gemälde, Stiche zu er­werben, die heute zu den größten Seltenheiten ge­hören und unbezahlbar sind. Auf die Lotich'sche Bibliothek werde ich noch zurückkommen. Ihr großer Wert ist leider erst erkannt worden, nachdem sie nach seinem Tode zu einem Spottpreis in die Hände von Antiquaren übergegangen war.

Fortsetzung folgt.

Unsere Wochentage,

ihre Namen und ihre Bedeutung im Volksglauben.

Von Rektor E. M a l d f e l d, Steinau. Fortsetzung.

er Donnerstag war dem Gölte Donar oder Thor. (alt). Thuner) geweiht. Er heißt ahd. Toniristac, Donarestac; mhd. Donerstac; alt= nord. Thorsdagr; altfries. Thunresdei, Tornsdei; neufries. Tongersdey; nordfries. Türsdei; schwedisch Thorsdag; engl. Thursday; niederländ. Donder - dag. Luther nennt ihn „Dornstag". In der Schweiz wird er „Donstig" genannt. 1) In Bayern und Oesterreich ist die Bezeichnung „Pfinztag" gebräuch­lich, d. h. der fünfte Wochentag, von dem griechischen Zahlworte „pente" - fünf (Dergl. auch Anmerkung 10 „U. H." Nr. 9/10 1918, S. 95)

Ein unverkennbarer Ueberrest der Verehrung des Gottes ist die noch bis in die neueste Zeit unaus­rottbare besondere Heilighaltung des Donnertags durch das Volk. Der Donarkultus wurzelte eben tief in dessen Herzen, trotzdem ihn die Kirche mit allen Mitteln bekämpfte. Schon in der Dekretalensamm- 'lung des im Jahre 1024 verstorbenen Bischofs Bur- chard von Worms werden die Geistlichen ausdrücklich angewiesen, jedes Beichtkind zu fragen: „Quintam feriam in honorem Jovis honarasti?" d. h.: „Host du den Donnerstag zu Ehren Donars gefeiert?"

‘) Kluge, a. a. O., S. 75.

Namentlich der erste Donnerstag je im dritten Monat (März, Juni, September, Dezember) wird für außerordentlich heilig gehalten. Der an diesem Tage Geborene ist ein Wunderkind.

Wer auf Weihnachten, wenn es auf einen Don­nerstag fällt, geboren wird, ist geistersichtig und sieht „die Umgehenden", und wer am Sonntag ge­boren, am Donnerstag aber getauft wird, ist heren- sichtig.

Am Donnerstag gehen die Zwerge aus ihren Höh­len auf Besuch, „sie feiern."

Im südlichen Schweden wird am Donnerstag keine Christenleiche begraben, kein Brautpaar eingesegnet, kein Kind getauft, weil man feit Einführung des Christentums diesen Tag vorzugsweise als den heid­nischen betrachtete, der einer christlichen Handlung keinen Segen bringe. Doch gilt er zugleich auch wie­der als der geeignetste für Zaubereien. Man be­schwört an ihm alle dem Einflüsse der Eiben zuge- schriebene Krankheiten; man legt Opfergaben in oen Topf, der für diese „Unterirdischen" auf den Herd gestellt wird; man besucht Heilquellen, und wenn die weise Frau, die Horgabraut (von haruc - der Hain, also die Waldfrau) einen Kranken an einem Don-