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Leite 89
ursprünglich zum Königsgut gehörende Mark Salz in den Besitz der Abtei Fulda, die in der Folgezeit diesen Teil ihres Besitzes durch einen auf der Burg Stolzenberg hausenden Amtmann verwalten lieh.
In Salmünster scheint sich im Anschluß an die Kirche schon frühzeitig eine dörfliche Niederlassung gebildet zu haben, die entsprechend der fortschreitenden Rodung und Urbarmachung des Waldes an Größe zunahm. Außer der Kirche, deren Grundbesitz durch die Schenkungen der Gläubigen vermehrt wurde, waren die Herrn von Jossa, die in der nicht fernen an der Jossa gelegenen Burg Jossa ihren Sitz hatten, Hauptgrundherrn in Salmünster. Sie müssen auch schon frühzeitig das Gericht und die Vogtei im Dorfe Salmünster von Fulda zu Lehen gehabt haben, denn im Jahre 1320 verkauften sie oiese Lehnsstücke an das Stift Fulda für 450 Pfund Heller zurück.
Solange Ordnung im Reiche herrschte, mag sich die Kirche und das Dorf Salmünster im Schutze des nahen Stolzenbergs hinlänglicher Ruhe und Friedens erfreut haben. Als aber mit dem Sinken der Kaiserlichen Macht das Fehdewesen in den deutschen Landen mehr und mehr überhand nahm, genügte dieser Schutz für das am 4. August 1320 durch Kaiser Ludwig den Bayer zur Stadt erhobene Salmünster nicht mehr.
Abt Heinrich von Hohenberg war daher darauf bedacht, der neuen Stadt auch einen hinreichenden Schutz gegen feindliche Angriffe zu schaffen und sie zu diesem Zwecke mit Mauer und Graben zu umgeben. Er erwirkte 1332 vom Kaiser das Recht in Salmünster und Soden ein Ungeld 2) vom Wein erheben zu dürfen und vermehrte dadurch die Mittel, die zum Bau und der Unterhaltung einer derartigen Befestigungsanlage nötig waren. Ein Zoll, den der Abt wohl zu demselben Zwecke in Salmünster eingeführt hatte, mußte auf Befehl des Kaisers im Jahre 1344 wieder aufgehoben werden. Ueber den Bau und die Beschaffenheit der Mauern und Gräben in Salmünster sind keinerlei Nachrichten auf uns gekommen. Wir wissen nicht einmal mit Sicherheit, ob das von Fösser 3) angegebene Jahr 1344 wirklich das Jahr ihrer Fertigstellung gewesen ist. Etwas genauer unterrichtet sind wir nur über die Zeit des Baus eines Wehrturms, der im Jahre 1404 offenbar zur besseren Verteidigung der den Schutz des Grabens entbehrenden Eintrittsstelle des vomKling- bach abgezweigten Mühlgrabens, errichtet worden ist.
Da aber die ehemalige Stadtmauer von Salmünster fast ganz bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben ist und von dem trocken gelegten einstigen Stadtgraben noch überall deutlich erkennbare Spuren vorhanden sind, so kann es nicht schwer fallen, einen Plan der alten Stadtbefestigung zu rekonstruieren und hier wiederzugeben.
Auf den ersten Blick fällt uns die regelmäßige, rechteckige Gestalt des alten Salmünsters auf 4), die
2) Im Mittelalter war es allgemein üblich, daß die
Herrn den Städten zum Bau oder zur Unterhaltung ihrer Befestigungsanlagen ein Weinungeld verliehen. Siehe E. I. Zimmermann, Hanau Stadt und Land, Seite 542.
3) Optat Fösser, Beiträge zur geschichtlichen Darstellung der alten Munizipalstadt Salmünster in Welles Buchonia I, S. 245-270.
4) Das von der Mauer umschlossene Gebiet der Stadt hat eine Länge von 250 Meter und eine Breite von 190 Meter. Seine Fläche hat also eine Größe von 47500 qm.
eher an die eines altrömischen Kastells, als eines mittelalterlichen Städtchens erinnert. Man kann daraus schließen, daß sich der Mauer-Gürtel nicht von vorneherein dem bebauten Teile der Ortschaft eng angeschmiegt hat, sondern daß er noch freie, für spätere Bebauung geeignete Flächen in sich einge- schlassen haben wird.
Der älteste Teil des Orts, die uralte Kirche 5) mit ihrem Zubehör, nahm die westliche Ecke des ummauerten Stadtgebiets ein. Ihr viereckiger nach Westen zu gelegener, etwa-30 Meter hoher Turm aus starkem Mauerwerk war in die Uminauerung der Stadt einbegriffen, fodaß er gleichzeitig als Wehr- und Wartturm zu dienen vermochte. Das Schiff der Kirche endete nach Osten zu in einem verhältnismäßig geräumigen Chor. Der Eingang zur Kirche befand sich an ihrer Südseite. In der Nähe der Kirche lagen seit 1319, wo die Pfarrkirche einer Gemeinschaft von Weltgeistlichen, einem sogen. Kollegiatstist, über- lassen war, einige Wohnhäuser (Kurien) dieser Geistlichen. Oestlich und westlich vom Chor der Kirche dehnte sich der Begräbnisplatz aus, auf dem sich an den Chor der Kirche anlehnend das Hospitalgebäude erhob. Die dörfliche Ansiedelung erstreckte sich von der Kirche in östlicher Richtung bis an und über den Mühlgraben hinaus. An ihrem Ende nach Osten zu wird der frei eigne Hof des Herrn von I fsa gelegen haben, der nach der Fertigstellung der Befestigungsanlage die Ostecke des Orts einnahm. In der Mitte zwischen der Kirche und diesem von Jossa- schen Freihof lag an einem vom Klingbach abgezweigten Mühlgraben ine sogen. Eichenmühle, oie zu 3/4 dem Stifte und Hospitale zu Salmünster, zu 1/4 den Herrn von Jossa und später den Herrn von Hütten gehörte. Mitten durch den Ort führte von Norden nach Süden in gerader Richtung die breite Hauptstraße hindurch, von der sich engere Seiten- gäßchen nach beiden Seiten abzweigten. An oieser Hauptstraße erhoben sich später das Rathaus und die beiden Hauptgasthäuser, der weiße Engel und die Rose.
Die Befestigungsanlage Salmünsters bestand aus einer 4—5 Meter hohen und im Durchschnitt 1,15 Meter dicken Mauer aus Sandsteinmauerwerk, vor der sich ein durchschnittlich 18 Meter breiter mit Wasser gefüllter Graben hinzog.
Während die Mauer nur am Ein- und Austritt der Hauptstraße durch je einen Torweg unterbrochen war, zeigte der Graben auch Unterberechungen da, wo der Mühlgraben in den Mauergürtel ein- und aus ihm wieder austrat. Er bestand daher aus 4 gleichgroßen, Auch die alten Karolingischen Königshöfe hatten die viereckige Form der altrömischen Kastelle. Ihre Form lebte vielfach in der Neuanlage mancher Befestigungen des Mittelalters fort. Hoops Reallexikon der klassischen Altertumskunde III, Seite 85.
5) Die alte aus dem 9. Jahrhundert stammende Stiftskirche ist nach Fuchs im Frühjahr 1737 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Bilder oder Pläne von ihr besitzen wir nicht. Man weiß nur, daß sie nach alter Sitte mit dem Turm nach Westen und mit dem Chor nach Osten gerichtet war und daß sie an ihrer Südseite 2 Eingänge besessen hat. Seitwärts müssen ihr später je 1 Kapelle angebaut gewesen sein, die beide der Familie von Hütten ihren Ursprung verdankten und ihr als Begräbnisstätten gedient haben. Der viereckige, glatt ohne jede Gliederung 30 Meter hoch aufsteigende Turm der ehemaligen Kirche ist erst am 19. März 1895 zum Teil eingestürzt und dann vollends abgetragen worden.