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Seite 86 m^i^^%d(^^k^^ Unsere freimat ^^^^^^r^^^^ß^e^ Nr. 9/10

Hnie, auf der sie erobert wurden, sind sie alle wieder von Rußland abgebrochen. Diese Randvölker und ihre Selbständigkeit gegenüber Rußland müssen wir halten, dann ist die Wiederaufnahme der Einkrei- sungspolitik von feiten Englands unmöglich und wir können das maritime Gefängnis, in dem uns England hält, sprengen 'durch einen Druck zu Land auf Aegypten und Indien.

III . Deutschland und der Orient.

Wenn, was nicht ausgeschlossen ist, England heute uns Frieden anbietet, so wird es uns mancherlei zu­gestehen und für sich das eine verlangen: Vollkom­menen deutschen Verzicht im Orient und Anerkennung des Orients als englisches Interessengebiet. Das ist die größte Sorge Englands, das den Zusammen­halt seiner um den indischen Ozean gruppierten Be­sitzungen sichern will durch Herstellung der Landbrücke zwischen Aegypten und Indien. Wir müssen dem­gegenüber klar erkennen, was der Orient für uns bedeutet. Er ist für Uns ein Gebiet für Nahrungs­mittel und Rohstoffe, das zu Lande zu erreichen ist, und außerdem das einzige Gebiet, über das wir einmal hoffen dürfen, geistigen, wirtschaftlichen und politischen Einfluß zu erlangen. Fällt Palästina, Syrien, Mesopotamien, Babylonien Und Persien an England, so bedeutet das ein für uns höchst gefähr­liches Wachstum Englands. Die politische Lebensver­sicherung Deutschlands wäre: Schaffung einer mili­tärischen Basis im Orient, die uns erlaubt, auf Aegypten und Indien zu drücken und dadurch Eng­land zu einer Politik der Rücksichtnahme auf uns zu zwingen.

IV Deutschlands Ueberseeinteressen.

Die deutsche Ueberseepolitik mußte ausgehen von der Tatsache unserer Volksvermehrung. Wir haben uns seit 1870 "von 40 auf beinahe 70 Millionen Menschen vermehrt. Machen wir die allerdings reich­lich optimistische Annahme, daß wir im selben Maße weiter wachsen, dann ist ein doppeltes sicher 1. Wir werden sicher ein Industrievolk bleiben, also Roh­stoffe brauchen 2. früher oder später wird der Boden nicht mehr reichen, die Industrie wird einen Grad der Sättigung erreichen, und wir müssen Menschen ab­stoßen. Daraus ergeben sich also zwei Notwendig­keiten : Deutschland braucht 1. Rohstoffgebiete, 2. Siedelungsgebiete. Weiter kommt hinzu, daß wir nicht dulden dürfen, daß ganz China, dessen Kultur aus dem Erstarrungszustand «gegenwärtig sich löst, eine Filiale der angelsächsischen Kultur wird, wenn wir den Zustand auf der Welt vermeiden wollen, daß alle Kulturen außer der angelsächsischen nur noch kleine Enklaven in dem alles beherrschenden an­gelsächsischen Einflußgebiet sind.

Es gibt 3 überseeische Welten, die gegenwärtig im Umbau begriffen sind

1. die orientalische. Sie 'muß ein sicheres Lieferungs- gebiet für Rohstoffe für uns werden.

2. die afrikanische. Hier 'werden wir unser künftiges Siedelungsgebiet zu suchen haben.

3. die chinesische. Dort chaben wir uns ein kultur­politisches Einflußgebiet zu sichern.

E ö b e I: Rohstoffversorgung im Krieg und nach dem Krieg.

Die Gefahr des Knappwerdens einer Reihe wichti­ger Rohstoffe hat den Anlaß zur Gründung der

Kriegsrohstoffabteilung gegeben. Es genügte nicht, das fertige Erzeugnis zu bewirtschaften oder den Rohstoff zu beschlagnahmen, sondern jedes Zwischen­glied vom Rohstoff bis zum Fertigfabrikat mußte erfaßt werden. Der Begriff der gemeinnützigen Ar­beit der Kriegsgesellschaften mußte erzwungen wer­den. Die Hauptmittel, mit denen die Rohstoffge­sellschaften arbeiten, sind 1. Vorräte im Inland 2. Einfuhr (Kompensationsverkehr!) 3. Jnlanderzeu - gung 4. Alt- und Abfallstoffe. Da 3 dieser Quel­len abnehmende Tendenz haben, kommt dazu 1. die Sparwirtschaft 2. die Ersatzwirischaft. Die Hauptauf­gabe wurde bewältigt, dafür zu sorgen, daß nicht Rohstoffmangel uns zu militärischen oder politischen Zugeständnissen nötigte.

Nach dem Krieg wird die Kaufkraft unseres Lan­des und aller übrigen stark abgenommen haben. Eins Reihe von Rohstoffgebieten haben sich während des Kriegs industriell emanzipiert und verarbeiten ihre Rohstoffe selbst. Valutarücksichten und Schifssraum- mangel werden den Rohstoffbezug weiter beschränken. Die Inlanderzeugung wird also gewaltig erhöht wer­den müssen, wobei zwei Gefahren zu vermeiden sind, die der allzu hohen Kosten der Ersatzstoffe und die der Verminderung der Nahrungsmittelanbaustäche durch Anbau von Faserstoffen. Ganz ohne auslän­dische Rohstoffe werden wir auf die Dauer nicht aus­kommen können. Der Osten ist berufen hier eine ungeheure Bedeutung für uns zu erlangen.

Feiler: Uebergangswirtschaft.

Der Krieg hat eine gewaltige Revolution unserer Wirtschaft mit sich gebracht. Die Geldentwertung ist die beherrschende Erscheinung. Diese ist mit ver­ursacht durch den Mangel an Sparsamkeit, durch die Anreizpolitik des Reiches. Aus der Preissteige­rung ergibt sich eine Umschichtung der Vermögensver­hältnisse, die ihrerseits eine Monopolstellung des al­ten Besitzes zur Folge hatte. Ebenso groß sind die Veränderungen in der äußeren Wirtschaft. Die Menschheit verarmt an Rohstoffen. Der Schiffs­raum wird immer kleiner. An Geld wird ebenfalls Mangel sein. Die Zerstörung unseres Außenhandels wird enorm sein. Der Haß gegen alles Deutsche wird noch aus Jahrzehnte Schwierigkeiten bereiten. So stehen wir vor ungeheuren Aufgaben für die Ueber- gangswirtschaft. Bei Friedensschluß werden die Men­schen zurückströmen, und die Kriegsarbeit wird auf­hören. Wenn auch Eisenbahnverwaltungen, Städte und staatliche Betriebe als Besteller austreten und noch manche von der Heeresverwaltung zurückgehal­tene Vorräte frei werden, wird doch die Umstellung in die Friedenswirtschaft schwer sein. Wir werden die Zwangswirtschaft beibehalten müssen. Der Mangel, der zu ihr geführt hat, wird bestehen bleiben. Die Lebensmittel werden knapp bleiben, ebenso die Roh­stoffe, wir werden also weiterhin rationieren müssen im Interesse der Konkurrenzfähigkeit der kleineren und mittleren Betriebe. Die Einfuhr muh rationiert werden. Und da die Verhältnisse in andern Ländern ähnlich liegen, wird eine internationale Organisa­tion nötig werden. Mit der Freiheit der Wirtschaft werden wir nicht mehr auskommen. Der Bedarf des einzelnen muß zurückstehen hinter dem der Gesamt­heit. Eemeinwirtschaft wird die Lösung sein. Der Geist der Opferbereitschaft und der sozialen Gemein­schaft nur kann die Schwierigkeiten der Uebergangs­wirtschaft besiegen.