Seite 84 .'^^/^^ßÄ^^ Unsere freimnt c^i^t^^i^c^^i^c^^s^ Nr. 9/10
Ausstellung regte unsere Hausfrauen zu erneutem freudigen Schaffen an und zeigte, wie die schon vorher im Kreise verunstalteten Kurse, daß wir im Sparen noch lange nicht ausgelernt haben. Die Ausstellung von Erzeugnissen der deutschen Faser- stosfindustrie lehrte, wie wir auf dem Wege sind, uns schön gearbeiteten Ersatz in Geweben für die Auslandsware zu schaffen. Auch der Schlüchterner Heimatbund stellte sich bereitwillig in die Reihe der Dar- bietenden, um den Gästen ein Bild seines Wirkens und seiner Ziele zu bieten.
An unserer dürftigen Obsternte werden wir selbst nicht viel Genuß und Freude haben dürfen. Der .Staat muß vor allem das Heer mit Br 0 tauf- strich versorgen und muß uns zwingen, mit unseren kleinen Beständen hauszuhalten und nichts auszuführen, sondern den Hauptbestandteil der gesamten Ernte abzuliefern. Da wird der kleinste „Krüps" wertvoll, um den eigenen Bedarf zu dek- ken. Viel rohes Obst jetzt zu essen, wird zu oer Zeit, in der Garten und Feld noch so viel Gutes und Schönes an Nahrungsmitteln bieten, als Vergeudung angesehen werden; und der Apfelweintrinker wird sich erst recht bescheiden müssen. Trösten wir
uns mit der Feststellung, daß der Obstgenuß den Appetit reizt, und daß wir während des Krieges solche Anreize nicht gebrauchen können.
Nun naht der lange Winter und wird den „Schwerarbeitern" — worunter wir nicht nur diejenigen mit der Brotzulage verstehen — etwas Ruhe und Sammlung, wenig Petroleum und demnach lange, wohl oft genug schlaflose Nächte bringen. Der Heimatbund rüstet, den Hungernden und Dürstenden gesunde und nahrhafte Kost zu bieten, Kost für Geist und Seele, die ebenso wie der Leib der Labung bedürfen. An ungesunder Kost, nämlich schlechten Büchern, sehlt's nicht. Das „Geschäft" bringt mehr ein, wenn der Schund „geht". Der Heimatbund wird einen wandernden Bücherboten in Gestalt eines Kriegsbeschädigten in's Land schicken, um gute Bücher für alt und jung anzubieten und auf diese Art anfangen, wieder aufzubauen da, wo der Krieg Zerstörungen angerichtet hat. Er rechnet aus die Hilfe aller derer, die nicht untätig zusehen wollen, wenn unsere Jugend in Gefahr steht. In dem Sinne wird der gesamte Arbeitsplan für den langen Winter die Fühlung aller Glieder und Freunde des Heimatbundes zu erhalten suchen. Walther.
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Deutsche Ernte.
Von Werner Eckart
^Tm Gartenhäuschen des Erholungsheims „Be- thanien" im Vorgelände des badischen Schwarz- " Waldes schreibt sich's gut. Wenn auch kein Schiller hier sitzt und ein unsterbliches Werk schafft, wie im Gartenhaufe zu Loschwitz an der Elbe einst geschah, so muß doch auch kleinere Geister die Umgebung begeistern, zu singen und zu sagen von 4-, „deutscher Ernte". Im Garten des Heims prangt herrlich allerlei Gemüse, umkränzt von bunten Blumen. Der Wald mit seinen Tannen und Buchen grüßt die Felder der Dorfgemarkung, auf denen „eine Pracht ernte der Sichel sich neigt". Ich gedenke bei so reicher Gesamternte an das große, teure Vaterland, in dem, wie die Zeitungen melden, überall eine gute Ernte zu erwarten ist und in diesen Tagen eingesammelt wird, und wo insbesondere zum ersten Male seit Kriegsausbruch eine volle Körnerernte auf dem Halme steht. Da zieht mir ein altes Pfalm- wort durchs Herz, es steht in Davids unsterblichem Hirtenliede (Psalm 23) und lautet: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde". Wer dächte dabei jetzt nicht an den Aushungerungskrieg, den England deutschen Frauen und Kindern geschworen ? Nun muß unser brutalster und zäheiter Feind mit Zähneknirschen vernehmen, wie Gott der Herr die deutschen Fluren gesegnet und uns angesichts der lauernden Eegener über Erwarten herrlich wieder den Tisch gedeckt und das tägliche Brot beschert hat. Da muß es doppelt dankbar beim Erntedankfest gesungen werden: „Der Herr ist noch und immer nicht von seinem Volk geschieden, er bleibet ihre Zuversicht, sein Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre!"
Freilich wird bei solchem Lobgesang manche heiße Träne auf das Gesangbuch fallen. Ach, die Sichel
des Todes hat so viele Tausende von deutschen M än- nern und Jünglingen dahingerafft! Heldengrab an Heldengrab, mit dem Kreuz des Herrn geschmückt, wölbt seinen Hügel in Feindesland. Eltern, Ehefrauen Bräute, Schwestern klagen um die Edelopfer, die der blutrote Weltkrieg gefordert hat. Der Tod hielt eine überreiche, entsetzliche deutsche Ernte! Aus dem Munde meines Direktors, der als Offizier im Felde gestanden, vernahm ich ein merkwürdiges Wort, das aber köstlichen Seligpreisungen Jesu und einem Spruch der Offenbarung nachgebildet ist; es hieß: „Selig sind die Toten, die für die Heimat sterben, denn ihre Saat ist nicht umsonst gesät!" Die Liebe hofft, daß er, der Erb armer, vielen, vielen drüben die Reife für seine Herrlichkeit schenken wird. Unbedingt wahr ist: sie starben nicht umsonst für ihr Vaterland! Sie haben unsere Grenzen mit einer lebendigen Mauer vor dem Einbruch des Feindes geschützt, und jeder von ihnen hat zu dem großen, herrlichen deutschen Wunder beigetragen, daß ein Volk von 70 Millionen vielen Nationen mit Hunderten von Millionen bisher siegreich standgehalten hat! Der Herr der Heerscharen aber gebe uns vollends den deutschen „Siegfrieden" und ein geschütztes, starkes Vaterland als Frucht der Opfer und Heldentaten, — als deutsche Ernte.
Die schönste Ernte aber aus der opfervollen Aussaat dieser riesengroßen Kriegszeit wäre es, wenn aus den Strömen von Blut und Tränen ein einiges und frommes Volk hervorginge! Noch sieht es nicht danach aus. Der „Burgfriede" hat wieder heißen, häßlichen Kämpfen Platz gemacht; das deutsche Volk ist wieder in Parteilager gespalten und in seinen uralten Fehler der Uneinigkeit und Zerrissenheit verfallen. Viele haben fluchen statt beten gelernt und vergessen, mutlos und verbittert, wie Großes der Herr