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Nr. 9/10 ^^^^^/^r^r^^^ß^^ Unsere

Heimat c&c&c&c&c&c&c&c&c&c&c&c^) Seite 8i

zwei dürfen nicht selbst schlecht werden, wenn wir sehen, wie um uns herum einer nach dem anderen sich der Schlechtigkeit ausliefert mit der Entschuldi­gung :Es dauert zu lang." Wir zwei dürfen uns nicht von all denSüchten" packen lassen: der Hab­sucht und Gewinnsucht, der Ehrsucht, der verzeih den Ausdruck, aber man tann's nicht anders nennen - Freßsucht. Wenn uns solch eine Sucht in die Ge­walt bekommt, dann werden wir siech und unsere Seele geht zu Grund. Wir wollen alles zusammenraffen, was wir an gutem Willen und Selbstachtung und edlem Stolz und herzhaftem Trotz aufbringen können. Nein, und nochmal nein! Wir tun nicht mit!". Nicht nur um unserer eigenen Seele willen; sondern solches Sich-nicht-unterkriegenlassen i st vaterlän­discher Hilfsdienst, wir wehren uns um der Seele unsres Volkes willen.

Doch damit ist es noch nicht getan. Wollten wir damit zufrieden sein, das Böse uns vom Leib ge­halten zu haben und nun ruhig zusehen, wie es in unsere Umgebung, bei unseren Mitmenschen immer neue Opfer in seine Netze zieht - wir kämen in Ge­fahr, daß es uns doch auf einmal unversehens er­wischt. Wir dürfen das Böse nicht laufen lassen. Wir müssen ihm entgegenarbeiten, nicht nur bei uns - da gewiß zuerst und unaufhörlich, sondern auch bei den anderen. Das Klagen und Jammern unb Schimpfen hilft da gar nichts; damit tut man dem Bösen keinen Abbruch (im Gegenteil, damit öffnet man ihm ein Hintertürchen, durch das es mit einer Maske vor dem Gesicht gradewegs in unser Herz hereinmarschiert) ; das Böse kann nur überwunden werden mit Gutem. Das Gute ist zu allerhand Waf­fen zurechtgeschmiedet; gegen den Haß die Liebe, gegen den Neid die Zufriedenheit, gegen die Lüge die Aufrichtigkeit, gegen den Hochmut die Demut,

gegen den Geiz die innere Freiheit vom Geld, gegen den Wucher das Reinlichkeitsgefühl und der Anstand. Das sind so einige der Waffen; wir zwei wollen sie führen, standhaft und treu.

Und wenn du mit dem Guten das Böse bekämpfst, dann wirst du merken: wir zwei sind ja nicht die Einzigen, die im deutschen Volk diesen Kampf um die Volksseele kämpfen, sondern wir haben viel Waf- fengefährten; du findest sie überall: im feldgrauen Rock und im Arbeiterkittel, hinter dem Pflug und hinter dem Schraubstock, hinter dem Ladentisch und auf der Amtsstube; unter den Leuten, die einvon" vor ihren Namen setzen, und unter denen, deren Name zeit ihres Lebens nie gedruckt und außerhalb ihres Dorfes auch nie genannt wird: unter Männern und Frauen, unter Greisen und unter der Jugend.

Das zu sehen, gibt neuen Mut, gegen das Böse zu kämpfen mit dem Guten. Damit wollen wir uns, mein Freund, aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Kampf schwer ist und das letzte von uns for­dert ; ja, manchmal wird uns der Arm zu erlahmen und der Mut zu schwinden drohen.

Jener, der da warnte:Laß dich nicht das Böse überwinden" und der da forderte:Ueberwinde das Böse mit Gutem", hat den Kampf schwerer gehabt als wir zwei (wir sehen das aus seinen Briefen); aber er hat sich doch nicht überwinden lassen, und sein Leben hat den Beweis geliefert, daß er tatsäch­lich mit dem Guten viel Böses an ganz besonders wichtigen Punkten überwunden hat. Wie brächte er es fertig? Er erklärt es einmal selbst, in dem er Den so stolzen und so demütigen Satz niederschrieb:Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus!".

H. F. F.

Traget ihr das Holz und lastet Gott kochen -

(Aus dem Parlamentsalbum von 1849.)

Volk, laß dich nicht zerspalten

Durch Feindes List und Spott!

Gott wird es wohl verwalten!

Er ist der Freiheit Gott.

Theodor Körner.

was gibt's Heues daheim?

ie sämtlichen Turmhähne unserer engeren Hei­mat schauen seit dem Frühjahr ununterbrochen nach Westen, als wenn sie es wüßten, daß da drüben auf französischem Boden die deutsche Front im erbittertsten Kampfe um die Entscheidung ringt. Dort stehen in den Reihen der Tapferen auch unsere Gedanken, Sorgen und Gebete und kämpfen vereint mit ihnen darum, daß unser Heimatboden von den Tritten der Feinde verschont bleibe, der Heimatacker, dem der von den Turmhähnen täglich angezeigte Westwind den lange verweigerten Regen doch noch rechtzeitig spendete. Was für ein Segen waren diese von heiteren Tagen unterbrochenen Regenschauer, Die eben grade so viel hergaben, als notwendig fürs Wachstum gebraucht wurde! Zwischen Regen uno

Sonnenschein, zwischen kalten und warmen Tagen konnte die schöne Körnerernte eingebracht werden. Ja, wir haben eine schöne Ernte heimbringen dür­fen, ohne Arbeitskraft verschwenden zu müssen. Und nun stehen wir mit Herzen voll Dank vor den vollen Scheunen und Speichern, und das Doppelkonzert von zwei Dreschmaschinen belästigt keine schwachen Nerven, sondern erfreut das Gemüt des Verbrauchers wie das des Erzeugers. Nun können sich zum fünftenmal die Hände derer, die als erste Empfänger die Gottes­gabe vom Heimatacker reichlich nehmen durften, öff­nen zum Weitergeben an die, die an anderen Stellen dem Vaterlande dienen mit den verschiedenen Kräf­ten des Leibes und des Geistes, damit auch von die­sen keiner Mangel leide. Ob das möglich sein wird?