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Seite so ^i^i^i^c^^i^c^i^^i^^ Unsere Heimat ^^l^^^^L^^^tt^^^ Nr. o.io

herzlichen Heimatgruß allen Heimatsernen!

ier Jahre Krieg sind in's Land gegangen. Im Anfang dieses Augusts haben wir alle daran gedacht; und bei vielen von uns war dieses Gedenken begleitet von einem tiefen Seufzer. Aber haben wir's auch richtig bedacht?

Vier Jahre Weltkrieg! Wir Deutsche H^ben in dieser Zeitspanne Großes erlebt. Denk an jenen Abend des 1. August 1914, da der Mobilmachungs­befehl die Telegraphendrähte durchlief und unsre Städte und Dörfer in Teile des großen Heerlagers Deutschland" verwandelte. Ein Druck legte sich auf unsre Herzen; aber sie wurden auch zugleich erho­ben, hochgerissen zu einem starken, gemeinsamen Em­pfinden :Jetzt gilt's!" undWir alle gehören zu­sammen !" Und dann kam der 4. August, da der Reichstag, die gewählte Vertretung des deutschen Volkes, sich wie ein Mann hinter unsere Regierung stellte und dem Kaiser gelobte:Wir folgen dir mit Vertrauen!" Da ward uns der Racken steif und den Kopf trugen wir hoch, und die Hände griffen zu mit eisernen: Griff auf den Kasernenhöfen und auf den Erntefeldern. Denke daran, wie gar man­chesmal unser Herz die Brust sprengen wollte, wenn die wunderbaren Siegesnachrichten kamen von Ost und West, vom Süden und von der See im Norden; wie in festem Trotz unsre Kraft sich stählte, wenn wie­der ein neuer Feind in die Gefolgschaft unserer Gegner eintrat. Wir haben die erhebende, ja ich darf sagen, die beseligende Macht der Begeisterung gar oft spüren dürfen, wir sind als einzelne und als Volk auf Höhepunkte des Lebens geführt wor­den, wie sie nur selten, nicht jedes Jahrhundert auch nur einmal, ein Volk erlebt.

Freilich denken wir jetzt auch daran, daß diese Be­geisterung abgeebbt ist. Das ist nicht zu verwun­dern. Die Welle, die sich über den Wasserspiegel er­hoben hat, muß sich wieder zu ihm, ja unter ihn senken; das ist natürlich. Wir sind unklug und un­gerecht, wenn wir die Freude an jener ersten Be­geisterung uns verbittern durch den Gedanken daran, daß sie vorüberging. Wir wollen uns dankbar freuen, daß jene Begeisterung da war und daß nun - da sie im Alltag der Kriegszeit sich verflüchtigen mußte - an ihre Stelle bei vielen, vielen der feste Wille getreten; der feste Wille, der mehr und Größeres leisten kann, als die aufwallende Begeisterung zu schaffen imstande ist.

Auch dieser Uebergang vom vierten zum fünften Kriegsjahr zeigt uns wieder etwas Großes; es ist so groß, daß wir's kaum wirklich überblicken und deshalb ganz gewiß nicht vollständig werten können. Es ist dieses: daß das deutsche Volk überhaupt noch da ist, und daß es so dasteht. Sind unsere Feinde leichtsinnig und dumm gewesen? Ganz im Gegenteil. Sie waren sehr vorsichtig und sehr klug. Sie haben von vorneherein dafür gesorgt, daß sie die Ueber« zahl hatten an Menschen, an Waffen, an Geld und Lebensmitteln. Sie haben im Lauf des Krieges diese ihre Ueberlegenheit immer noch gesteigert. Und trotz­dem sind wir noch da, brauchen nicht mit letzter Kraft einen kleinen Rest notdürftig zu verteidigen, sondern das ganze Vaterland ist unversehrt, und die Schlachten werden weit drin in Feindesland ge­schlagen und siegreich geschlagen. Den Rücken ha­ben wir frei, und im Westen diktiert Hindenburg den

Kriegsplan, nicht nur für uns, sondern auch für oie Feinde. Wir sind noch da und stehen aufrecht und fest! Wie ist das möglich? Es gibt nur eine Er­klärung, die wirklich diese Tatsacheerklärt". Wir hatten und haben eine Hilfe, die auf der anderen Seite fehlt. Wir wollen's nicht vergessen und dafür dankbar sein!

Neben dem Großen und Erhebenden haben wir im Lauf der Kriegsjahre - je länger, je mehr viel Kleines und Kleinliches erleben müssen. Da­von braucht man nicht zu schreiben, jeder kennt's, mancher kennt das allein.

Und daneben noch dazu viel Schlechtes, Schmut­ziges, Gemeines. Die Bosheit feiert Triumphe. Eng­lische Lüge und Verleumdung hat nicht ausgehört, unsrem kämpfenden Volk Dreck in's Gesicht zu wer­fen. Noch viel schlimmer ist es, daß eine Schmutzwelle über uns in der Heimat weggegangen ist und viele, viele in Stadt und Land bespritzt hat. Den Staub des Kampfes kann man wieder abwaschen; Eiter­beulen, die sich am Volkskörper gebildet haben, kann man aufschneiden und ausbrennen. Aber wenn erst einmal die Volksseele mit Schmutz besudelt ist, wenn sie innerlich vergiftet ist, dann hilft kein Kraut noch Pflaster, und der Anfang vom Ende ist da, dann geht das Volk grauenhaft zu Grunde, auch wenn es im Völkerstreit äußerlich gesiegt hat. Wie steht's darin mit uns am Beginn des fünften Kriegsjahres? !

Einst hat einer bange Sorge gehabt, daß eine An­zahl von Menschen, die seinem Herzen nahe standen, unter der Macht der Bosheit, die sie umgab, inner­lich Schaden nehmen möchten. Zwar hatten sie sich untereinander eng verbunden, aber es war doch nur eine geringe Schar gegenüber einer Uebermacht von Feinden. Und was das Gefährlichste dabei war: die Bosheit drängte nicht nur von außen, von den Fein­den, an diese Leute heran, sondern im Herzen eines jeden war neben dem Guten und Reinen und Starken etwas, was an solcher Bosheit Gefallen fand und nicht übel Lust hatte, sich ihr anzuschließen. In seiner Sorge schrieb jener Mann diesen Leuten :Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!". Das war vor fast 1900 Jahren, der Mann hieß Paulus, die Leute waren die Christen in Rom. (Römerbrief Kap. 12 Vers 21.)

Du, mein deutsches Volk, laß dich nicht von dem Bösen überwinden, laß dich nicht von dem Gemeinen unterkriegen, laß dich nicht von der Schlechtigkeit anstecken! Du nicht, mein Volk, und du, lieber Leser, auch nicht! Wir, du und ich, haben ja Einfluß auf das Verhalten unseres Volkes nur durch das, was wir selbst sind. Versagen wir zwei, du und ich, dann brauchen wir uns nicht zu verwundern, wenn's im ganzen bergab geht. Stehen wir zwei unseren Mann, dann übersteht unser Volk diese innere Ge­fahr ! Denn so ist es es ist immer so gewesen: die paar Guten, Reinen, Rechtschaffenen, Tüchtigen, die halten ein Volk aufrecht; sie bewahren die Masse vor dem Versumpfen und Ersticken und Zusammen- brechen. Weg, mein Freund, mit der elenden Be­scheidenheit, die da spricht:Auf mich kommt's nicht an, ob ich so oder so bin, das ist für das große Ganze einerlei!" Nein, grade auf dich kommt es an! Auf wen denn sonst, als auf dich? !

Laß dich nicht von dem Bösen überwinden! Wir