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Seite es ^^^^^^^^^Q->«^^ Unsere Heimat ^^i^^^^^^^r^^^ Nr. 7/8

die Reformation, dieser Kampf um die Seligkeit, war so, wie sie gewesen ist, nur auf deutschen Booen möglich. Als Bonifatius aus der gefällten Donars­eiche eine Kapelle baute, schlössen zwei Mächte einen ewigen Bund: Deutschtum und Christentum. Bis- marcks Wort bezeichnet zwei Grundzüge deutshen Wesens:Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt". - Und Fremdlände r e i soll uns deutschen Glauben nicht verderben. Die Vorliebe für englische Lieder ist hoffentlich vorbei; sie sind mit der Wucht und Tiefe deutscher Choräle nicht zu vergleichen. Und die Uneinigkeit soll uns nicht die Religion verleiden; seit Arius und Athanasius stehenliberale" und positive" Chri­sten nebeneinander. Wem's Ernst ist mit seinem Glauben, bei dem kann der Deutsche in seiner Duld­samkeit auf das Gemeinsame sehen und das Tren­nende tragen. Wäre nur unser ganzes Volk ein wahrhaft frommes Volk, dann würde es beweisen,

daß es deutsche Art treu bewahrt hat. Denn deutsch sein heißt auch fromm sein. Das deutsche Gemüt braucht einen Gott und Heiland, der seine Liebe und seine Zuversicht und der Quell seiner Kraft ist! -

Draußen läuten die P f i n g st g l o ck e n. Mir aber zieht ein Lied Emanuel Geibels durch den Sinn, mit dem ich diese Schilderung des deutschen Volkscharak­ters schließen will:

Zeuch ein zu allen Toren, Du starker, deutscher Geist, Der, aus dem Licht geboren, Den Pfad ins Licht uns weist! Und gründ' in unsrer Mitte, Wehrhaft und fromm zugleich, In Freiheit, Zucht und Sitte Dein tausendjährig Reich! -

Ein Gruß aus Salmünster.

l^m heute durch's Kinzigtal gegangen. In einer Ecke, die in dem Heimatblatt so selten erwähnt wird Warum? *) Sie ist doch so schön in ihrer Winzigkeit, daß jeder, der etwa über eie Schönheit unserer Gotteserde schreiben müßte, hier sicher dieFeder fallen lassen würde, um auszurufen:Kommt und sehet!"

Es ist der Teil des Kinzigtales, wo unterhalb Steinau sich Wiese an Wiese reiht. Wo links und rechts der alten Heer­straße die Häuser des Dorfes Ahl mit ihrem niedlichen Ma- rienkirchlein so schmiegsamen Rahmen bilden, wo man von dem aufstrebenden Badeort Soden neuzeitlichen Häusersaum sieht, und wo die alte Stadt Salmüuster mit ihrem wuchtigen Gotteshause und ihrem Kloster diesen Herrgottswinkel sozu­sagen abstimmt.

Das ist die Ecke, die heute, Ihr lieben Feldgrauen, ihren Gruß entbieten will. Es ist Mai. Die ©locken läuten des Abends die ewige Einladung zur Maienandacht, damit die Bewohner des Tales der Maienkönigin ihre Huldigung dar­bringen. Wallfahrten ergehen sich in den Fluren, um den Schöpfer des Weltalls zu bitten, seinen Segen zu geben und Uebel abzuwenden. Danach nehmen die Bewohner ihre Beschäftigung wieder auf, dieneue Zeit" gestattet's. Da sieht man auf dem Weg von der Kirche aus frohe Landmanns­mienen.Dieses Jahr steht's gut; wo sollte denn auch das Futter jetzt Herkommen fürs Vieh, wenn unser Herrgott nicht helfen wollte," sagten sie Und dann, wenn's an der Schmie­de vorbeigeht, hört man schon ein zages Sensenklopfen. Nicht so ganz forsch wie in der Heuernte, aber es klingt und es sagt:Morgen wird Grünfutter geholt."

Unsereiner, dessen Tagwerk vollbracht ist, geht von Sal- münster aus an derKling" entlang. Weiße Wäsche hängt an straffen Leinen oder liegt am Boden. Man kanns garnicht glauben bei der Fülle von Wäsche, daß auch nur ein Bezugsschein nötig wäre. Am Walde vorbei, kommt der gute Ludwig Antoni, Jagdaufseher. dessen Vater und Groß­vater schonIägder" gewesen sind, mit einer Schiebkarre aus dem Wald. Hat ein «stück Wild aufgeladen, so groß fast wie eine Kuh. Er stellt ab, wischt sich den Schweiß vom Kopfe und sagt:War ein Eigensinniger, hat sich den Kopf eingerannt am Wildzaun." Ich betrachte das Tier, es hat aufgesetzt, doch sind seine Kolben noch gummiweich. Die Dek- ke läßt graue Wintcrhaare, wenn man mit der Hand darü- berfährt. Er schiebt seine Last nach Hause.

Es ist kaum zum Durchkommen am Münsterberg entlang vor Quellwasser, das aus dem Wald kommt. Links, rechts Hecken und ein Gezirpe und Geziepe in ihnen, richtiges Waldkonzert. In der Ferne rufts :Kuckuck!Kuckuck!" 6 iebenmal ruft's noch. Dann schnell an die Bank unterm Birnbaum in der Nähe des Eckart'schen Weihers, um den Blick nach dem Kloster Salmünster zu genießen.

Quak!"Quak!" gehts da. Wie schön! Denke da im­mer an meinen Freund, der Jäger war, und auf der Pir­

sche an ein Bahnwärterhaus kam, das an einem Teiche lag. Der alte Bahnwärter saß an diesem Frühlings abend vor der Türe und rauchte seine Pfeife.Sagen Sie mal, lieber Freund, wie können Sie das hier so den ganzen Abend aus­halten bei dem Gequake" frug man ihn. Darauf der Wär­ter :Herr Assessor, nix scheener wie das. Do sitzt aaner. en Tenur, scheener wie in Frankfort" er meinte wie im Opernhaus. Mein Freund begriff ihn, ich auch. Tausend Blumen fesseln den Blick. Hie und da aufdringlich gelb, dann wieder lieblich weiß, und der Grundton grüne Wiese. Meine Frau meinte:Aber dieser Genuß erst, wenn's Heu gemacht wird." Das machte mich traurig, weil ich daran denken mußte, daß all diese Frühlingsherrlichkeit in einigen Wochen vorüber ist.

Es läutet, ich gucke nach der Uhr. Wir gehen weiter. Ein Mann von Soden kommt uns entgegen, hat die Mütze in der Hand, die Sense auf deni Buckel. Ich frage ihn:Wa­rum läutets denn?"Dem Doktor sein Aeltester is gefalle, die Postverwalterin hat's ihm heut gebracht. Sei Sache sen au scho ankomme", sagte er. Ich wußte es schon. Mußte auch nach dem Hut greifen, wie's der Landmann getan. Guck­te auch nach dem Doktorhause hie, wo immer soviel Kinder­jubel war und jetzt soviel Leid.

Dann gings am Kurhaus vorbei wieder nach Salmünster zu, durch die schöne mit Bäumen umsäumte Straße.

Vor uns gingen Feldgraue, die ins Iosephshaus wollten. Sie fangen von der Frühlingszeit und vom Mai. Zuletzt hörten wir:In der Heimat, in der Heimat da gibts ein Wiedersehn."

Und da habe ich an Euch, Ihr lieben Feldgrauen aus dem Kinzigtale gedacht, deshalb dießer Gruß, dem ich die Bitte anhefte:Haltet aus!" Nicht allein unsertwegen, son­dern auch wegen Euch, damit Ihr Eure Heimat so wieder- findet, wie Ihr sie verlassen habt.

S a l m ü n st e r, im Mai 1918.

Blum, Bürgermeister.

Erntetag.

In brauner Faust Der Tag verrinnt,

Die Sense saust Der Abend spinnt

Durchs goldneAehrenfeld Die Schatten übers Feld

Die Sense klingt, Aus Stcrnenhöhn

Die Sense singt: Klingt's friedeschön:

Mein ist die ganze Welt! Mein ist die ganze Welt!

Paul Remer.

*) Das liegt an denen in derEcke", nicht an uns Die Schriftl.