Seite 66 l^^^^^^^^^L^^Q^ Unsere F[eimnt c^Mc^^c^c^i^i^c^G^c^t^ Nr 7/8
und Königgrätz, Gravelotte und Sedan, Tannenberg, und Cambrai — leuchtende Ehrennamen deutscher Kriegs- und Siegesmacht! „Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war!"
Aber wenn der Deutsche zu siegen versteht, so ist es ihm zu seinem Schaden nicht gegeben, d e n S i e g auszunützen. Er ist ein Kriegsmann, aber kein Diplomat. Schon der alte Blücher wetterte über die „verflüchtigen Diplomatiker", und immer wieder wird die Klage laut, daß bei uns die Feder verdirbt, was das Schwert errungen hat. Auch heute besteht die Gefahr, daß Deutschland siegt und — England gewinnt. Uns fehlt ein Bismarck, der es versteht, einen starten, deutschen Frieden zuschließen. Möge der Friede im Westen den im Osten noch übertreffen und uns eine gesicherte Zukunft bringen!
Ein alter Ruhm unseres Volkes ist es, daß es als das Volk der Treue gepriesen wird. In Gattentreue hielten unsere Vorfahren die Ehe heilig, in Freundestreue standen sie Schulter an Schulter zusammen wie Hagen und Volker, wie Ernst und Werner, in Mannentreue folgten sie ihren Herzögen in Kampf und Tod. Ueberall wo echt deutsches Wesen nicht verwelscht ist, herrscht solche dreifache Treue noch heute in deutschen Landen. Wo sie aber wankt, da ist der schönste Edelstein aus der Krone des deutschen Volkscharakters herausgebrochen. Aber wir haben in vielen Häusern noch reines Familienleben, wir besitzen noch Freundespaare wie Hindenburg und Ludendorff, und noch glänzt der Ehrenschild deutscher Mannentreue an allen Fronten des Völkerringens. D a ist deutsches Wesen, wo Treue hell vom Auge blitzt und Liebe warm im Herzen sitzt!"
Aber wenn echte Treue an den guten Sitten der Väter zäh festhält, so ist es falsche Treue, ist es Eigensinn, wenn unser Volk auch üble Eigenschaften des Germanen durch die Jahrhunderte schleppt „wie eine ewige Krankheit". Schon der Römer Tacitus nennt als eine Volksleidenschaft der Germanen z. B. die Trunksucht, und Luther sagt: „Die Deutschen haben den Saufteufel". Das ist noch heute so, wenn auch Gott selbst uns ein Fasten ausgeschrieben hat in dem dünnen Bier und wenn auch Volksfreunde beobachtet haben wollen, daß die Wirtschaften leerer und die Kaffeehäuser voller geworden sind. Es ist zwar poetisch geschmacklos zu singen: „Uns ist so herrlich wohl - ohne den Alkohol", aber eine Wahrheit liegt doch darin. Der Deutsche sollte alte Stammesfehler wie die Trunksucht ritterlich überwinden - das wäre echte Treue !
Als ein hohes Ideal lebt in jeder deutschen Brust die Freiheit. Für die Freiheit haben sie gegen die Römer, Ungarn, Hunnen, Türken, Franzosen ge- kämpft, um die Freiheit des Vaterlandes und des Meeres geht's auch im Weltkriege. Gewiß, „Freiheit ist nicht die höchste Gabe, die hier der Mensch zum Heil bedarf", aber bei jedem Deutschen ist auch die Fortsetzung dieses Dichterwortes Wahrheit: „Doch trägt ihm all sein Glück zu Grabe, wer ihm die Freiheit niederwarf". Treitschke sagt, es sei der alte Ruhm der Deutschen, daß sie ihre freien Köpfe stets vor Gott, aber nie vorMenschen gebeugt haben.
Aber welch ein Mißbrauch wird bei uns oft
mit dem Worte „Freiheit" getrieben! Man versteht darunter oft unbeschränkte Geltendmachung der persönlichen Art und des persönlichen Vorteils gegenüber den Ansprüchen der Mitmenschen. So entsteht der alte Stammeshader, Familienzwist, Ein- zelha.h, so erneuert sich immer wieder die von unseren Feinden seit alter Zeit scharf erkannte deutsche Uneinigkeit. Da steht die Partei über oem Vaterlande, das religiöse Sonderbekenntnis über dem Christentums, die Selbstsucht über der Nächstenliebe. Unsere Feinde hoffen auf die deutsche Uneinigkeit, die de> „Burgfrieden" bereits wieder verderblich durchbricht. „Seid einig, e i n i g, e i n i g !"
Tiefe Liebe zur Scholle, zur Heimat oder — wie wir mit dem von den Römern entliehenen Wort statt „Mutterland" sagen — zum Vaterland gehört zu den Grundzügen deutschen Wesens. Wir lieben das deutsche Land mehr als die schönsten Länder der Erde; ein Sandhaufen in der Nordsee ist dem Halligbewohner der liebste Fleck Erde. Heimatkunst und Heimatpflege regen sich überall in unseren Tagen. Das Wort „Elend" heißt ursprünglich „Ausland"; in der Fremde erfaßt den echten Deutschen das Elend des Heimwehs, ein Wort, das uns keine Sprache der Welt nachmacht. Eine Hochflut von Vaterlandsliebe ging durch unser Volk in den Augusttagen 1914. Der ist des deutschen Namens nicht wert, der es nicht leuchtenden Augen mit- singt: „O Deutschland, hoch in Ehren!" und „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!"
Und doch — diese elende Fremdländerei! Zwar fremde Worte werden ja jetzt kräftig aus unserer herrlichen deutschen Sprache ausgefegt. Statt des französischen ä dieu grüßt man sich beim Scheiden jetzt mit dem deutschen Gruß: „Auf Wiedersehen !" Aber ob es so bleiben wird? Und ob es oer deutschen Mode gelingen wird, die „chike" Pariser Mode auf die Dauer zu verdrängen?.Und ob das Gesetz gegen die Steuerflucht der Auswanderung für immer einen Riegel vorschieben wird? Der Deutsche ist bisher dem Ausland gegenüber wie das Landkind gewesen, das zum ersten Male in die Stadt kommt und all ihre Herrlichkeit staunend und ehrfurchtsvoll betrachtet. Jürnjalob S w e h n, der Amerikafahrer, sagt in dem köstlichen Buche von Eillhof: „Ihr seid viel zu höflichgewesen gegen andere Völker, und wenn ein Franzose oder Engländer daherkam, dann ist der Deutsche vor Ehrfurcht in sich hineingekrochen und hat sich seitwärts vom Wege aufgestellt, als wenn da ein Gott an ihm vorüber ginge, und ist ihm nachgelaufen lange Zeit. Aber das ist eine verkehrte WeItoro- nung". Möchten es doch alle unsere Landsleute im Auslande so machen wie dieser biedere, treue Mecklenburger, der bekennt: „Wir haben uns von dem deutschen Volke getrennt, aber wir sind inwendig keine Amerikaner geworden. Ein Vaterland kann der Mensch nicht wechseln, wie er einen Rock wechselt." Darum: „Be- denke, daß du ein Deutscher bist!" Die Vaterlandsliebe muß den Sieg davontrag en über alle Fremdländerei.
In allen Ländern ist deutscher Fleiß rühmlich bekannt. Der Wahn der alten Germanen, nur Krieg und Jagd seien des Mannes würdig, während an-