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Nr. 7 8 ^^^^£^^^^ß^ß^ß<<7 Unsere Heimat c^c^i^i^i^c^c^>c^>c^>!^a^>^> Seite 63

bares. Es soll Zigarren geben, deren Buchendeck- blatt schamhaft getrockneten Kuhmist und Entenfedern umhüllt. Das riecht zwar auch, aber warum noch teuer bezahlen, was in Schlächtern und Umgegend auf der Straße liegt? Damit die betreffende Firma noch schneller reich wird? So kommt's, daß manch einer, der das Rauchen beibehalten wollte, bis die Jungesellensteuer preußisch werden würde, im Kampf um einen gutenDuwak" eine vorzeitigen Verzichtfrieden schließt.

Um schädlichen Irrtümern vorzubeugen, sei aber bemerkt, daß das Laubheu, mit dessen Einsammeln die Schuljugend gegenwärtig beschäftigt ist, in der Tabakfabrikation nicht verwandt werden soll. Ge­sammelt wird jetzt alles, weil in diesem Krieg alles einen Wert hat, von der verrosteten Stahlfeder an bis zu den Glocken. Daß man die Glocken vor den Braukesseln weggenommen und in manchen Groß­städten die Kinos besser heizte als die Kirchen, haben viele nicht begreifen können. Vor einiger Zeit wurde bei uns auch amtlich nach dem zweiten Rock ge ­fragt für den, der keinen hat. Hoffentlich geht man nicht gar zu scharf gegen denzweiten Rock" vor in Häusern, in denen Kinder, auch Reffen und Rich­ten, sind. Man glaubt gar nicht, was sich für diese heute aus einem alten Gehrock und Usberzieher ma­chen und wieviel mal sich alleswenden" läßt! Man darf aber die Sache wenden, wie man will, solche knappen Zeiten haben doch auch etwas Gesundes an sich. Wenn nur nicht immer erst beim Durchführen einer Maßnahme soviel probiert wer­den müßte und man gleich den richtigen Weg sähe. Das geht nun aber einmal nicht, weil auch der weitsichtigste Mensch im Grunde kein gesundes Seh- werk hat. Neulich hat einer den Vorschlag gemacht, nur das absolut Notwendige von Lebensmitteln zu beschlagnahmen und einzuteilen und das Uebrige dem freien Handel zu überlassen. Das schien richtig, w il der Beweis, daß über das Nötigste hinausUebri- ges" vorhanden ist, ja durch den Schleichhandel be­wiesen wird.Ja", wandten dann aber die anderen ein,warum sollen denn die Reichen mehr essen dür­fen als die Armen, denen nur das Nötigste garan­tiert wird". Das war auch wieder richtig.Aber die Reichen kriegen's ja doch!" sagten nun wieder die anderen, und das war auch richtig.Also bleibt nichts anderes übrig, als das vorhandeneUebrige" besser zu erfassen", war nun wieder die Antwort. So geht es hin und her, und man wird zappelig, wenn man nur davon hört. Trotz aller Mängel, an denen unser Ernährungssystem leidet, ist's etwas Riesen­großes, was auf diesem Gebiete geleistet wurde und wird. Man muß auch Geduld haben. Die Leute, die die Verantwortung dgsür tragen, daß unser ab­geschlossenes Volk von 70 Millionen s o durch die Kriegsjahre kam, sind wahrhaftig nicht sorgenfrei und nicht zu beneiden. Und wer zu der Einsicht durch ruhige Ueberlegung nicht kommen kann, der gehe nach Rußland!

Von dort erzählte mir neulich ein Nachbarsohn, der als Militärarzt in der Ukraine weilt, daß reich gewordene Bauern ihre Geldscheine in Päckchen zu- sammengebunden und aufgestapelt Hätten, bis die Mäuse dahinter gekommen wären, denen ja eigentlich auch etwas gehört. Nun stopfen die Bauern ihre Rubelscheine in Flaschen, und man kann auf dem Markt dann die Bemerkung hören:Nein, so billig

geb' ich nichts, habe daheim schon so viele Flaschen Geld." Wenn wir nicht die schönen Kriegsanleihen hätten und ein Staatswesen, dem man ruhig borgen kann, würden die Mäuse hie und da wohl auch hin­ter das Papiergeld geraten. Halt nun tut mir's aber eigentlich leid, daß ich den Papiergeldhamstern das mit den Flaschen verraten habe. Doch mag's sein. D i e Sorte ist ja doch nicht zu belehren.

Es wird so viel geschimpft das Jahr über, daß es nicht mehr wie recht ist, daß man auch mal lobt und anerkennt. Das ist gar nicht so leicht. Es gibt z. B. Bauern, die kommen über das WortMittel­ernte" nicht hinaus - und wenn die Böden und Kel­ler nicht halb genügen, die Ernte zu fassen. Das

aber, worauf wirklich einmal aufmerksam gemacht werden muß, damit auch einmal so'n bißchen etwas wie Dank sich im Herzen regt, ist heuer das Los­holz. In 360 Losen ist allein in Schlächtern das Staats-Losholz verteilt worden. Und das Holz war gut und schön. Die Forstbehörde hat der Be­völkerung in dieser schweren Zeit ein großes Ent­gegenkommen bewiesen, was dankbar anerkannt wer­den sollte. Ich darf das schon sagen, denn ich habe ja nichts erhalten. Wenn's aus gewissen Gründen nicht's unklug wäre, rechnete ich euch einmal vor, auf welche Summe der Vater Staat damit verzichtet. Ich freue mich aber, daß diese alteGerechtsame", ein Erbe aus dem alten Kurhessen, wenn ich nicht irre, heute noch solchen Segen bringt. ImLöwen" gabs