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Seite 62 r^^ß^^^r^^^^^/^ Unsere Heimat ßßßßßßß^ß^ßß^^ß^ß^ß^ß^ Nr. 7'8

Jedem ist ein fein- bewußt, lauernd in -er eig'nen Seele - tretßt^-en Schaden aus der Brust, daß er uns den Sieg nicht stehle! Hermann Hesse.

Laßt uns wie Kinder gehen durch die harte Zeit! Nicht mein ich spielend! Nein vertraut mit Notu. Leid, Im starken Tun und Lassen, wie der Tag es will, Und doch wie Kinder, die so köstlich froh und still An Vaters Hand, in Vaters Liebe gehen

Und großer Leute Fürchten nicht verstehen. M.Feesche.

as gibt's Heues daheim?

ine bunte Reihe von Gedanken und Wahr­nehmungen in Auswahl, wie sie sich Mitte Juni 1918 daheim boten, laßt mich euch heute wieder übermitteln. Sie tragen das Vermögen, ein Bild von daheim" vor die Seele zu zaubern, in sich selber.

Wenn wir in den Büchern nachschlagen, in denen die, welche vor uns gelebt und auch in Kriegs­nöten gestanden haben, ihre Erfahrungen niederleg­ten, so finden wir, daß sie in ihren Meinungsäuße­rungen nicht immer zusammengehen. Es gibt unter ihnen solche, die am Kriege auch etwas Gutes fan­den, obwohl sie, wie man weist, persönlich Kriegs- gewinnler nicht gewesen sind. Die übergroße Mehr­zahl unserer Väter aber verurteilt, beklagt, ver­flucht den Krieg und seine Urheber und warnt vor ihm. Die meisten stehen auf der Seite Benjamin Franklins, der gemeint hat:Es gab nie einen gu­ten Krieg oder einen schlechten Frieden" oder Bis- marcks, der am 26. Juni 1884 im Reichstage ge­sagt hat:Auch der siegreiche Krieg ist ein großes Unglück für das Land, das ihn führt." Und nun gar der Weltkrieg, dies Völkerelend größten Maßstabes! Noch wenige Wochen, und er hat das vierte seiner Jahre vollendet. Ueber seine Schrecken hat sich, als er ausbrach, wohl niemand einer Täuschung hingege­ben, aber über seine Dauer wohl ein jeder. Wer sich seine Gedanken über ihn nicht nur von der Tages­zeitung vorschreiben läßt und eineAhnung" von den Riesengefahren hat, an denen unser deutsches Volk und Land in diesen Jahren v o r ü b e rgeführt wurde, steht heute schier starr vor Staunen ange­sichts des Erreichten. Von uns kann ja das gewaltige Große des Geschehenen gar nicht voll empfunden wer­den, weil allerlei Nöte die Herzen pressen und Trauer die Augen trübt. Aber manchmal zuckt auch in denen, die unter der Zeitlast gebeugt und gesenkten Auges schreiten, etwas auf, das sie sich aufrichtenheißH es ist dann, als ob sie etwas von der Kraft berührt hätte, die hinter dem allen steht, es treibt, bewegt, ordnet, seinem Ziele zuführt. So, als sie hörten, daß der russische Koloß zerbrochen war, dem die Kraft, viel zu zermalmen, sehr wohl innegewohnt hatte, oder wenn sie Kunde vernehmen, wie die:Paris wird aus einem Ferngeschütz beschossen!"U-Boote vor Amerika!"Unsere Kämpfer wieder an oer Marne !" Doch werden die gewaltigen Erfolge an der Westfront in ihrer ganzen Bedeutung von der Ge­samtheit unseres Volkes wohl kaum woll verstanden und gewürdigt. Der großen Menge erscheint das alles selbstverständlich. AIs müßte das alles so kommen . . . Als könne das gar nicht anders sein. . . . Wahrlich: einen größeren Ruhm und ein gewaltigeres Vertrauen hat nie ein Heer und seine Führer besessen. Vier Jahre lang hat unser Volk

nun getragen, ohne zu zerbrechen: Haß und Ab­neigung der Welt, die schweren Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens, die Teurung, vor allem das unaufhörliche Leid über die Hinopferung der teuren Leben, über die Not der gefangenen Brüder, die Un­gewißheit der Vermißten! Offenbar ist seine Trag­kraft unter dem ständigen Druck gewachsen. Daß es ihm aber auch möglich ist, zu alle dem noch vas Wüten des Wuchergeistes, den es nicht zu überwin­den vermag, zu ertragen, wäre eine Rätsel, wenn wir nicht wüßten, daß immer dann, wenn in einem Teil der Menschen die Gier nach Erdschätzen wächst, in einem anderen zu gleicher Zeit immer heller oie Erkenntnis aufleuchtet: Du hast nichts, wenn ou nichts Besseres hast, etwas, was dich nicht verläßt in der völligen Einsamkeit am Ende des Erdenwegs, die auf jeden wartet. Im krassen Gegensatz zur toll­sten Raffsucht, die gegenwärtig sich natürlich auch da äußert, wo sie sich bisher nieausleben" konnte, steht eine prächtige Opferwilligkeit, die bisher auch jede Kriegsprobe ausgehalten und auch bei der Lu- dendorffspende ihre Gaben mit eingelegt hat. Mit den herkömmlichen Mitteln gegen die Habgier in den verschiedensten Formen zu arbeiten, hat, wie uns im­mer klarer wird, keinen Zweck. Dazu sind Kräfte nötig, die wir anscheinend nicht mehr oder noch nicht haben. Ohne den W i l I e n zur Mäßigung oder Enthaltsamkeit wird ja auch kein Trunksüchtiger ge­heilt .

Auf unseren Feldern reift eine schöne Ernte. Hof­fentlich schadete die lang anhaltende Trockenheit nicht zu sehr. In ihr kommt uns zum Bewußtsein, daß derschwere Boden", über den bei uns so viel ge­klagt wird, auch sein Gutes hat. Obst wird es auch wieder geben. Die Bohnen haben strichweise durch die verspäteten Eisheiligen gelitten. Die Kartoffeln stehen gut. Die Heuernte befriedigt. Will's Gott, so kommt die neue Ernte heuer besonders früh und die Zahl der besonders knappen Wochen vor ihr wird verkürzt. Wenn man liest, Welche Riesenmengen von Lebensmitteln durch den gewerbsmäßigen Schleich­handel dem geregelten Gang entzogen werden, sollte man meinen, es brauche eigentlich gar keine Knapp­heit zu herrschen. Jedenfalls muß England, wenn es wieder einmal einen Hungerkrieg beginnt, auch den Schleichhandel in den Kreis seiner Berechnungen ziehen. Auf denausländischen Kaffee" und Tee verzichten wir nun schon lange und befinden uns wohl dabei, und es gibt wohl manchen, der ihm lebenslang abgesagt hat, aber auch manche, die Greis und Lloyd George deswegen tödlich baßt. Was die Männer dank der englischen Bemühungen zu rau­chen bekommen, ist auch nicht alles Tabak. Die Firma Gauner & Co. rastet nicht. Sie versendet verschim­meltes Buchenlaub ohne Firmenaufdruck als Rauch-