Seite so Unsere Heimat t^^i^^^t^^i^c^i^^^ Nr. 5/6
Das ^elfendorf.
Ein Veitrag Zur Geschichte der Stadt Schlüchtern,
Von Med.-Rat Dr. Lauer, Schlächtern.
estlich von Schlüchtern, jenseits des vom Rö- / derwasser durchflossenen Wiesengrunds, liegt ein Flurtei! der Gemarkung Schlüchtern, oer die Bezeichnung „Im Helfendorf" führt. Bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts bestand er nur aus Baumgärten und kleinen Wiesenstücken. Seitoem ist an der zum Bahnhof führenden Strafte, die i n durchschneidet und in einen oberen und unteren Abschnitt teilt, eine Reihe von gefälligen Wohnhäusern im Landhausstil entstanden, die ihm inmitten ihrer gepflegten Gärten zur Zierde gereichen.
Der Name dieses Flurteils scheint aus das frühere Bestehen eines Dorfs an diesem Orte hinzudeuten, und in der Tat können wir auch von denen, die dort wohnen, hören, daß hier ehemals ein gleichnamiges Dorf gestanden haben soll, das im 30jäh- rigen Strieg zerstört und für immer ausgegangen sei. Forscht man aber weiter nach, so erhellt bald, oaß diese Kunde nicht etwa auf einer alten Ueberlieferung beruht, die sich im Volke erhalten hat, sondern oaß sie allem Anschein nach lediglich auf eine Notiz zu- rückgeht, die Rullmann gelegentlich seiner „Urkundlichen Geschichte des Klosters Schlüchtern" eingeflochten hat. Auf Seite 64 findet sich daselbst einer Urkunde des Jahrs 1376, die von einer auf einigen Gütern im „Hinhelberdorffe" ruhenden Geldgült handelt, von ihm hinzugefügt: „Dieses Dorf bestand also damals Noch, es kommt später noch in vielen Urkunden vor, häufig mit dem Zusatz „in der Mark Schlüchtern." Wann es ausging, ist nicht ersichtbar. Heute führt ein Teil der Feldflur noch immer diesen Namen."
Schon etwa 20 Jahre früher als Rullmann, hatte Landau in seiner „Beschreibung der wüsten Ortschaften im Lhurfürstenthum Hessen" das Hinhelber- dorf mit folgenden Worten als wüste Ortschaft aufgeführt : „Der Name Hinhalberdorf besteht noch heute für das rechte, Schlüchtern gegenüberliegende Kinzigufer. Schon 1370 heißt es „zu Schlüchtern in dem Hinhelberdorffe und diese auch mit Hin- halberdorffe wechselnde Bezeichnung wiederholt sich seitdem öfters."
Mit dieser Feststellung, daß im ausgehenden Mittelalter in unmittelbarer Nähe von Schlüchtern ein Hinhelber- oder Hinhalberdorf bestanden haben müsse, hat man sich bisher begnügt. Etwas Näheres von oer Lage dieses Dorfs, von dem Verhältnis, in oem es zu Schlüchtern gestanden hat, und von seinen Bewohnern erfahren wir nicht. Es wird deshalb nicht überflüssig erscheinen, auch auf diese Dinge einmal näher einzugehen und festzustellen zu versuchen, um was es sich bei diesem Hinhelberdorfe eigentlich gehandelt und wo es gelegen hat.
Für die Beantwortung dieser Fragen stehen uns nur die alten Urkunden zur Verfügung, in denen oas Hinhelberdorf, seit neuerer Zeit Helfendorf genannt, Erwähnung findet. Sie möglichst vollständig, ihrem wesentlichen Inhalte nach hier auf- zuführen, muß daher unsere nächste Aufgabe sein.
Zuerst urkundlich erwähnt wird das Hinhelberdorf im Jahre 1370. Am 8. Dezember dieses Jahrs set
zen Heinz von Sterbfritz und Elfe seine Frau iyr „Gut, das gelegen ist zu Sluchter in deme Hinhelberdorffe und das genannt ist Ranftes Gut" mit allem Zubehör im Dorfe und im Felde als Unterpfand für eine Summe, die sie Ditzel Mulich zu zahlen hatten. (Reimer III 615).
Sechs Jahre später am 21. Mai 1376 verschreibt Abt Wilhelm von Schlüchtern Ulrichen von Baben- hausen eine Eeltgült von 50 Pfund Hellern „uff folgenden des Klosters eigenen Gütern, nemblich uff Schwencken Gut in dem hinhelberdorff uf Ulners quett mit allen Zinsen, Nutz, Renten und Gefällen." (Reimer IV 13.)
Am 6. Mai 1377 bessert Abt Wilhelm von Schlüchtern Ulrichen von Babenhausen und seinen Nachkommen nützlichen Dienstes willen, den er ihm getan, sein Lehen um 50 Pfund Heller, wofür er ihn vorläufig in der Abtei Namen einsetzt „by namen uf dem Gute daher selber uffgeseßen ist zu diesen Cziten und by namen uf dem Eude, das da heißet Swencks Gut, in dem Hinhelber Dorfe und by namen uf Ulners Eude mit allen nutzen, czinsen, cehenden uno rechten." (Reimer IV Nr. 63.)
Dann finden sich in einer Aufzeichnung der Einkünfte des Klosters Schlüchtern, die aus dem Jahre 1391 stammt, 6 Solidi Einnahmen verzeichnet, die ihm von einem im Hinhelberdorfe gelegenen Garten (ortus) fielen, den Johann Katzenbiß inne hatte. (Reimer IV Nr. 585.)
Am 29. November 1394 verkaufen „Henne von Schlüchtern, Eonezen seligen son von Sluchtern, Henne v. Sluchtern, Herten seligen son von Sluchtern und Barbara sin muter" dem Konrad Viczen- rode ihr Gut „czu Sluchtern in deme Hynhelber- dorffe, da Heincze Trümmer offe siezet" für 12 Pfund Schlüchterner Währung. (Reimer IV, Nr. 683.)
Am 11. November 1399 schenkt Petz Mulichin oem Kloster Schlüchtern „eyn acker der da liitin demHyn- halber dorff, gelegen bii Henne Kaczenbiß schofhus" zu einem Seelgedächtnisse. (Reimer IV, Nr. 827). Auf diese Urkunde bezieht sich der Eintrag in davon dem Archivar Johann Adam Bernhard an = gelegte und im Jahre 1752 beendete sog. „Neue Saalbuch", (im Kgl. Staats-Archiv in Marburg), den Rullmann auf Seite 71 seiner Urkundlichen Geschichte des Klosters Schlüchtern bringt und oer lautet: „Das Kloster Schlüchtern bekommt ein Seel- gerät im Hinhelberdorf, so ein Teil des Orts Schlüchtern war. An. 1399."
Am 24. Juni 1415 versetzen Henne Fleischhauer und seine Frau dem geistlichen Herrn Heinrich vor dem Walde eine Wiese zu Schlüchtern in oem Hyn- helberdorfe, stoßend an das Haus, das Elfe Paul inne hat und vorher Gerhard Drescher inne hatte, welche Wiese Ulrich Hoelin und seine Frau Eude verpfändet hatten mit Zustimmung der Erben des Ulrich, des Erwin von Schwalbach, seiner Frau Anna und des Wilhelm Hohelin, nebst einem halben Gütchen daselbst, Ranftes Gut genannt und den Acker des verstorbenen Heinrich Kensheim. Zeugen: Dolde Koch, Schultheiß von Schlüchtern und Genossen.