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Nr. 5/6 ^^^^^^^^^c^^QF Unsere Ueimnt /^£^i^^i^C^^^^£^£^>s^> Seite 43

Du kannst die Tiefe eines Menschenlebens nach der Tiefe seiner Liebe und seines Leidens schätzen. Vinet.

Die Kinder schreien:Mvat hoch!"

In die blaue Luft hinein;

Den Frühling setzen sie auf den Thron, Der soll ihr König sein. Th. Storm

as gibt's Neues daheim?

eute sei, was in den letzten Wochen an Ge­schehnissen und Gedanken am Heimatweg ge­wachsen ist, in bunter Folge aneinander ge­reiht. Da unser Heimatblatt schon zu Pfingsten in den Händen aller unsrer Leut' draußen sein soll, mag ja manches dann etwas altbacken sein; aber wenns ja auch nur das Bild der Heimat wieder einmal im Herzen ein wenig auffrischt, hat's seinen Zweck schon erfüllt.

Es geht uns daheim besser wie im Vorjahre bezüg­lich der Ernährung wie der Arbeit. Der Kartoffel gebührt eigentlich auch ein Denkmal nach dem Welt­krieg. Sie gehört zu den gesegneten Lebensmitteln schon deshalb, weil man ihrer, wie des Brots nicht überdrüssig wird, was sich von der Nothelferin Kohl­rübe nicht gerade sagen läßt. Wäre die Kartoffel nicht, so wäre dieser Krieg nicht möglich gewesen. Auch die Feldbestellung geht in diesem Frühjahr fein ohne Hast voran. Schon Ende April sind die mei­sten Kartoffeln gesteckt, die Getreide-Aussaat fast be­endet, während im Vorjahre am 1. Mai die höch­sten Rhöngipsel noch ihre Wintergewänder trugen und unsere Wiesen ohne jedes Leben waren. Heute fraßen sich Mitte April schon Kühe draußen satt, was hochwillkommen war; denn die Heereslieferungen haben die Scheunen außergewöhnlich geleert. Die Wintersaaten stehen vorzüglich, um den 15. des Aprilmonds blühten die Rapsfelder, die so zahlreich vorhanden sind wie seit vielen Jahrzehnten nicht. Gott segne den deutschen Acker!

Neulich meinte einer, der Mensch gewöhne sich auch an den Krieg. Habe solche Gewöhnte bis letzt nur unter Kriegsgewinnlern gefunden. Die Hinoen- burgschläge im Westen haben das Hoffen auf und den Willen zum Sieg wieder gewaltig erstarken las­sen, auch bei den jahrelangen Druck Leidenden, was ja in der vorzüglich ausgefallenen 8. Kriegsanleihe auch in Erscheinung trat. Es gibt ja keinen ver­nünftigen Deutschen, der nicht mit heißem Herzen für unser Volk den Sieg ersehnt. Und auch der völkisch gleichgültigste Mensch besinnt sich darauf, daß es sich in diesem furchtbarsten Erbringen um den Sieg oer Wahrheit und des Rechtes handelt. Wir sind die Angegriffenen, wir die maßlos Geschmähten, Ver­leumdeten, die durch englische Gewalttat außerhalb unserer Landesgrenzen Rechtlosgewordenm, und wenn dieser Krieg endet, dann hat der unbestechliche Weltenherr ein Urteil gefällt. So fühlen wir von Kriegsbeginn an - wir harren des Endspruchs. Mein Gewissen ist rein, ich hab's nicht gewollt!" Nur einer durfte so sprechen: der deutsche ^Kaiser. Gott hilft der Wahrheit, dem Rechte zum Sieg!

Zwischen Frankfurt und Mainz hat neulich ein Feldgrauer, der vom Schlachtfeld in Urlaub ging,

in der Eisenbahn einer aufgedonnerten, gutverdie­nenden Fabrikarbeiterin, die sich den leichtsinnigen Ausspruch leistete:Mir geht's vorzüglich; mei- 'netwegen darf der Krieg noch viele Jahre dauern", eine schallende Ohrfeige verabreicht. Dem Wak- keren gehört eigentlich auch ein Verdienstkreuz! Men­schen, die kein Gefühl haben für die Not anderer, sind doch das Widerwärtigste, das es gibt.

Am Schlüchterner Lehrer-Seminar hat der erste April allerlei Veränderungen gebracht. Herr Pro­rektor Nielsen ist in seine Heimatprovinz, nach Kiel, versetzt worden. Dem Heimatbunde ist durch den Weggang von Frau Nielsen ein schwerer Verlust ent­standen und nicht nur ihm, sondern vielen Bestre­bungen, die darauf abzielten, zu helfen und zu hei­len. Bis in die letzten Tage ihres Hierseins hat sie unermüdlich gewirkt, vorbildlich vom 1. Tage der Mobilmachung an. Auch den guten Verlauf der Lebensmittel-Versendung des Heimatbundes an die Armen der Großstädte hat sie ohne Ermüden geleitet. Ihr stilles, gesegnetes Tun wird von uns nie ver­gessen werden. Möchten auch ihre Gedanken aus der heimatlichen Großstadt noch manchmal zurückwandern nach dem Städtchen im Kinziggrund! Die erledigte Direktorstelle am Schlüchterner Seminar wurde durch Herrn Prorektor Dr. Lechner aus Kiel besetzt. Herr Oberlehrer Keller ist Prorektor und Herr Seminar­lehrer Walther Oberlehrer geworden. Die Zahl der Seminaristen ist durch die Einberufungen so zu- sammengeschrumpft, daß 2 Lehrer der Stadtschule eine Klasse der Seminarübungsschule mitübernehmen muhten. Die Lateinschule hat einen neuen Rektor be­kommen, Herrn Köhler aus Blomberg (Lippe- Detmold.)

Einer der früheren Rektoren dieser Anstalt, zu­letzt Gymnasialdirektor in Oldenburg, Herr Dr. Schnegelsberg, wurde am 10. April auf dem Schlüch­terner Friedhof zur letzten Ruhe gebettet, wo auch seine Eltern ruhen. Viel zu früh nach menschlichem Ermessen hat der Tod den reichbegabten Schul - mann erfolgreichem Wirken entrissen.

Ein Erlaß unsers Herrn Landrats v. Trott zu Solz, der leider krank darniederliegt, wendet sich an die Fuhrwerksbesitzer mit der Mabnuna, armen Leuten für das Holen des Brennholzes nicht mehr abzuneh- men, als unbedingt erforderlich ist. Die Wirt­schaftsausschüsse haben darüber zu wachen und nö­tigenfalls die Höhe des Fuhrlohns festzusetzen.

In Seidenroth wurde einem Einwohner ein Rind von zwölf Zentnern gestohlen. Die Dkebstähle meh­ren sich. Auch Treibriemen, Hühner, Wäsche, das Brot im Keller sind nicht mehr sicher. Auch hier muß jeder helfen,des Nächsten Gut zu behüten." Dem jüngsten der 3 am Kriege teilnehmenoen