Seite 42 ^c^c^c^i^i^c^^^i^k^^ Unsere' Heimat i^^G^^^^^r^^ Nr. 5/6
Zu Pfingsten!
eschreibe mir diesen Krieg? Was unterscheidet ihn von allen andren Kriegen der Weltgeschichte ?
Es ist ein Materialkrieg. Darum stellt der Angreifer eine Wand von Stahl hinter den Abschnitt, den er stürmen will, gießt einen Platzregen von Granaten auf die feindliche Stellung und hüllt sie in Wolken von Gas. Darum steckt sich der Verteidiger hinter Felder von Stacheldraht und unter meterdicke Betondecken.
Es ist ein Krieg der Maschinen: in der Luft die Flugzeuge; auf der Erde Riesengeschütze im Waldesdickicht und Tanks, denen die Hindernisse zum Weg werden; unter dem Wasser die U-Boote, uno in der Erde die Höllenmaschinen.
Es ist ein Krieg der Massen: nur noch nach Divisionen zählt man in der Feldschlacht, nur noch nach Milliarden in den Geldschlachten.
Material, Maschinen, Massen — es ist richtig; aber sie entscheiden den Krieg nicht, denn sie arbeiten auf beiden Seiten. Was gab Widerstandskraft, als diese drei bei dem Feind stärker waren als bei uns? Was gibt die wunderbaren Erfolge nun, da an Material und Maschinen und Massen sich beide Teile die Wage halten?
Es ist der G e i st, der diese „Dinge" verwertet, der ihnen Widerstand leistet und sie überwindet. Der G e i st siegt! Lies es im Tagesbericht und im Feldpostbrief. Oder hast Du eine andere Erklärung, die mehr einleuchtet oder die besser beglaubigt ist?
Was Geist ist und vermag, - viele mußte oer Krieg es erst wieder lehren.
Noch Gewaltigeres vermag der Geist. Schau oas Menschenherz an: es kann härter sein als ein Betonklotz und eine Panzerkuppel; - seine Leidenschaften stehen einem Stacheldrahtverhau nicht nach; wenn es etwas will oder nicht will, tausend „Gründe" stehen ihm zu Diensten. Und doch können Menschenherzen besiegt, erobert, umgestaltet werden. Der stärker ist als sie, ist der Geist. Da tut's freilich nicht mehr der Geist, den wir im Krieg am Werk sehen: der Geist der Vaterlandsliebe, der Pflichttreue, des Gehorsams. Hier ist Geist nötig, der nicht aus dem Menschenherzen stammt ^ wie könnte er es sonst überwinden! M sondern Geist von oben, Gottes Geist, heiliger Geist.
Der ist da — er ist uns gegeben — er treibt sein Wesen und wirkt, wo immer man ihm nicht wehrt. Gib ihm nur Zutritt zu Deinem Herzen — das mußt Du freilich tun; denn er verübt keinen „Hausfriedensbruch" und kommt nur herein, wenn Du ihn nicht vor der Tür wegschickst — gib ihm nur Zutritt zu Deinem Herzen, dann macht er es zu einem Schlachtfeld. auf dem er siegt, und Dir zum Lohn läßt er
Leben erblühen aus den Ruinen, die der Kampf schuf.
Er ist der Geist der Kraft. Die Allmacht kennt nur die Grenzen, die sie sich selbst steckte in der Freiheit des Menschen. Macht's Dir nichts aus, Dich treiben zu lassen von Menschen und Meinungen, von Launen und Lüsten; hast Du Angst in Deinem „Sichgehenlassen" gestört zu werden, dann verwahre Dich nur gut gegen diesen Geist. Aber willst Du etwas werden vor Gott und den Menschen: ein rechtschaffener Soldat ein tüchtiger Bürger ein treuer Hausvater eine gesegnete Haus - mutier -, willst Du etwas wirken für Zeit und Ewigkeit, dann strecke Dich aus nach dieser Kraft.
Er ist der Geist der Liebe. „Liebe", das ist nicht das, was eine weichliche, schwächliche Menschheit daraus gemacht hat, sondern wirklich Liebe, die das Höchste will und darum das Schwerste fordert, die heiligen Zorn kennt, die sich selbst gibt. Dieser Geist der Liebe ging einst leibhaftig über unsre Erde, und noch heute gewinnt er Gestalt in dem, der jenem „nachfolgt". Dünkt's Dir zu viel, sein Jünger sein zu wollen, nun so versuche es erst einmal, ihm nach- zu l e b e n, bei der Arbeit und bei der Ruhe, im Denken und im Reden, vor denen über Dir und neben Dir und unter Dir. Dann wird der Geist der Liebe auch in Dir eine Werkstatt haben.
Er ist der Geist der Zucht. Er züchtigt und zieht. Denn „unerzogen" wird zu „ungezogen". Ohne oes Gärtners Säge und Schere brächte der Baum nur geringe Früchte. Wohl dem, der sich unter diese Zucht stellt täglich — er wird Frucht bringen.
Das ist der Geist, den wir brauchen, jeder für sich selbst draußen und daheim; wir brauchen ihn nicht minder für unser ganzes Volk.
Wir können ihn haben, schon seit langem und jetzt von neuem. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht — welche Namen die Furcht vor der Zukunft, vor den Menschen, vor uns selbst, auch trage - sondern Gott hat uns gegeben den Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht." (2. Tim. 1, 7.)
Mach Ernst mit dieser Gabe, nimm sie an uno nütze sie — und Du wirst Deinen Mann stehen und den Erfolg sehen im Kampf des Lebens und in der Sorge für die Seele!
H. F. F.
Die wahre Politik kann keinen Schritt tun, ohne vorher der Moral gehuldigt Zu haben.
Kant.