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Nr. 3/4 ß^£^i||^^ß2ßgß^ Unsere Heimat ßä^ß^ß^Ä^ß^^ Seite 31

angesteckt wurden. Die anderen Gassen hatten feine Beleuchtung. In der Obergasse, dem Graben gegen­über, stand ein kleiner einstöckiger Sandsteinbau. Das war das eigentliche Gefängnis. Später als das neue Amtsgericht gebaut wurde, kam das Gefängnis dort­hin, und dasHäuschen" wurde bedürftigen Leuten als Wohnung überwiesen. Die Frankfurt-Leipziger Straße, ehemals die Hauptverkehrsader zwischen osn beiden Handelsstätten und schon im siebenjährigen Krieg große Heerstraße, brächte reges Leben in öie Stadt, und täglich stand die Obergasse oft bis weit hinauf voll der schweren Frachtwagen, die Waren aller Art nach Leipzig führten. Auch die stark befah­rene Post brächte viel Verkehr und reges Leben. Auf der Post standen 48, häufig noch mehr Pferde. Dazu

nicht irre von Nr. 40 -49. Alle die neueren Stra­ßen und Bauten waren nicht da. Auf der Mauer­wiese, der Hennerheg und am Graben stand noch der Stadtweiher mit seiner grünen Decke aus Teichlinsen. Aus dem Abhang des Hohenzellers, des Eichholzes, des Landrückens in der alten Straße standen noch die riesigen, Jahrhunderte alten Eichen und Buchen, unter deren Schatten der Schweinehirt, der Schäfer, der Geißhirte ihre Mittagsruhe hielten. Die male­rische Lage von Schlächtern, das idyllische Tal haben von jeher nicht nur das Auge des Einheimischen, son­dern auch des Fremden entzückt. Kaiser Alexander II. von Rußland, der mit einer darmstädtischen Prinzes­sin verheiratet war, jedes Jahr Deutschland besuchte und allhier, wie man sagte, 30 Millionen verbrauchre,

Der alte Eckhardt am Webstuhl.

Phot. o. Hüttel-Kirchhain.

kam zur Sommerzeit der äußerst lebhafte Verkehr mit Bad Brückenau, das zu König Ludwig I. Zeiten eine große Rolle spielte. So hervorragend die Ar­chitektur an der alten Klosterkirche war, die huttiiebe Kapelle, der einzige Ueberrest des alten Baues, legt Zeugnis dafür ab, so wenig imponierend und stilge­recht war und ist die protestantische Kirche, die an­fangs der vierziger Jahre, so wie sie jetzt ist, erbaut wurde. Es mag wohl den Baumeistern Sinn uno Verständnis für würdige Kirchenbauten gefehlt haben. Ich war dabei, wie ein Maurer vom ersten Stock ab- stürzte. Die 3 Türme sind nicht nur eine Zierde oer Stadt, sondern geben dem ganzen Tale mit den von Wäldern umkränzten Bergen ein hervorragend male­risches Gepräge. Neidhos und Bins waren noch be­waldet und nicht wie jetzt gerodet und in Ackerfeld umgewandelt. In jener Zeit entstanden die Neubau­ten auf der rechten Seite der Obergasse, wenn ich

blieb in jedem Jahre bei seiner Heimre se einen Nach­mittag und Abend aus dem Bahnhof in Schlüchtern und erfreute sich an der prachtvollen Aussicht. Schaoe, daß sie jetzt durch die emporgewachsenen Bäume sebr gelitten hat.

Und in diesem trauten Städtchen wohnte eine wohl­habende überaus fleißige, intelligente Bevölkerung. Die Schulen waren gut und kosteten nichts; nur die Mädchen mußten ein Schulgeld von 11 Kreuzern be­zahlen. Viele der älteren Männer hatten das Gym­nasium besucht, dessen Besuch ja auch unentgeltlich war, und es war nichts Seltenes, daß sie sich in der lateinischen Sprache unterhielten, die den Gymna­siasten in den oberen Klassen auch für den Privat­verkehr vorgeschrieben war. Das Handwerk war mannigfaltiger wie jetzt: es gab 5 große Schmiede­werkstätten, 4 große Schlossereien, 4 Schreinereien, 3 Wagner, 2 Drechsler, 3 hervorragende Schuh-