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Christentum.
Bus dem Baußvatertum ruht das Deutschtum und das
fcr. Gotthelf
O Heimatliebe, Heimatlust,
Du Born der Sehnsucht unergründet, Du frommer Strahl in jeder Brust Vom Himmel selber angezündet.
E. Geibel
as gibt's Neues daheim?
mag fein, daß denen daheim manches von bem, was ich zu melden habe, altbacken erscheint, doch für viele „da draußen" wird's seinen Zweck schon erfüllen. Wir sind nun wieder so weit daheim, daß wir auf den Frühling warten. Ihr Schlüch- terner draußen könnt euch unser Städtchen sicher wie „gemalt" vorstellen, wenn ich euch sage: Soeben hat's 11 Uhr vom Rathaus geläutet. Sonnenschein liegt auf den Dächern und Straßen. Der Steigerwald pfeift die Schafe zusammen. Lämmer blöken. Hähne rufen und antworten. Hühner lügen, aber sie legen nicht, weil die „Körnerfrucht" fehlt. Es fällt ihnen so schwer, bei eitel Kartoffelschalen ihre Pflicht gegen den Kommunalverband zu erfüllen. So gackern sie wenigstens. Der Hahn auf dem östlichen Klosterturm ist übrigens neulich bei dem argen Sturm auf Nimmerwiedersehen davongeflogen. Kann man verstehen. Ob das aber noch mehr Krieg oder Frieden bedeutet, weiß bis jetzt kein Mensch, auch die schwatzenden Stare nicht. Die Amseln aber haben das erste Grün an den Cornelkirschbäumen vor der „Luthrischul" richtig wieder heraus geflötet. Schneeglöckchen läuten längst, hier und da lugen sogar schon Schlüsselblumen, ob’s bald Zeit ist. An Fastnachtskreppeln hat Heuer kein Mensch gedacht. Oder doch? Als ich auf dem Kalender Nachsatz, wann wohl „Foaset" sein würde, roar's schon gewesen. Man wird das alles nachholen, wenn 'mal der Friede aus- bricht. Wir warten nämlich neben dem Frühling jetzt alle auch auf den Frieden. Man darf das auch jetzt schon sagen. Die Russen und Rumänen haben ihn schon. Das war recht gescheit von den Leuten. Gescheiter wär's freilich gewesen, wenn sie den Krieg gar nicht angefangen hätten. Aber so geht's, wenn mit gar zu wenig Verstand regiert wird. Unsereiner hätte das ja wahrscheinlich auch nicht besser gemacht; aber schön ist's doch, wenn man hernach das sagen kann. Die deutschen Schulkinder freuen sich jetzt auf die Osterzeugnisse, haben sie sogar schon, wenn sie dies lesen. Ostereier gibt's diesmal wieder nicht, noch nicht. Merkwürdig, auch die Osterh afen legen nicht mehr! Sobald etwas beschlagnahmt ist, verschwindet's. Sogar die Zwiebeln. Obwohl jede Hausfrau weiß: „Ein Zwiebelchen verdirbt nichts." Man muß sich das Fehlende dann denken, und Leute mit einer starken Vorstellungsgabe sind dann gut dran. Oder auch nicht/wie man's nimmt. Saßen da neulich einmal 5 Mann abends um einen völlig trocken gedeckten Tisch, d. h. es war nur ein Aschenbecher drauf, und erzählten sich 'was. Da fängt der eine, der wittert, daß bald die Rede auf Essen und Trinken kommen wird, vorbeugend an: „Denkt euch jetzt einmal eine gefüllte Kalbsbrust mit Zubehör, eine gute Suppe mit Markklößchen vorher und einen hübschen Mandelpudding mit Himbeersaft nachher." Sie dachten — und lachten. Da fuhr der Schalk fort: „Nun denkt auch einmal einen feinen Erbsenbrei mit geschmolzener Butter darüber, Sauerkraut und Hochrücksknochen!" Sie dachten wieder, bliesen wütend gehopfte Wolken vor sich hin und freuten sich, daß die Engländer die Schmerzen auch haben. Doch als der Schalk fortsuhr: „Nun denkt euch ein Quadratmeter saftigen Zwetschenkuchen mit Sahneaufguß und eine Tasse echten Ersatzverzicht dazu", da stöhnten zwei laut auf und riefen: „Nun hör' aber auf! Das kann kein Mensch aushalten!" Ja, ja, die Feinschmecker und Melesser haben schwere aber gesunde Zeit. Wie's nur dem alten N. jetzt gehen mag, von dem die Sage geht, daß er einst auf der Reise von Schlächtern in die oberbagrische Sommerfrische vier Wochen in Würzburg hängen blieb, weil dort die „Küche" so gut war. So oft er nachher am runden Tisch davon erzählte, brauchte er 2 Taschentücher. Ihr seht, daß sich auch bei schmaler Kost daheim, bei allem Entbehren, in das wir so langsam hineingeleitet wurden, der Humor wieder auftaut, der während des Winters stellenweise in „Unsere Heimat" eingefroren war. Das Auftauen aber besorgt der nahende
Frühling und das immer mehr erstarkende Hoffen, daß sich unseres herzlieben Volkes Leidenszeit dem Ende zuneigr. Die Heimat fährt dank des Walles um's deutsche Volk und einer geordneten Regierung in Geleisen, die jedem, der die Hand regen kann, es möglich machen, mit neuem Mut an die Frühjahrsarbeit zu gehen, zu schaffen und zu sorgen für des großen Ganzen Wohl. Wer wissen will, wie es aussieht, wo das nicht der Fall ist, der schaue nach Rußland. Entsetzen und Erbarmen ergriffen einen, als man las, wie dort ein Volk vom Geist der W e i s h e i t und des V e rst a n d e s, der Kraft und der Zucht vollkommen verlassen ist. Dort durchtobte Verzweiflung die Straßen der Landeshauptstädte, und die Höllenmächte der Anarchie, der Gesetzlosigkeit und Willkür, erfüllen alles, was nicht selbst in deren Gefolge lebt, mit namenlosem Grauen und unsagbarem Leid. Nicht, als ob wir dem Zarentum und der Großfürstenwirtschaft das Wort reden wollen. Die haben geerntet, was sie gesät. Und doch ist eine schlechte Regierung immer noch besser als gar keine. Wenn die Mächte des Bösen in einem Volke schrankenlos walten können, gehen auch denen die Augen auf, die vorher mit dem Umsturz geliebäugelt haben, dann aber ist's meist zu spät. Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst, wohl ihr und einem Volke, wenn sie regiert nach einem an Gott gebundenen Gewissen! England macht natürlich auch Millionen an Geld mobil, um im Geheimen in allen Völkern, mit denen es kämpft, Zwietracht zu stiften. Auf unerkannten Wegen schafft es dann das Gift des Mißtrauens und Argwohns gegen die, welche führen, in die Herzen derer, die nicht fest stehen und nicht klar sehen. Der Zwist ist dann auf einmal da zwischen denen, die zusammenstehen müßten wie ein Mann, und wenn man endlich die Giftquelle entdeckt, ist's zu spät. Seien wir auf der Wacht! Bleib' einig, deutsches Volk, bis dieser Kampf ausgekämpft, und warte mit Auseinandersetzungen im Innern bis nachher! Wer um sein Leben ringt, kann sich nicht zugleich einen neuen Rock anmessen lassen! Darum lag's auch auf uns wie Bergeslast, als wir hörten, daß man da und dort in deutschen Landen streikte, während die Welt brennt. Wohlgetan aber hat uns das Wort unseres Kaisers an die Hamburger: „Es sind schwere Zeiten über uns hingegangen. Ein jeder hat seine Last zu tragen gehabt, Sorgen und Trauer, Kummer und Trübsal, nicht zum mindesten der, der jetzt vor Euch steht. In ihm vereinigt sich Sorge und Schmerz um ein ganzes Volk und sein Leid. Der Herr hat uns durch eine harte Schule darauf hingewiesen, wo wir hin sollen. Wir gingen oft falsche Wege. Nun hat uns Gott Aufgaben gestellt. Wir Deutsche, die wir noch Ideale haben, sollen für die Herbeiführung besserer Zeiten wirken, wir sollen Kämpfen für Recht, Treue und Sittlichkeit. Unser Herrgott will den Frieden, aber einen solchen, in dem die Welt sich anstrengt, das Recht und das Gute zu tun!" Diese schlichten, herzlichen Worte zeigen uns, wem unser Kaiser sich verantwortlich weiß. Und es ist allemal ein Trost, einen solchen Mann in schwerer Zeit an der Spitze seines Volkes zu wissen. Wehe aber einem Volke, dessen Regenten kein Gewissen haben, sondern geschoben und gezogen werden von den Interessenten des Geldsacks! Wohin die Geldgier führt, zeigen uns immer wieder neue Verurteilungen wegen Kriegswuchers. Die Sucht, Tausende und Hunderttausende schnell zu erraffen, macht diese Menschen geradezu blind für ihr eignes und ihrer Lieben wahres Wohl. Sie setzen unter diesen Umständen, auch wenn sie im Grunde schon mehr als genug ihr Eigen nennen, alles aufs Spiel. Sie wollen noch reicher werden, um — genießen zu können, während ihre Volksgenossen draußen, auch um ihretwillen, leiden, Kämpfen und sterben. All' dessen achten sie nicht. Die „Eonjunktur" muß benutzt werden, und so führt sie die Eonjunktur schließlich ins Unheil. Das ist der jetzt übermächtige Geldgeist, der das Wol-