Seite 12 ^^^^ss^WHsD^i^ unsere Heimat
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dem Rasen ruhen, können nichts mehr sagen und kein Glied mehr rühren; aber ihr Blut schreit gellend durchs deutsche Land: „Ist das, was wir gegeben, vergeblich geopfert ?" Ach nein, das kann ja nicht sein! Es kann nicht bloß Geschichte werden, daß wir einmal innerlich geeint waren, geeint im gegenseitigen Vertrauen, Wollen, Fühlen waren und der klügelnde, berechnende Verstand zwischen den Scherben des Machtgefühls lag, das aus dem Haben und Besitzen von Erdengut springt. Aus reinen, an Hohes, Heiliges hingegebenen Herzen ward die Tatsache geboren, das; Deutschland einmal innerlich einig war. Und was sich uns einmal in seiner Herrlichkeit sichtbar verheißend dargestellt, das wird und muß werden, langsam, wachsend, gerade wie bei der Christenheit, die dem Wunder ihrer ersten Tage auch, sich mühend, Schritt für Schritt z u strebt. Wir haben das „Wunder" von Deutschlands innerer Einigung als Wirklichkeit gesehen, und das ist nimmer vergeblich ! Latz dich nicht beirren, Brückenbarthel! Aber Arbeit kostet's ! dämpfe gegen die Parteisucht! Hilf versöhnen, Brücken schlagen, einigen, hilf Ver
trauen wecken und säen in den Herzen derer, die einander entfremdet sind und sich nicht verstehen, obwohl sie Brüder eines Volkes sind, denn sie haben e i n Leid gemeinsam empfunden! Es ist ein verderbenbringender Unsinn, wenn ein Teil eines Volkes sich als Ambotz und bejt anderen als Hammer empfindet! Latz dich ruhig einen Narren schelten b i deinem Mühen um Versöhnung alles Getrennten! Wer Zwist weckt und zu erhalten sucht, lädt Fluch auf sich ! Nach des Ewigen Willen aber soll jeder Mensch ein Segen für andere sein! - Was nun zunächst für uns zu tun wäre? Ein jeder helfe in dieser Richtung arbeiten in seinem Kreis Vertrauen pflegen und stärken zu denen, die unserem Volke in dieser Notzeit zu Führern bestellt sind, die am „höchsten" stehen und infolge dessen am weitesten sehen! Und Vertrauen haben zu den andern, die mit uns' auf gleichem Wege sind und unter derselben Last keuchen! Keinem die Vaterlandsliebe und Aufrichtigkeit ab- sprechen, der nicht den augenfälligen Beweis geliefert! Retten können und werden Volk und Land in dieser Not Liebe und Treue! Flg.
Dr. Philipp Leonhard Marms Lotich, ein Vorarbeiter in unseren Heimatbundbestrebungen, Von Pfarrer E. Freun d-Ramholz.
Fortsetzung.
uf die politische Stimmung im damaligen Italien und in dem östreichischen Grenzlanve kommt Lotich in seinen Aufzeichnungen Ende der 20er Jahre öfters zu sprechen. Die allenthalben hervortretende Französelei bringt sein deutsches Herz manchmal in Wallung, und er schreibt aus seinem vollen Herzen heraus Worte so wahr, so glühend patriotisch, datz sie es verdienen, auch heute noch gehört zu werden.
„Oestreich wird es einstens bereuen, unserer Literatur keinen größeren Aufschwung in seinen Ländern gegeben zu haben. Ich habe immer bemerkt, daß die Italiener, welche ihre Studien in Wien oder Graz gemacht haben, dem Kaiser viel anhänglicher sind als die, welche von unserem Geiste nichts wissen. Warum keine deutschen Theater in Triest, Görz? Warum keine deutschen Zeitungen? Die Franzosen verstehen es besser. Hier (in Görz, Villa Vicentina) wäre es übrigens so leicht, das Deutsche zur Hauptsprache zu machen. Die Beamten schreiben ein miserables Italienisch. Die italienische Literatur hat hier wenige Enthusiasten und noch weniger Kenner. Der Boden ist neu, empfänglich und gewiß auch fruchtbar. Warum also nicht anpflanzen die Sprache Schillers? Ein solches Band wäre wohl fester als die schreienden Auflagen auf Wein und andere ve- tränke. Man lobt hier allgemein die Franzosen und was von ihnen kommt. Meinte man etwa, daß man auch den Oktroi loben würde? Oestreich hat eine wenig weise Regierung. Vor allem könnte sie klüger sein in Kleinigkeiten. Und gerade die Kleinigkeiten fallen dem Volke auf. Daher werden auch die Franzosen so gelobt. Sakrament! Die verfluchten Franzosen ! Ueberall führt man sie im Maule."
Ende November 1830. „Ja die Franzosen, ruft der eine, das sind Leute, die haben sich gewaschen!" „Nun ja, das sind mir saubere Gesellen", antwortet der andere.
Die Franzosen sind das, was die Deutschen sind, in der Form nur um ein kleines gefälliger. Aber wenn sie sich über uns hinaussetzen wollen oder besser, wenn sie über uns wegspringen wollen mit so erstaunlicher Leichtfertigkeit und Anmut, da haben sie aufgehört in meinen Augen ein edles, hochherziges, oft nachahmungswürdiges Volk zu sein, und ich sehe sie an nur als grobe, ungezogene, impertinente Jungen in den Eseljahren. So sehe ich sie jetzt, da sie uns öffentlich insultieren. Oft verzieh ich ihre Unart, denn gewöhnlich wußten sie selbst nicht, was sie taten. Glaubten nur zu schwatzen, zu spotten, nannten uns empfindlich, weil wir ihre Späße nicht verdauen konnten. Wir Deutsche empfindlich! Wenn wir ooch empfindlicher wären! Man stichle ein bißchen an einem sich quakend aufblasenden Franzmann, uno man wird sehen, wie er aufspringt und herausplatzt bombenartig. Und die Bomben sind gefährlich, nimmt man sie nicht gleich beim Schöpfe. Wenn wir empfindlich gewesen wären, würden sie jetzt nicht gegen uns bellen und schreien. Und wie sie schreien! Welch ein furor! Und der Donner dieses furor brandet nicht, Schaum der Rache zeugend, an euern wilden Wäldern, euern langweiligen, frostigen Feldern, an euern schaufeln, angerauchten Hütten o ihr gutmütigen, plumpen, unbeholfenen verschrobenen, ro - mantischen Deutsche! Ihr fallt nicht aus euren Ster- nengefilden, ihr Sternengucker, aus euren Wolken, ihr ewigen Wolkenbläser! Mit solchen angenehmen Epitheten kommen sie uns, wenn sie scherzen in men-