Heimat ^c^c^(^^c^c^>c^)c^>c^>c^>c^>
Unsere
Nr. 1/2 damals nur am Tintenfaß gebraucht werden konnte, und ich mußte mich bescheiden, zu Hause zu bleiben.
„Wie hielt er zu allem, was gesund, was heimisch, was gemeinsam war!" schrieb mir in diesen Tagen ein gemeinschaftlicher Freund.
„Wie verlässig war seine Freundschaft, wie hoch gestimmt seine Liebe zum Vaterlande! Sie durch- glühte sein Herz und sein gerades Urteil, hinter oem die Tat stand, wie er 1870 erwies. Ja, seine herrliche Eigenart war ein Schatz des Landes!"
Ruhig, lieber Leutnant Wilhelm Hagemann von den 87ern!
Aber der gemeinschaftliche Freund seufzt fort:
„Einst zeigte er mir seinen Nekrolog, eine in der Heimat gedruckte Feldpostmitteilung eines Unbekannten nach der Schlacht bei Poupry (2. Dez. 1870), wo er für tot auf dem Felde lag:
„Heute fiel auch der Musketier Friedrich Köhler. Er war ein braver Soldat -und von allen geliebt."
Ich hätte ihn wohl sehen und erleben mögen, heißt es weiter, als Soldat unter den Soldaten! Wie er allen innerlich etwas war und immer mehr wurde. Und alles quellend aus der verborgenen Idealität seines D i e n e n s, seines Dämpfens für's Vaterland !"
Ich alter Ersatzreservist aber habe das Zeugnis zweier 83er in der Tasche, seines Ausbildungskame- raden und seines Kochkameraden, beide mit ihm im Feld, der eine ein Fahnenjunker, der andere ein Füsilier.
Ich weiß, daß jener, unser General v. Scheffer- Boyade! in späteren Friedenszeiten seinen Geburtstag am 24. März im Hause an der schönen Aussicht zu Cassel nicht feierte, ohne seinen Ausbildungs- kameraden Fritz Köhler als Gast bei sich zu sehen. Und ebenso weiß ich, daß der Füsilier Köhler alljährlich zu einem festlichen Erinnerungstag den Kochkameraden, den späteren Kuhhirten von Burg- hasungen, sich als Gast einlud, um am Freibiertische alte Kriegserinnerungen auszutauschen und zu Gunsten von Frau und Töchtern probat befundene Kochrezepte zu besprechen, alles im Schmucke des eisernen Kreuzes, das er zu Ehren seines Gastes anlegte.
Der obige Unbekannte aber muß mir eine Korrektur seiner Feldpostkarte gestatten:
Fritz Köhler war kein Musketier, sondernFü- filier, irre ich nicht 9/83, wie damals noch ole Mannschaften der dritten Bataillone hießen, welche für unser Regiment 83 der alte Dr. Kreusler zuWal- deckisch-Sachsenhausen in seinem unsterblichen Lieoe „König Wilhelm saß ganz heiter" für die Nachwelt festgehalten hat.
Einst traf in den nachfolgenden Friedenstagen unser Füsilier Köhler auf der Königstraße zu Cassel seinen Kompagniegenossen Fritz Knackwurst (so war sein veritabler Name), er war, glaube ich, „bei Meschede weg" zu Hause und machte ihn mit dem damaligen Rechtsanwalt Frick, Kriegs-Musketier von 82, bekannt.
„Musketier?" quittierte Knackwurst die Vorstellung.
„Füsiliere sind die vermosten (famosen) Kerls!"
Auch noch etliche andere Wandlungen muß ich hier bekannt geben:
Als einst Bataillon III/83 auf einer Dorfstraße in Feindesland hielt und Schreibkundige für den Di-
Seite 7 visionsstab in einem nahen Hause gesucht wurden, bestimmte der Feldwebel (er hieß wohl Hauschilo) den Füsilier Köhler als ersten dazu, der sich schleunigst an Ort und Stelle begab.
„Sind Sie Schreiber?", fragte ihn ein Generalstabsoffizier. Dem Füsilier aber fuhr im Augm- blick seine hohe Stellung als Referendar durch Den Sinn, doch wollte er davon nichts sagen und stockte mit der Antwort. „Dann kann der für Sie ote Befehle schreiben", replizierte der Frager, und an des Füsiliers Köhler Stelle trat ein Meldereiter mit blankem Stahlhelm, der noch besser schreiben konnte wie er.
Wie Köhler die gewaltige Attacke französischer Kürassiere bei Floing vor Sedan abschlagen half, und als der Pulverdampf sich verzogen hatte, einen graubärtigen Wachtmeister, abgeworfen über oen Pferdehals, mit geschwungenem Säbel vor sich stehen sah, da dankte dieser Säbelfechter der vorbildlichen Ruhe Köhlers sein Leben. Denn, ohne naheliegenden Gebrauch von seiner Waffe zu machen, rief ihm der Füselier zu: A das les armes! und schickte ihn hinter die preußische Linie. Mehreren gefangenen Kürassieroffizieren aber spendete er, als er nach der Schlacht zum Wasserholen kommandiert, dieselben Cigaretten rauchend an einem Grabenrande sitzen sah, das, freilich ohne Antwort gebliebene, ritterliche Lob : C'etait une brave attaque !
Mit dem Tage von Poupry (2. Dez. 1870) schied der durch Schüsse in der linken Schulter schwer Verwundete aus der Kampffront aus. Blutend lag er am Abend auf dem Feld. „Der Frost bringt uns den Tod!" rief ein Mitverwundeter, und sie rafften die letzten Kräfte zusammen und wandten sich einer in der Entfernung ziehenden Truppe zu. Aber es waren Franzosen, und die verwundeten Füsiliere wurden prissoniers de guerre.
Nur auf kurze Zeit jedoch, und nicht ohne daß v r einfache preußische Soldat durch sein Französisch dem Obersten des Feindes imponiert hatte. Eine Begleitmannschaft sollte sie in ein nahes Dorf bringen, da schallte ihnen von den ersten Hecken Zuruf der 32er entgegen, welche jenes Dorf inzwischen eingenommen hatten und —■ die Begleitmannschaft gefangen nahmen.
In einem Schafstall lag dann unser Fritz Köhler lange Stunden, bis zwei Aerzte kamen und ihn untersuchten. „Moriturus" (er wird sterben) meinte der eine. Aber der Füsilier verstand nicht nur Französisch, sondern von Fulda und Rinteln her auch Latein. Er biß die Zähne aufeinander und sprach, wenn auch respektsvoll, laut: „Nun gerade nit!"
Nach schweren Leidenstagen und nach einer Operation, die ihn dicht vor des Todes Tor brächte, kam er in das Darmstädter Diakonissenhaus. Als er auf dem dortigen Bahnhof ausgeladen war und auf einer Bahre zu jener von ihm oft gerühmten Stätte heimatlicher Pflege getragen ward, ging ein kleiner Hessenjunge hinter ihm her und sprach teilnehmend: „Ach, der arme Preuß, der arme Preuß!"
Gott wollte nicht, daß er ein Moriturus wer oen sollte. Es waren ihm und uns mit ihm noch schöne Friedenstage beschieden.
Mit einem Dienstalter vom 19. Dez. 1871 ward er am 9. Juni 1873, nachdem er sich vergebens um Langenselbold, Jesberg und Earlshafen beworben hatte, als Amtsrichter nach Contra gesandt. Am 26.