Seite 278 SASSSSSSSASSSSASSSAS SAGA Unsere Heimat €€€e€©€e€66€86€e66€eee€€ Nr. 34/36
Gustav yibolf im Kin^igtal
Dort Dr. R. B e r n g e s, Direktor der Stadtbibliothek hanau
3 m Januar des kommenden Jahres sind 300 Jahre verflossen, seit Gustav Adolf mit seinem siegreichen Heere auch einen Teil des Kinzig- tales betrat. Nach der Eroberung von Mainz am 24. 12. 1631 reiste er am 19. Januar von dort ab, um Gelnhausen zu besuchen. Auf der Fahrt traf er am 20. Januar zwischen Hanau und Gelnhausen nach zweijähriger Abwesenheit mit seiner Gemahlin Maria Eleonore wieder zusammen und kehrte mit ihr am 22. d. M. nach Hanau zurück, wo er sich mehrere Tage aufhielt, um wichtige diplomatische Verhandlungen mit den umliegenden Standes- Herren zu führen.
Don hanau aus besuchte Gustav Aböls die Grte der Umgegend, so z. B. auch Gelnhausen. Am 30/ Januar war er in Nückingen, denn der damalige Pfarrer Sebastian Brom schreibt im Nückinger Kir= chenbuch: „Anno 1632 den 20. Januarij styl vet (alten Stiles) ist Ihr Kgl. Mayst. auß Schweden Gustavus Adolphus samt deren Kgl. Gemahlin Maria Eleonora ^allhier zu Nückingen geweßen, undt bey dem Wohl Edlen . . . Philipß Burckhardten von Nüdigheim zu Nückingen Mittag gehalten." Wahrscheinlich liegt hier der geschichtliche Kern der £e= gende, Gustav Aböls habe in der Nückinger Kirche das Abendmahl empfangen.
Es scheint aber bis jetzt unbeachtet geblieben zu sein, daß Gustav Aböls bereits 12 Jahre früher auf seiner „Brautreise" von Berlin kommend, wo er um die Tochter des Kurfürsten Johann Sigismunb von Brandenburg ungehalten hatte, einen Teil des Kim zigtales durchzogen hatte.
Der Stadtschultheiß Sturio von hanau hat diesen Besuch in seinen Jahrbüchern der Neustadt, Band III, erwähnt. Er schreibt:
„Den 8. Juni (1620) ist der regierende König in Schweden im Komitat (Geleit) des Pfalzgrafen zu Zweybrücken (der sich zwar zu erkennen geben) gleichsam eines Hofjunkers unbekannt allhier im Schloß bei M. Gn. Fürstin und Frauen inlosieret und Abendmalzeit gehalten."
Ein schwedischer Edelmann, Johann Hand, der den König auf dieser Reife begleitete, hat in einem Tagebuch gleichfalls diesen Besuch ausgezeichnet. Das Kö= nigl. Schwedische Neichsarchiv in Stockholm hatte die Liebenswürdigkeit, mir eine Ueberfetzung der Aufzeichnung zu übersenden, die hier wiedergegeltzn sei.
„Den 24. Mai zogen wir durch eine kleine Stadt mit Namen Hyenfeltt (Hünfeld) im Stifte Fülle (Ful- da) gelegen und kamen nach Füllen zur Weide (?), der Abt dort heißt Johan Friedrich von Swalbach ... von dort bis in die Nacht nach Slichte (Schlüchtern), in der Grafschaft Hanau. Am Tage 8 Meilen.
Den 25. zogen wir von dort (Schlüchtern) durch Steinau an der Straßen in der Grafschaft Hanau, durch Salmünster, das dem Bischof von Mainz gehört, über eine befestigte kleine Brücke und kamen zur Malzeit nach Gelnhausen, eine kleine reiche Stadt. Die dort wohnen, sind alle lutherisch und haben schöne Weinberge, die rings um die Stadt liegen.
Nurze Zeit vorher kam S. F. G. Kammerdiener aus Berlin zurück mit Briesen und guten Nachrichten, welche man so lange und mit großer Geduld erwartet hat. Er sagte uns dann, daß Gtte Daub dort noch zurückgeblieben sei wegen einiger Briese, die er haben sollte. Don dort aus sandte S. F. G. Hans Lodh im voraus nach hanau, denn da S. F. G. Weg dort vorbeiführte, wollte er gern mit der Gräfin sprechen, dann soll er voraus nach Frankfurt ziehen.
Am selben Nachmittag kamen wir nach Hanau, einer schönen Stadt, vor kurzem vergrößert und stark befestigt mit guten Wällen und Gräben. Der neue Teil der Stadt ist von Holländern und Niederländern besiedelt, die große Freiheiten haben, r(g|el= tnäßig gebaut, mit schönen, recht breiten Straßen. Neben der Stadt fließt ein Strom, Main genannt. Nachdem die Gräfin von hanau durch Hans Lodh, der voraus nach Frankfurt gezogen war, erfahren hatte, daß S. F. G. kommen wolle, sandte sie rasch ihren Sohn zu unserer Herberge hinunter in die Stadt mit Kutschwagen zu S. F. G. Ihr junger Sohn, Gras Philipp Moritz mit Namen, bat mit stotternder Sprache um Verzeihung, daß er den großen Fehler begehe, im Namen seiner Mutter S. F. G. zu er= suchen, mit einem Nachtlager im Schloß Vorlieb nehmen zu wollen. Dort wurde S. F. G. große Bewirtung zu Teil, sowohl von der Gräsin selbst, die Kath- rina Lelgica heißt, als von 2 jungen Fräulein Töchtern, schöne, liebliche und gebildete Menschen in Worten und Gebärden. Die älteste heißt Tharlotte Luise, die andere Katharina Juliane und dann waren noch 2 jüngere Söhne, Friedrich Ludwig und Johann! Jakob, vorhanden. Der Hofmeister heißt Bernekott, Sittich von Verlepsch ist der Hofmeister des jungen Grafen, Philipp Heinrich von Bellersheim ist Gber- amtmann.
Den 26. am Morgen, ehe wir Frühstück erhielten, kaufte S. F. G. ein kleines, schönes Diamanthals- band, dann begleitete der junge Graf uns zur Stabt hinaus."
Bereits 1619 war Gustav Adolf nur von wenigen Dienern begleitet nach Deutschland gereist, um in Berlin um die Hand von Marie Eleonore, der Tochter der Kurfürsten Johann Sigismunb von Brandenburg, aus politischen Gründen in strengstem Geheimnis, anzuhalten. Ende April des folgenden Jahres unternahm er mit seinem Schwager, dem Grafen Johann Tasimir von Pfalz-Zweibrücken eine zweite Neise, die sogen. „Brautreise", die dann zum Abschluß des Verlöbnisses führte. Angeblich soll er, um unerkannt zu bleiben, als schwedischer Hauptmann Gars (Gustavus Adolfus Rex Sueciae) als Begleiter des Pfalzgrafen aufgetreten sein. Wie aus dem Tagebuch hervorzugehen scheint, benutzte er aber diese Reife, um auch andere evangelische Fürstenhöfe auf- zusuchen, vielleicht zu politischen Zwecken,. so daß damit sein Besuch bei der Gräfin Katharina Bel- gica, der Tochter des großen Graniers, eine gewisse Erklärung findet.
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