23. Jahrgang ÄL Schlächtern, Jannar/februar 1?3] Nr. 25/26
Gott sprach: „^ch bin, Jd) war. Jd} werde sein!" (2. mof. 3, i4)
Gott ist ganz anders, als viele sich Ihn „denken". Des Menschen Denken kann Ihn nicht erfassen, weil es ja nur Iahre summiert und seine Sinne Gitter sind, die über die Welt der Lr- scheinungen oder des Scheins nicht hinaussehen lassen. Aber die Welt der Wirklichkeit hat sich ihm geoffenbart. Wir sehen alle Gott zu Mein ; denn im Weltall, seines Willens Werk, ist die Erde nur ein Sandkorn. Wir wähnen, Gott sei unseret- wegen da oder ein Gebrauchsgegenstond für Gottesdienste oder Notfälle, während doch^lles Leben Ihm unterworfen ist. An Ihm zerschellen ganze Geschlechter und Völker, die Ihm widerstreben. Die Mächtigsten der Erde sehen ihre Gewalt zerstäuben, wenn eine gewisse Grenze erreicht ist, und werden selbst Staub und werden vergessen. Aber das Wissen um Gott geht mit den Zeiten und ist nicht auszurotten. Keiner, der Gottes Größe auch nur von fern ahnte, wagte je zu sagen: „Du bist nicht!" Ie tiefer der Menschengeist in das sichtbare Werk des Ewigen eindringt, desto reicher wachsen als Früchte Ehrfurcht und Anbe= tung ihm zu. Wenn Tr „Nein!" sagt zu selbstgewähl- ten Wegen der Menschheit, gerät diese in unbeschreibliche Verwirrung ohne Rat und Hoffnung. Er überläßt in unfaßbarer Größe Seinen Namen den Spöttern als Spielball für Witz und Selbstbetrug und macht zugleich, daß andere sich scheuen, den Unaussag- baren auch nur zu nennen. Wer Ihn, die höchste Wirklichkeit, übersieht und nicht mit Ihm „rechnet", den läßt er gewähren und erfahren, daß dann Leben sich zwangsläufig vergeudet an Nichtigkeiten. Wer sein
Leben nicht Dem leben will, der es gegeben, verliert es ans Nichts. Er fordert Gehorsam. Wird dieser verweigert, dann entgleiten die Dinge und Verhältnisse der Herrschaft des Geistes und machen die Menschen sich Untertan, und es stehen Rätsel, wo vorher Licht war. Wenn die Liebe zu ihm erkaltet, glüht im Menschen haß auf. Man kann Gott gegenüber nicht neutral bleiben. Schwindet das vertrauen auf Ihn, so ist des Menschen Seele wie ein Vogel über weiten Wassern ohne Ufer und Ruheplatz, wenn die eigenen kleinen Schwingen ermatten. Es muß ja Unsicherheit und Bangen vor Kommendem um sich greifen, wenn das Lebendige auf Erden das Wissen um seine (Quelle verliert, die es speist, oder um seinen Mittelpunkt, um den es kreist, oder um sein Ziel, auf welches Licht als Bild und Dunkel als Not hinweist. Auf dem Triebsand dieser Erde baut kein Gast ein dauerndes Glück auf, und ohne „Salz und Licht" aus reiner Wirklichkeit fault die Zeit. Darum schreit schließlich alles nach Heimat. Heimat aber ist, wo Gott ist. Ohne Ihn gibt es nicht Heimat. Wo aber ist Gott? Einer seiner Boten sagte einst den selbstbewußten, wissensstolzen Leuten in der Weltstadt At^en, die Ihn nicht finden konnten, weil sie Ihn zu klein sahen: „In Ihm leben, weben und atmen wir ja. Also kann Er nicht fern sein von einem jeden unter uns!" Deshalb wird Gottferne zur Schuld. Der Gekreuzigte aber rief sterbend noch und in äußerster Einsamkeit die höchste Wirklichkeit mit dem Namen: „Vater!" Und lehrte auch uns zu bitten: „vergib! Dein Wille geschehe! Zu uns komme Dein Reich!" Flg.