Nr. 34/36 AASSSSASSASSSASSSAASSSSS Unsere ksSiMat €€€€€€€e€6€6€e€€€6€ee®@e Seite 277
bezweifeln, daß die durch den Betrieb erworbenen Mittel auch den Untertanen zugute gekommen sind.
Und nicht nur diese, das ganze Werk, seine .Errichtung, sein Betrieb, sein vertrieb setzte zahlreiche Kräfte im Volke in Bewegung und in Verdienst. Neben den Untertanen, die beim Bau gegen dürftiges Fronbrot Hand- und Spanndienste leisten mußten, standen doch noch eine ganze Reihe von Handwerkern, Meister, Gesellen und Lehrlinge der verschiedenen Bauhandwerker, für Jahr und Tag in gewinnbringender Tätigkeit, und selbst die Fronbauern haben es schließlich auf dem Wege passiver Resistenz durchgesetzt, daß sie entschädigt wurden. Daneben die große Zahl der im Betrieb beschäftigten Handwerker, neben den Glas- und Farbenmachern Töpfer, Faßbinder, Schmiede usw., und die Menge der Arbeiter, die sich allmählich aus bloßen Tagelöhnern zu gelernten klr- beitern und Rnappschaftsmitgliedern aufschwangen,' die Reihe der höheren und niederen Farbwerks- beamten, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zunahmen, die Kaufleute, Rommissionäre und Agenten, die den vertrieb der Fertigwaren und Halbfabrikate übernahmen, die Fuhrleute und Schiffer, die die Zufuhr der Waren an die letzteren, die Zufuhr der Materialien an das Farbwerk bewerkstelligten. Und hängt man an die Zahl der Beamten, Handwerker, Arbeiter, Tagelöhner, Kaufleute und Agenten, Frachtfahrer und Schiffer, die von dem Werk ihren regelmäßigen Verdienst oder gar ihren vollen Lebensunterhalt hatten, die Zahl ihrer Familienglieder an, so wird es schon ein ziemlich erheblicher Kreis, auf den die Schwarzen- felser Fabrik im positiven Sinne wirtschaftlich eingewirkt hat. Ja man kann noch ein Stück weitergehen, die ganze Gegend, in der das Farbwerk errichtet wurde, und die offenbar bis dahin zu den ärmlichsten im ganzen Hessenland gehörte, ist zweifellos durch! die Fabrik gehoben und in eine bessere wirtschaftliche Lage gekommen, obwohl die Untertanen ihre Fronen gegen magere Beköstigung leisten mußten und auch die Fabriklöhne nicht gerade von überwältigender Höhe und Großartigkeit waren. Aus den Rrbeiter- und Rnappsch!aftslisten geht hervor, daß doch ein großer Teil der nicht in der Fabrik selbst untergebensten Leute ihre eignen Häuser meist in Mottgers besaßen, und wenn auch der dazu gehörige Landbesitz nur ein geringer war, weil das meiste und beste Land zum Gute, der Domäne gehörte, heute hat die Gemeinde die Domäne angekauft und parzelliert, Und ihre landwirtschaftliche Lagd ist dadurch sehr gebessert, sodaß sie den Untergang der Fabrik, die ihren Vätern Brot gegeben hat, heute nicht mehr zu bedauern braucht.
Noch mehr erweitert fidf der Kreis derer, auf die das Bestehen und der Betrieb des Schwarzenfelser Farbwerks wirtschaftlich günstig wirkte, wenn wir die Zahl derer hinzuzählen, die an der Materialbeschaffung für das Farbwerk beteiligt waren, ich meine nicht nur der Sand- und Tongräber, der Pattaschebereiter, der Forst- und Holzarbeiter, sondern vor allem der Bergleute und des gesamten Bergperso- nals in Richelsdorf und Bieder. Gerade diese beiden Bergwerke waren ja doch von Anfang auf die Schwarzenfelser Fabrik, wie diese auf die beiden Bergwerke angewiesen. Nach dem schon oben zitierten Protokoll der Gberbergdirektion von 1849 war es bei der
Anlage des Farbwerks „leitender Grundsatz: Den Robaltbergbau zu Richelsdorf und Lieber durch die Verwertung der Erze in Schwarzenfels zu erhalten." Daß die beiden Bergwerke überhaupt solange haben arbeiten können, verdanken sie zweifellos der Existenz und dem zeitweiligen Prosperieren der Schwarzenfelser Fabrik, und es ist sicherlich etwas Rennomage dabei, wenn das Gberbergamt behauptet, die Bergwerke hätten ihre Erze im freihändigen Verkauf viel vorteilhafter losschlagen können als durch die Bindung an die Fabrik, deren Ausbau nun auf Kosten der Bergwerke gemacht fei, und doch liegt vielleicht etwas Richtiges darin, insofern die ju enge Bindung des Farb- und Bergwerkes auf die Dauer beiden Teilen zum Unheil geworden ist Das Farbwerk, das den begreiflichen Ehrgeiz hatte, möglichst hochwertige Far- benprodukte zu liefern, mußte feinen Kobalt von Richelsdorf beziehen, wo die wertvolleren Erzgänge schon abgebaut waren; das Bergwerk hatte ein Interesse daran, seine minderwertigen Erze abzufetzen, die man in Schwarzenfels nicht gebrauchen konnte.
(Schluß folgt)
Dom Mannheimer
Der Bausebauer in Heubach hatte einen Unecht aus Gberzell, der hieß wie alle jungen Männer dort henner oder hannhenner. Es ging so mit ihm, wenn man ein Rüge zudrückte; nur über eines hatte der Bauer schwer zu klagen: morgens war der henner kaum aus dem Bett zu bringen, wie ein nasser Sack lag er im Stroh und rührte und regte sich nicht, wenn er geweckt wurde. Henners Kameraben wußten Bescheid. In einer Spinn- stube brachten sie das Gespräch aufs Rufstehen, fluchten und stöhnten, sie hätten morgens nie richtig ausge- schlafen, blinzten hinterher einander zu und fragten ganz scheinheilig: „No, henner, bie is dann bei dir?" z,Bei mir", sagte der henner, bei mir is so, bann mein Herr rüfft: Renner', doa soag ich aach schont — ja!" Wie war's nun in Wahrheit? Der Bauer hat's einmal erzählt, wenn er morgens zum erstenmal gerufen hatte, knurrte es schlaftrunken aus den Rissen: „Joa, Herr - ich — komm — gleich." Nach dem zweiten schärferen Weckruf: „henner, willste net aufsteig?" gurgelte es hinter der Kammertüre: „Joa, Herr - ich — setz — schont." Beim dritten Ruf: „Joa, Herr - alleweil — bäär — ich (bete ich)." Beim vierten Wutgebrülil: „Henner, steig auf!" krachte dann die Bettlade, es knisterte der Stroh sack, und der Henner gähnte: „Joa, Herr — ich komm gleich — die Strömp honn ich schont oa!"
Ruch ein anderes Stücklein nom henner wurde viel belacht. In der kleinen Herrnwiese war Grummet gemäht worden. An einem Nachmittag sollte es geholt werden. Der Bauer befiehlt: „Henner, du gehst nauf onn wennst das Grummet erscht! Die annern komme dann mirem Woage, onn dann wird's erscht desomme gemoacht, bann mir all dorve sei." Als der Wagen anlangt, ist vom Henner nichts zu sehen. Rufen und Peitschenknallen! Da Kommt mein henner ganz gemütlich aus dem Schatten des Waldes gekrochen und guckt sich erstaunt um. „Henner, du Host joa ’s Grummet goarnet gewaandt." — „Joa, Herr, ich hun's ge= waandi!" — „henner, ’s leit groad noach bie erscht!" — „Joa, Herr, ich hon's groad gemoacht, bie’s erscht woar!" XL Vogler