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Nr. 34/36 AAOAGAAAAAAAAAAAAAAAEHHH UnfCIC

fjeimat HtzGHO8EH88E:HOHOOßOKHHOHH Seite 26

hat jetzt schon die 2te Frau,. Die erste ist tot. Aber seine Mutter lebt noch, heute Mittag waren wir im Viehhof bei Gebelsti) zum Essen. Dann sind wir in Hirschgraben, der jetzt zu einem schönen Blumengarten umgearbeitet ist, spazieren gegangen. Auf dem Krug- bau waren wir gestern Abenb. Die Nussicht davon ist unbeschreiblich schön. Wir sahen dort die Sonne überm Weinberg untergehn. Neben dem Krugbau ist der Thalhof. viele Gegenden habe ich erstens durch das viele Regnen, dann durch die vielen Einladungen nicht sehen können und zeichnen. Unser Biengarten ist nicht mehr ganz so gut in Ordnung wie bei uns, aber es steht doch alles recht gut und fruchtbar. Be­sonders die Kartoffel, die sehr dick sind und zahlreiche Obst gibt es in hiesiger Gegend gegen sonst wenig. 3 m Feld sieht man überall die Leute am Heu und Frucht­schneiden und Flachsropfen, sodatz einem der ange­nehme Heugeruch überall in die Nase kommt. Aud) sind die Krauthäupter auf dem Steines in der Kutsche wie Züchter42) so dick. Es macht aud) eine gute Landschaft von der Marbeler Wart Steinau bei Son­nenaufgang und Untergang zu sehen, zum Hinter­grund die Bellingerwart, den Berg und das Tal von Schlüchtern. Die alte Frau Wechsln 4h, die uns in Wagnershaus auf dem Steinweg gegenüber wohn­te, lebt noch. Bus hat sie aber zu sich genommen, weil sie jetzt blind ist. Aud) der Steinerne Trog steht noch gegenüber. Die Klaus 43a) ist tot. Der Schnappkorb steht voll Brennessel und Unkraut. Die Bäume, die wir gepflanzt darin hatten, sind groß. — Der Hut­macher Klein 4h in der SiegeIgaffe war auch in großer Freude, weil ich ihn besuchte, und hat viel vom Vater erzählt. In Denhards Haus ist's noch das nemliche, noch so angestrichen, vor der Thüre Führ- mannskärren, oben um die Fenster schöne Grasblumen und Rosmarin und das ständige Mühlengeklapper. Ich werde mein Kopf von Beulen gar nicht los, weil mir alle Türen zu niedrig sind und ich mich jedesmal stoße, weil ich im Schnellgehn das Lücken vergesse. Uebrigens ist man in dem Kefig lieber als bei den übrigen. Wilhelm ist noch wie sonst, ist etwas älter geworden, aber nach etwas längerem Beisammensein verliert sich's ganz, ist angenehm im Umgang und noch der alte Schulkamerad, der auch nichts von unsern Schulspässen vergessen hat. Die Sophie ist auch älter geworden und sieht aus wie eine ent­flohene Nonne, ist recht gut und tut und kocht mir alles, was sie mir an den Augen absieht, wie auch alles, was sie glaubt, daß es mir Vergnügen macht. Sie erzählt noch von den angenehmen Stunden, wie Ihr als von Marburg in Steinau wart45). Der Fritz und das Minchen^) sind alle zwei recht glücklich in Mühlheim an der Nuhr verheiratet. Sinkens Lies- che 4H ist beim Bauverwalter Mans in Gberzell, der Wilhelm in Lieber Schulmeister. Der Heinrich lernt hier die Schreinerei. Das jüngste, ungefähr 8 Jahr alt, ist auch hier und hat ein recht angenehmes und schönes Gesicht. Es geht oft hier vorbei, hat ein Körb­chen voll Kartoffel, die es am Wasser abwäscht, unterm Arm und sieht recht gut aus. In der Schul war ich auf jedem Platz und Ecke, wo ich hab müssen die Wörter lernen. Sein Pult war noch da und der Nagel an der Decke, wo an einem Faden er den Brill aufgesetzt hat. Aud) die Schiefersteine und verschnit­tenen Tafeln erblicke ich noch. Der junge Breiten­

stein 48), dessen Lild beikommt, ist an seines Vaters Stelle Schulmeister hier und geschickt.

(Schluß folgt)

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Anmerkungen

32) Nachfolger des Justizamtmanns Grimm und Vater des mit den Brüdern Grimm befreundeten Dberappellationsrates Dr. Büff in Raffel (1811-69). StoU aaD. S. 210, Nnm. I. Siehe „Unsere Heimat" 11 234.

sh Tochter des Grimmfchen Gärtners Johannes Nmend vom Steinweg, das „Männche" genannt. Die Mutter feiner Frau war bei der Großmutter der Brüder Grimm, der Frau Pfarrer Grimm in Steinau (gest. 1757), lange Jahre Röchin gewesen, und daher erklärte sich die große Anhänglichkeit an die Familie Grimm. Stoll aaD. S. 68.

34) Domäne in der Stadt nahe der reformierten Kirche. Der Pächter hieß Goebel. U. t). 11 171—172.

35) Zweifellos Spitzname. Der Familienname „Stiefel“ kommt in Steinau nicht vor.

36) Nach einer Mitteilung des Herrn Rektors Maldfeld gab und gibt es noch heute verschiedene Familien „Frisch- Korn", damals z. B. einen Nikolaus, Joh. Nikolaus und einen Bernhard Frischkorn.

S7) StoU aaD. S. 562.

37a ) Der Name Linkersdörfer (auch Lenkersdörfer geschrieben) eignet noch heute verschiedenen Familien in Steinau. Der Stammvater, ein Papierfabrikant, war aus Thüringen ein­gewandert.

37b ) Wohl für Rühl, der als Familienname damals in Steinau vorkam.

38) Jakob Pauli, geb. 1791, besuchte mit Ludwig Grimm die Lateinstunden des Präzeptors Zinckhan in Steinau, studierte in Marburg und wurde Pfarrer in Schlüchtern, später in Nauheim und in Hochstadt, wo er 1860 gestorben ist. Stoll aaD. S. 42, Nnm. 4 u. S. 557.

39) vgl. Nnm. 13

40) Nndreas Hufnagel, Sohn des Dchsenwirts, geb. 1790, gest. 1861, Mitschüler Ludwig Grimms im Lateinunterricht. Ueber ihn schreibt Jakob Grimm am 10. 3uni 1823 an den ihm befreundeten Germanisten Lachmann in Berlin gelegent­lich seines Besuchs in Steinau : „Ich wollte erst unbekannt umherstreifen, aber der Wirt, ein Schulkamerad, der mich in den 19 Jahren nicht wieder zu Gesicht bekommen hatte, nannte mich auf den ersten Blick mit Namen, da war des Incognitos ein Ende."

“) vgl. Nnm. 34.

42) Dieses Wort bedeutet in dortiger Gegend ein Maß für Getreide und Hülsenfrüchte. vilm. Idiot. S. 380.

43) vgl. dazu oben: „Des Weisels Mutter wohnt in der Stadt neben Buchbindershaus. Es geht ihr schlimm, weil ihr der Sohn nicht viel gibt." Sie war die Witwe des Stadt­kapitäns und Ratsverwandten Joh. Peter Weitzel und starb am 15. März 1820, 86 Jahre alt.

43a) Das Elause-Haus lag dem Nmtshaus gegenüber. Ein Dietrich Elaus, der aus Amsterdam stammte, starb 80 Jahre alt am 31. Iuli 1826.

44) Stoll aaD. S. 557: „Der alte Hutmacher Klein, der oft zur Mutter kam, hat mir erzählt, wie er der beste Freund vom Vater gewesen sei von Jugend auf, immer mit ihm zu­sammengewesen sei und der Vater alles auf ihn gehalten habe. Aus lauter Höflichkeit hat er mich „Herr Kapitän" genannt, und vornehm deutsch sprechen wollen!"

45) Nm 10. September 1809 schreibt Jakob an Wilhelm: „Die nun angefangene Herbstzeit erinnert mich so lebhaft an die Mutter und unsere Ferienreisen, worauf ich mich jedes­mal elf Monate freute, und der eine Monat ging so schnell vorbei und die Mutter weinte immer so heftig bei der Ab- reise" (Briefwechsel aus der Jugendzeit S. 166).

46) Wilhelmine Denhard, die am 2. Mai 1786 als Tochter des Fronschreibers geboren, am Sonntag Palmarum 1800 konfirmiert wurde und sich mit dem Kaufmann Friedrich Denhard zu Mühlheim a, d. Ruhr vermählte. Siehe Nnm. 9. «) Stoll aaD. S. 558.

4S) Der Sohn des Kollegen Zinckhans und Bruder des be­kannten Bonner Musikprofessors Dr. Breidenstein. vgl. Stoll aaD. S. 556: „Wilhelm Breidenstein, der Präzeptor ist, hat die Grgel gespielt, und als die Kirche aus war, hat er sich alle Mühe gegeben, mir einen schönen Nusgang zu spielen, und der war auch recht gut 1 vgl. U. H. VII 241.