Seite 264 AAAUAWSÄSASSSASSAASSSSAS Unsere Heimat eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee Nr. 32/33
in Hexenmeister in Volimerz. vor etwa 60 Jahren wohnte in Vollmerz in unserer Nachbarschaft ein Schneider. von diesem erzählten die Leute, er triebe allerlei Hexerei. Mein Großvater hatte Geld von ihm zu kriegen. Als er ihn einmal an die Schuld mahnte, sagte der Schneider: „Verklagen darfst du mich; wenn du mich aber pfänden läßt, mache ich dir Läuse!" Da hatte mein Großvater klagst und schenkte ihm die Schuld. 3. Nußbaum
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in Doppetfall. Beim Eidebauer in Heubach hatte ein Stier einen Apfel verschluckt; er blieb
ihm im Schlunde stecken, und da- Tier mußte notgeschlachtet werden.
(Einige Wochen später kommt in der Mittagszeit eine Bettlerin aus dem Sinngrund ins Haus. Die Familie sitzt gerade beim Mittagsmahl. Die fremde Frau wird zum Essen eingeladen und nimmt am Nebentisch Platz, wo ihr ein Teller mit Rartoffelklö- ßen, die die Hausfrau aufgetragen hat, vorgestellt wird. Die 'ausgehungerte Frau greift hastig zu. plötzlich fährt sie mit den Händen in die Luft, greift sich an den Hals, wird blau im Gesicht, ist am Ersticken. Der Bauer springt com Tische auf, schlägt der nach Luft Schnappenden mit der flachen Hand auf den Rücken, und ein großer Rlaßbrocken fährt ihr aus dem Munde — sie ist gerettet! Noch ein kleiner Hustenanfall — und sie fährt im Essen, jetzt gesittet und ohne hast, fort. Die Aufregung am andern Tisch legt sich auch. Die stumme Gabelarbeit geht weiter. Nur das kleine vierjährige Söhnchen ist sich über etwas noch nicht im klaren. Es wendet sich an seinen Vater: „Votter, bie warsch allewei, bann dr Rlueß net rausfuhr — häste dem Fräse der hals roa müßt schneid'?" Kl. Vögler
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-^rieysschrecken. In den Tagen derRetirade 1813
sahen unsere Väter viel grausige Bilber menschlichen Leidens und Elends in den Reihen der flüchtenden Franzofen. In 5 t e i n a u ratterte mitten in einem Trupp angstgetriebener Rückzügler ein Wagen, auf dem eine armselige Gestalt hockte und sich an- klammerte, ein französischer Soldat, dem der halbe Hinterbacken abgehauen worden war; schlecht verbunden, jammerte er entsetzlich vor großen Schmerzen. vor dem Gasthaus zur Kri ne fragte ihn ein mitleidiger öürger, wer ihn so bös zugerichtet habe. „Bauer mit Sänne (Senfe)!" gab er wimmernd zur Antwort.
Aber auch manchem der Bürger ist es schlecht ergangen. Auf dem Steinweg, dort, wo Dordrehersch- Hannesje gewohnt hat, wollte ein "Steinauer einem Franzosen das Gewehr mit Gewalt entreißen. Der drückte los, und der Steinauer brach tot zusammen.
Damals trieben die Leute ihre Rähe in den Eisenberg, und ihre Schweine hielten sie oft in den Stuben verborgen. Geld und Wertsachen wurden vergraben. Am Bellinger Tor kam eine Familie auf merkwürdige Weise um 200 Gulden. Sie glaubte ihren Schatz gerettet zu haben, weil er an einem sicheren Drt ruhte. Da überfiel die älteste Tochter, die das Geld abgehoben und in Sicherheit gebracht hatte, das Nervenfieber, und sie starb. Das Geld wurde nie mehr aufgefunden,' denn sie allein hatte das Versteck gekannt. Karl weitzel
ine schlimme Wette. Es war im Winter, die Dorfjugend saß in einer Spinnstube zusammen. Der Kaffee hatte allen recht gut geschmeckt,' und nun rückten die Mädchen mit ihren Stühlen wieder um die Lampe mitten in der Stube, während die Burschen ihre Plätze auf der Ofenbank und den Bänken um den Tisch einnahmen. Die Unterhaltung kam schnell wieder in Gang; vor dem Kaffeetrinben war man schon bei Hexen- und Gespenstergeschichten angelangt. Hiervon gab's kein Loskommen. Obwohl allen das Grauen aus den Augen guckte, nahm das Erzählen kein Ende, und jeder gruseligen Geschichten folgte eine noch gruseligere, so daß es allen eiskalt den Rücken hinunterlief. Der Hannes, der noch in die Schule ging und im Vorhangsbett die Geschichten mit angehört hatte, schwitzte vor Angst und konnte den ersehnten Schlaf nicht finden, zumal ihm vor den Träumen, die da kommen würden, graute. — Nur ein frisches junges Mädchen behauptete, keine Furcht zu kennen, auch jetzt nach all den schrecklichen Geschichten nicht. Das glaubte ihr kein Mensch in der ganzen Stube. Weil sie aber bei ihrer Behauptung blieb und die anderen ebenso in ihrem Zweifel beharrten, kam es zu einer Wette. Das Mädchen sollte um Mitternacht allein auf den Totenhof gehen und in ein bestimmtes Grabkreuz einen Nagel schlagen. Hammer und Nagel wurden geholt, und kurz vor der Geisterstunde verließ die Furchtlose das Haus, und die Spinnstubengesellschaft blieb voller Angst zurück. So war es verabredet. AIs die Rirchenuhr zum Schlage für die Zwölf ausholte, war sie an dem Grab angelangt..
Sie nahm den Hammer zur Hand und schlug den Nagel in das Holz des Grabkreuzes, wurde aber nicht gewahr, daß sie einen Zipfel ihrer Schürze mit festgenagelt hatte. Wie sie fertig war, schickte sie sich an, den Totenhof zu verlassen, da fühlte sie sich festgehalten. Darüber erschrak sie so sehr, daß sie auf der Stelle tot liegen blieb. ®. Knauf
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ie Steckelsberger Suff *) Zu Weihnachten kommt in manchen Gegenden der Nikolaus, in
manchen der Knecht Ruprecht und in anderen das Thristkind selbst zu den Rindern. Im Degenfeldischen kommt am hl. Abenb die Suff droben vom Steckel- berg herunter. Den Rindern, die schön brav sind und fleißig lernen, bringt sie Aepfel und Nüsse. Wer aber ungezogen ist und faul, der kann sich schön in achtnehmen. Für die Bösen und Faulenzer bringt sie einen langen Stecken aus der Nußhecke mit. Sie schlägt drauI wie auf altes Eisen. Darum haben auch die Rinder in vollmerz, Ramholz und hinkel- hof so große Angst vor ihr. G. Knauf
*) Die Suff (Sophie) war die geistig nicht normale Tochter eines Köhlers oder Pottaschenbrenners, der die Ruine- zuletzt bewohnte.
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