Seite 262 »SGASSSUSSAUKKAASSÄSSSAZ Unsere HeiMUt E8HH8HHHOOGH8HOHOGEHGHHH Nr. 32/33
Romeiser ließ sich aus meine Bitte auch dazu herbei, mir das Abendessen zu stellen. Ich wollte es vermeiden, abends ein Wirtshaus zu besuchen, da ich in einigen Monaten meine Fachprüsung ablegen muhte und mich dafür an den Abenden vorbereiten wollte. Die Wohnung bei Romeifer war mir insofern interessant, als sie früher von dem Amtsphpsikus Dr. Flies bewohnt gewesen war, dessen Sohn ich kannte. Dieser hatte im Jahre 1866 als Husar in den mobilen Eskadrons des kurhessischen 2- Husarenregiments (Herzog von Sachsen-Meiningen h den Feldzug in Südwestdeutschland gegen Preußen mitgemacht und war im Gefecht bei Aschafsenburg am 14. 7- 1866 durch einen Armschuß schwer verwundet worden. Der Arm blieb lahm. Flies war dann in den Eisenbahndienst eingetreten und arbeitete eine Zeitlang in Kassel in der meinem Vater unterstellten Werkstätten-Buchhalterei, wo ich ihn kennen lernte. Nachdem die Familie Flies die Wohnung ausgegeben hatte, vermieteten Romeifers die einzelnen Zimmer, wie sich gerade Gelegenheit bot. Sie waren ja nicht daraus angewiesen; das Geschäft ging recht gut. Herr Romeiser, den ich ebenso wie seinen Sohn und seine Tochter wenig zu sehen bekam, beschäftigte damals 5 Gesellen. Ich war in meiner Wohnung vorzüglich untergebracht. Frau Romeiser sorgte geradezu mütterlich für mich. Dafür lehnte ich aber auch nicht ab, abends gelegentlich ein halbes Stündchen mit ihr zu verplaudern, wobei ich über alle Vorkommnisse in der Stadt und den Familien eingeweiht wurde.
Der Romeiserschen Behausung gegenüber wohnte ein Töpfer, der eine hübsche Tochter hatte. Tr stellte seine halbfertigen Töpferwaren bei gutem Wetter vor das Haus in die Sonne. Damals gab es noch eine Anzahl Töpfer in Steinau, wenn es auch nicht mehr so viele waren wie in früherer Zeit, in der von Steinau der Spruch galt: „In Steinau sind alle Leute Töpfer, und der Bürgermeister ist ein Euler."
Das Mittagsessen hatte ich, zusammen mit Forstassessor Wieroth und einem Baubeamten Wunderlich, im Gasthause Zorn. Die „schöne Frau 3orn", wie sie damals mit Recht allgemein genannt wurde, kochte sehr gut, nur sorgte sie dafür, daß unser Körpergewicht durch die Mahlzeiten nicht allzu sehr zunahm. (Eines mittags bekamen wir drei zum Rindfleisch vier eingemachte Kirschen hingestellt- Wir schickten das Näpfchen mit den Kirschen durch die Kellnerin wieder in die Küche und ließen fragen, für wen von uns dreien die vierte Kirsche sei- Die Frage wurde in überraschender Weise beantwortet. Das Näpfchen wurde uns wiedergebracht, enthielt aber jetzt — nur 3 Kirschen! Gern habe ich mich mit der alten Frau Zorn unterhalten, der Mutter des Bierbrauers und Gasthofbesitzers Leonhard Zorn, die mir manchmal aus ihrer Jugendzeit erzählte- Damals sei, namentlich in Messezeiten, ein lebhafter Frachtverkehr auf der Straße durch das Kinzigtal zwischen Frankfurt a- M. und Leipzig gewesen. In Steinau seien die Fuhrleute meist zur Nacht geblieben und vom Sonnabendabend bis Montagmorgen habe oft eine lange Reihe Frachtwagen durch die ganze Stadt von einem Ende zum anderen gestanden.
H Der Thef der Regiments, Herzog Bernhard Erich Freund von Lachsen-tNeiningen-Hildburghausen, war der Schwager des letzten Kurfürsten von Hessen.
Die dienstlichen Verhältnisse waren sehr angenehm. Gbersteuerkontrolleur Altergott, ein Kassube aus Lappönen an der Gilge, wo sein Vater Pfarrer war, war ein sehr liebenswürdiger Vorgesetzter. Meine Dienstgeschäfte ließen mir Zeit genug, einen großen Teil seiner schriftlichen Arbeiten mit zu übernehmen, was ich um so lieber tat, als ich dadurch in meiner Ausbildung für die bevorstehende Prüfung wesentlich gefördert wurde. Frau Altergott war eine geborene Schleswig-Holsteinerin, die Tochter eines früheren dänischen „Vigilanz-Inspektors" Sachau. Das Ehepaar hatte keine Kinder und lebte sehr zurückgezogen, lud mich aber öfter zu sich ein, und ich habe manche frohe Stunde dort verlebt. Frau Altergott strebte danach, sich über die Geschichte und die frü= heren politischen Verhältnisse der Steinauer Gegend zu unterrichten- Da kamen ihr meine Kenntnisse davon sehr gelegen, und sie fragte mich gründlich aus. Ich war stolz, mit meinen damals recht geringen Kenntnissen aufwarten zu können.
Vellinger Warte bei Steinau
Nach der Wiederherstellung
Aufnahme Ullrich
Der Steuereinnehmer Gebhardt, dessen Stelle ich verwaltete, war durch einen Schlaganfall auf einer Seite gelähmt- Dr. med. Bartholmai behandelte ihn mit Elektrizität, um eine Beweglichkeit des Armes zu erreichen. Die Behandlung mochte wohl sehr schmerzhaft fein; denn der Einnehmer schrie bei dem Elektrisieren derart, daß ich es kaum mit anhören konnte. Auch die Sprache des Einnehmers hatte gelitten, und es war gerade kein Genuß für mich, daß er mich im Dienstzimmer, das von seiner Dienstwohnung abgezweigt war, häufig besuchte- Seine Ehefrau war eine sehr gute Frau- Ein Sohn war katholischer Geistlicher irgendwo im Rheinland,' der jüngere Sohn, Wilhelm, etwa 17 Jahre alt, war ohne Beruf zu Ejaufe. Er hatte schon seit einigen Jahren feinen kranken Vater in dessen Dienstge- schästen unterstützt, wußte überall Bescheid und war mir sehr nützlich, dabei ein bescheidener und angenehmer Gesellschafter. Was aus ihm geworden ist, rpeiß ich nicht. Verkehr hatte die Linnehmerfamilie, teilweise wohl wegen ihres streng katholischen Bekenntnisses.