Nr. 32/33 Unsere kfeimat
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hingen an Luch aufgetragen. Der Hrrz und Isack ist tot.
Rbenbs war ich beim Kmt-comi sar Renouarb10) zum Rbenbejfen, der in unserm alten (Quartier auf dem Steinweg beim Wagnersmännchen wohnt- Es wurde im sogenannten Saal gegessen, wo es aber elend aussieht. Die Fenster sind alt und zerbrochen, aber die Russist ist auf die herrnmühle, Kinzig, Mauerwiese, Biengartea21)- Tr sieht noch gut aus, wenn er spricht, steht er nach auswärts mit seinen glänzenden kurzen Stiefeln, hat die eine Hand in der Hosentasche, die andere in der Brust und ist recht artig. Seine Frau, die Lottche Schlemmer25), ist sehr dürr und allverrunzelt. Ihr Kind, der junge Denhard, ist 7 Iahre alt. Das kleine Wagnersmännchen mit dem Klar Kops gleicht ganz dem hölzernen München vom Tarl in Kassel- Der hrnnerrins (?) dall(?) läuft auf der Gasse herum und rasiert die Leute und sieht sehr schmutzig aus. Der hannes ist Schreiner und der Hankristofel Soldat- Die Rite traf ich im Hof beim Kehren. Der Meller in der Krone2e) hat sich auch nicht verändert, macht noch seine Figuren beim Sprechen und das „Putz die platte" hört man oft von ihm.
Der Gelhaas 2‘) sieht noch aus wie ein rechter lutherischer Praezeptor, und seine Frau wie eine kränkliche Furie. In unserm Haus wohnt jetzt der Schneider Ziofsky28). Ls ist aber verbaut und schmutzig, daß es kaum mehr zu kennen- Ls soll aber ein braver Mann sein. kluch zeigte er mir dem Ferdinand seinen Paten, ein grüner Bub. Unten sitzt noch der alte (Euler29) am Lrtzmuhlstuhl und ißt Kartoffel, ist recht gesund, auch laufen noch Katzen, dies Dilke (?) nirt (?) gewohnt sei herum. Ruf dem Hof ist der Gewürzbirnbaum umgehauen und ein neuer Stall hingebaut worden. Der Garten hinter der Scheuer ist noch so-
Gestern war ich beim Kaufmann Bus30) zum Essen eingeladen. Ls ist eine der ordentlichsten Familien hier. Sie ist eine Pflegetochter von Zinkan. Er erzählte mir, Zinkan sey von den Franzosen ganz ausgeplündert worden, wäre in seiner grauen Kappe und kurzem Kamisol zu ihm gekommen, weil ihm alles genommen war- Da habe er ihm eine Flasche Branntwein gegeben. Unterwegs sei sie ihm aber zerbrochen, ist aber nicht wieder zu ihm hingegangen und hat um eine 2 te gebeten. Dann hat ihn Bus gefragt, warum er sich denn keine andere geholt. Da sagte er: ich hab ja vorher auch keine gehabt.
pr. Bus hat mir sein Reitpferb gelriht und Wilhelm und ich sind nach Birftein geritten- Der Weg geht am Entebusch vorbei über Marbel Runsbel etc. über Berge und Eichwälder. In 2 Stunden kamen wir an. Sie waren darüber in Freude und artig. Die Rite gefällt im Rnfang gar nicht. Über sie ist eine rechte gute Frau. Wir wollten den nem= lichen Tag wieder fort, aber sie ließen uns nicht und wir mußten 3 Tag aushalten. Die Rite hat mir gleich Kernerbsen und Kartoffel gekocht und im Wegreiten hab' ich ihr versprechen müssen, bald wieder zu kommen, wo sie mir ein Zimmer einrichten wollte, wo ich ungestört zeichnen und leben sollte, wie es mir gefiel. Die Tochter ist angenehm und gescheit und 21 Iahre alt- Ihr Mann ist voriges
Iahr gestorben. Sie hat mir alle Gegenden in der größten Hitze gezeigt- Dann hat sie mir wenigstens 20 mal gesagt und wiederholt, Luch zu schreiben doch mit der Lotte diesen Herbst nach Birftein zu kommen. Der Rite kaut noch Schinken, auch ist es ihm sauer angenommen, mit mir immer deutsch zu sprechen, und alle Minute kam doch ein Französisch Wort- Da hab ich ihm gesagt, in Lasset müßte er jedesmal einen Groschen in die Büchse geben, wenn er eins sagte. Das gefiel seiner Frau und Tochter, die auch das Französische nicht leiden können. Uebrigens werden aber Poppelmanns31) überall und von jedermann ganz außerordentlich! gerühmt und geehrt. Dann hab' ich von den vielen Vettern und Basen Abschied genommen und aufs Pferd um 4 Uhr, wo wir um hr auf 6 in Steinau wieder ankamen.
(Schluß folgt)
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Anmerkungen
') 3ob. Werner Henschel, Bildhauer, geb. zu Kassel 14. Februar 1782, gest. 15. August 1850 in Rom.
h ®. $. Steinmüller, Leutnant bei den Gardegrenadieren.
3) Karl Heinrich Arnold, (1793-1874), Sofyn des Tapeten- fabrikanten in Kassel, Vater des Berliner Hofmalers Karl Iah. Arnold und Freund von Adolf Wenzel.
4) Senator und Bürgermeister Gottfried Scharf(l782—l855), den Ludwig Grimm am 8. (Oktober 1815 in Frankfurt zeichnete.
5) Clemens Brentano, der Schwager des Pros. v. Savignp, des Lehrers der Brüder Grimm. Diese hatten Brentano schon während ihrer Studentenzeit in Warburg im Hause Savignps kennen gelernt. 1807 wird Ludwig Grimm Brentano bei dessen Besuch in Kassel kennengelernt haben, wo eine Schwester Brentanos an den Hofbankier Iordis verheiratet war.
ü) Joh. Gerh. Ehr. Thomas, geb. 2. Februar 1785 in Frankfurt a. W., seit 1807 Advokat, gest, als Bürgermeister seiner Vaterstadt am 1. November 1838.
I Leop. H. Stein, 1782 — 1836, hatte mit seinem Bruder Joh. M. (gest. 1839) ein Pelzgeschäft in Nüsselsheim. Er war ein Vetter des Senators Scharf und stammte aus Kassel, wo die Brüder Grimm mit ihm verkehrt hatten. 1814 hatte Jakob auf der Reife ins Große Hauptquartier nach Paris ihn besucht, vgl. Briefwechsel zwischen Jakob und Wilhelm Grimm aus der Jugendzeit, hrsg. von H. Grimm und G. Hinrichs (Weimar '1881) S. 212 ff. Alle drei, Thomas, Scharf und Stein, hat Ludwig Grimm am 8. Vktober 1815 zusammen gezeichnet, vgl. Ludwig Emil Grimm. Erinnerungen aus meinem Leben, hrsg. von Adolf Stoll (Lpz. 1911) S. 209, Anm. 1.
8) vgl. dazu Stoll aa®. S. 558.
9) W ilhelm Theodor Denhard, der beste Freund der Brüder Grimm aus der Steinauer seit, war 1788 als Sohn des 1805 gest. Fronschreibers D. zu Steinau und seiner 1813 gest. Ehefrau geb. Kampf geboren. Ein älterer Bruder Jakob Friedrich Denhard starb am 24. Nov. 1813 am Nervenfieber. Außerdem waren noch 1 Bruder Georg nud 2 Schwestern vorhanden: Wilhelmine Karoline (geb. 1786) und Sofie Waria. vgl. „Volk und Scholle" 8. Jahrg. (1930), Heft 10, S. 310 und Heft 11 S. 345.
I0) Amtskommissar Renouarb, der in Grimms ehemaligem Quartier am Steinweg wohnte. (Ein Georg Heinrich Renouarb, ein Jugendfreund der Brüder und Mitkonfirmand Jakobs, trägt sich am 27. Dkt. 1804 als Leutnant bei dem Hessischen Regiment Prinz Karl in Wilhelms Stammbuch ein und machte 1814 den hessischen Feldzug als Hauptmann mit. Er behandelte denselben in einer Schrift und machte sich dadurch dem Kurfürsten mißliebig.)
") Töpfermeister Johannes Heid, der das langjährige Dienstmädchen der Familie Grimm, die „Warie", geheiratet hatte, die am 21. Januar 1815 gestorben war. Ueber sie berichtet Ludwig Grimm in seinen „Lebenserinnerungen" (Stoll aa®. S. 559): „Der Hannes gegenüber sitzt an der Scheibe und macht Töpfe, sieht mager aus und hat mir viel von der Marie erzählen müssen. Er sagt, vor ihrem Ende hätte sie noch immer von uns gesprochen und so gern die Lotte und uns gesehen! Lebte sie noch, so hätten wir sie