Nr. 32 33 AA»SS»OSSAsSSA»»»»AA»S»S Unsere
Wie lange ist das Kloster schon ausgehoben? Wieviel Besoldung haben Sie und woher bekommen Sie solche? Auf die Antwort des Rektors, daß der Gehalt zu seinem Lebensunterhalt nicht zureiche, er sich daher durch Erziehung junger Leute noch etwas zu verdienen suche, erkundigte sich der Kaiser nach der klnzahl seiner Zöglinge, nach den Lehrgegen- ständen und nach der Zahl der Lehrer- Ist das Volk mit dem Fürsten zufrieden? fuhr der Kaiser fort- Antwort: Das Volk wünscht allgemein den Frieden. Naxolean: Gut, aber ich frage, ob das Volk den jetzigen oder den vorigen Fürsten lieber wünscht? Rektor: Sire, ich rede mit Freimütigkeit, die allgemeine Stimmung ist für den vorigen Fürsten. Napoleon: (Mit Verwunderung sich zu dem Großstallmeister wendend) hat das Volk etwa mehr Abgaben? — Jetzt fragte der Kaiser nach der Stärke der den Morgen durchpassierten Kofacken,. nach dem Inhalt der neusten Zeitungen, namentlich 'den Marsch der Baiern betreffend und nach der Zeit, wann die letzten französischen Truppen von Schlüchtern aufgebrochen wären. Er entließ den Rektor und befahl, daß der Postmeister zu ihm gebracht werden solle-
Der expedierende Postmeister3), der dem Anbringen nicht länger zu widerstehen vermochte, hatte sich bereits am 27 ten nach Ramholz expedirt- hier suchte er [sie] im väterlichen Hause Ruhe und Erholung von den Strapazen der letzten Tage- Es erschien nun der andere Postmeister [der hessische Postmeister Albrecht Zipfj. Die Frage wegen der Ankunft des letzten Kourirs konnte er nicht befriedigend beantworten. vor allem mußte er über die Strafte nach Gelnhausen, über ihren Zustand u- s. w. Auskunft geben. Am 29. Oktober frühe zwischen 7 und 7FZ Uhr verließ der Kaiser Schlüchtern."
vor ihrem klufbruch hatten französische Offiziere dem Rektor Hasselmann den Rat gegeben, seine Wertgegenstände gut zu verstecken, weil bei der Arriere= garde sNachhutj die Ordnung nicht so gut gehalten werden könnte. Hasselmann begab fid} deshalb noch denselben vormittag nach Ramholz, wo er sich sicherer wähnte als in Schlüchtern, fiel aber dort Kosaken in die Hände, die ihn um seine goldne Taschenuhr erleichterten. Beinahe wäre in diesen Tagen das Kloster in Schlüchtern in Flammen aufgegangen. Im Auditorium des Gymnasiums, das als Lazarett diente, brach Feuer aus, sodaß die meisten der in ihm liegenden kranken und verwundeten Soldaten elend erstickten. Nur mit Mühe konnte der Brand, der bereits die in der Mitte des Auditoriums stehende hölzerne Säule und die Zimmerdecke ergriffen hatte, noch gelöscht werden, ehe ein größerer Schaden entstanden war.
Immerhin war es eine Folge dieses Brandes, daß das Auditorium und die über ihm liegenden Klassenzimmer des Gymnasiums eine Zeit lang nicht für die Schulzwecke benutzt werden konnten, und daß der Unterricht deshalb vorübergehend in die beiden
3) Das Amt des Thurn- und Taxisschen Postmeisters in Schlüchtern wurde in jener Zeit von der Witwe des bereits im Jahre 1811 verstorbenen Postmeisters Friedrich August Köhler, der Frau Postmeister Luise Köhler geb. ksildenbrand, verwaltet. Sie war es, die sich damals in ihr Elternhaus zu Ramholz geflüchtet hatte.
freimat eeeeeeeeeseeeeeeeeeeeeee Seite 253 großen Zimmer des sogen- Stipendiatenhauses verlegt werden mußte.
Daß Rektor hasselmann dem Kaiser Napoleon gegenüber nicht mit Unrecht über seine zumal für die damalige Teuerung allzu geringe Besoldung hatte Klage führen können, zeigt die Klosterrechnung für das Iahr 1813, aus der die einzelnen Posten, aus denen sich sein jährliches Amtseinkommen zusammen- setzte, hier aufgesährt werden mögen-
Nach dieser Rechnung standen dem Rektor im Iahre 1813 zu: Ein bares Gehalt von 20772 Gulden und freie Wohnung im Schlüchterner Kloftergebäube- Dazu an Naturalien, die ihm durch den Klofterkeller jährlich zu liefern waren: 10 Malter Korn, 2 Malter Weizen, 4 Maß Gerste, 4 Maß Erbsen, 4 Maß 3 Malter Hafer, 1 Maller 4 Maß Heidekorn (Buchweizen), 45 Pfund Butter und 12 Klafter Brennholz.
Da der Konrektor Wörishofer im Iahre 1813 dem Lazarettfieber ^), das damals in Schlüchtern zahlreiche Opfer forderte, erlegen war, mußte sich Rektor Hasselmann, wie er selbst mitteilt, der Aufgabe unterziehen, mit großen Anstrengungen drei Klaffen allein zu leiten, bis er endlich in der Person des akademisch gebildeten Lehrers Friedrich Heinrich Treß einen Tollaborator erhielt, der ihm den Unterricht in der Tertia ab nehmen konnte.
Der bereits seit dem Iahre 1796 am Gymnasium als Lehrer tätige Kantor Softannes Söckel behielt den Unterricht in der Ouarta bei.
Das Lehrer-Kollegium des Gymnasiums war somit wieder vollzählig.
Dieser Kantor Sockel war das Musterbild eines Schulmeisters der alten Art, dem es nicht gegeben war, sich den neuen Verhältnissen, die der gewaltige Befreiungskampf in Deutschland auch für den Unterrichtsbetrieb im Schlüchterner Gymnasium mit sich gebracht hatte, noch hinreichend anzupassen. Mit einer gewissen, an Starrsinn grenzenden Hartnäckigkeit setzte er sich jeder Neuerung entgegen, ängstlich nur darauf bedacht, daß am kllthergebrachten nicht gerüttelt und im besondern auch, ihm selbst in seiner Eigenschaft als Kantor der von ihm beanspruchte Respekt von feiten aller Schüler nicht versagt wurde- Welche Verdrießlichkeiten und welche Mühe er dadurch dem in seinem Wesen so ganz anders gearteten freiheitlich- denkenden Rektor Hasselmann bereitete, wird aus dem Folgenden, in dem einiges nach den Personal- Akten des Kantors vorgebracht werden soll, zur Genüge hervorgehen:
Bereits im Iahre 1810 hatte sich Kantor Sockel in einer Eingabe an das Konsistorium zu Hanau darüber beschwert, daß er den üblichen Gesang in der Kirche und besonders auch bei den Beerdigungen nicht genügend zur Ausführung bringen könne, weil er dabei von den Schülern des Gymnasiums allzusehr im Stiche gelassen werde. Er hatte deshalb um einen Erlaß gebeten, durch den alle Schüler des Gymnasiums zur Teilnahme an diesen Gesängen verpflichtet werden sollten, aber von der Regierung den Bescheid erhalten, daß „sothanes Gesuch kein Statt finden könne, daß aber Herr Rektor hasselmann dafür sorgen werde, daß sowohl die Klasse des Kantors [Quarta], als auch die des Stadtschulmeisters Kleebe [die Quinta]
*) Es wird sich hierbei wohl um Flecktyphus gehandelt haben.