Nr. 32/33 Unsere Heimat ^^^^^^^^ ^^^^^^^^^^^^^^^^ Seite 251
In der Nhön gab es einstmals viele Musikanten, darunter mehrere israelitischen Glaubens, von denen die aus Uttrichshausen stammende Familie Katz bekannt ist, deren Nachkommen in Flieden, vollmerz und sonstwo in aller Welt zerstreut leben.
Vor Iahrzehnten waren auch in Schlächtern einige sehr musikalische Familien zu Hause, wie Feuerstein, Bauer, Freund, Beck und Hafner; auch der durch seinen treffenden Mutterwitz in (Erinnerung lebende Michael Nothschild muß dabei genannt werden.
Allgemein, durch ihre Konzertreisen bekannt war auch um die Mitte der 50er Iahre des verflossenen Iahrhunderts die vielköpfige Familie Müller aus Neustall; sie wanderte späterhin nach Amerika aus.
Von dem zur Seit der Brüder Grimm in Steinau lebenden Praezeptor Zinkhan vom Vrasenberg sollen noch einige schöne Vertonungen überliefert sein. Ludwig Emil Grimm erzählt in seinen Erinnerungen, daß unser Landsmann ein tüchtiger Musiker gewesen sei..
Das alte Gymnasium zu Schlächtern Qnellenftücke und Berichte aus seiner Geschichte Lauer, Schlllchtern
von Med.-Nat Dr.
V. D i e KIosterschule des Abts Lotichius ein Gymnasium. (Fortsetzung)
m Iahre 1806 brach der Krieg Napoleons gegen Preußen aus. Obwohl Kurfürst Wilhelm I. von Hessen vorsorglich sein Land als neutral erklärt
hatte, rückten schon im März des Iahres französische Truppen in Hanau ein- Der südliche Teil Kurhessens mit Schlüchtern wurde im Lauf der Ereignisse zunächst eine französische Provinz, später (1810) ein Teil des Großherzogtums Frankfurt, ohne daß das Gymnasium zu Schlüchtern dadurch in seiner Verfassung und in seinem Lehrbetrieb eine wesentliche Aenderung erfuhr.
Freilich an vorübergehenden Störungen des Schul- betriebs in ihm mag es damals nicht gemangelt haben, denn Schlüchtern war ja Ttappenplatz an einer der wichtigsten Heerstraßen, die den Franzosen in jener Seit nach dem Osten zu zur Verfügung standen. Blieb Mitteldeutschland auch in den Iahren 1808—1812 innerhalb seiner Grenzen von ernsteren kriegerischen Aktionen verschont, so gab es in Schlüch- tern, wo der Strom der auf der Landstraße hin und her marschierenden feindlichen Heeresteile nicht ab- brach, doch der einen regelrechten Schulbetrieb störenden Vorkommnisse genug. So breitete sich z. B., um nur eins von ihnen, das schon Pfarrer Freund früher einmal in diesen Blättern erzählt hat, zu erwähnen, an einem Sommertag des Iahrs 1809 in Schlüchtern das Gerücht aus, der Herzog von Braunschweig mit seinen schwarzen Husaren sei in feinem Anmarsch auf Schlüchtern bereits bis Fulda gekommen und bedrohe das Städtchen mit feinem Einfall. Vektor hasselmann schloß sofort das Gymnasium und schickte seine auswärtigen Schüler in ihre Heimat. Doch das Gerücht war falsch, und der Herzog blieb aus. Dem etwas voreilig gewesenen Rektor blieb nichts anderes übrig, als seine Schüler auf eigne Kosten durch Expreßboten wieder zurückrufen zu lassen. Noch lange hat sich Rektor hasselmann wegen seiner Leichtgläubigkeit bei dieser Angelegenheit von der Schlüchterner Bürgerschaft foppen lassen müssen.
Daß im übrigen aber der Schulbetrieb im Schlüchterner Gymnasium trotz aller Störungen, denen er während der Kriegsjahre ausgesetzt gewesen sein mag, doch im allgemeinen seinen ordnungsmäßigen Fortgang gehabt hat, beweisen nicht nur die verhältnismäßig hohen Zahlen der in ihnen alljährlich neu
aufgenommenen Schüler, sondern auch die Examina, die nach den Einträgen des Rektors im Schulalbum bis zum Iahre 1812 am Schlüsse eines jeden Schul- semesters der Gewohnheit gemäß im Gymnasium haben ab gehalten werden können. Nur der Schauplatz für die öffentlichen Schulfeiern, die regelmäßig am Ende eines jeden Schulsemesters im sogenannten Auditorium abgehalten zu werden pflegten, mußte in dieser Zeit gewechselt werden, weil dieser Raum ebenso wie die Klosterkirche in der Kriegszeit (1807—1813) einem im Klostergebäude eingerichteten Ttappen-La- zarett zu dienen hatte.
Ein gewisses Bild vom Schulleben im Schlüchterner Gymnasium in jener Kriegszeit geben uns die Einträge des Rektors Hasselmann in das Schüler-Album. In ihnen heißt es, aus dem Lateinischen, in dem alle Einträge bewirkt sind, ins Deutsche übersetzt:
„1 8 0 7. Im Frühjahr am 23. März ist das Frühjahrsexamen in den einzelnen Schulklassen abgehalten worden. Eine öffentliche Schulfeier und eine mit ihr verbundene Verteilung von Prämien Hat wegen der Ungunst der Seit und der räumlichen Beschränkung dieses Mal nicht stattgesunden. Auch für Versetzungen jvon Schülernj hat mit Ausnahme von einigen aus der (Quarta in die Tertia, keine Veranlassung vorgelegen. Am 31. August 1807 ist das Herbstexamen vor fictp gegangen und mit Gottes hülfe glücklich durchgeführt worden. Mit Prämien wurden ausgezeichnet in der prima ,der Sekunda und der Tertia je 2 Schüler."
Leider ist in dem Album des Gymnasiums das nun folgende Blatt herausgeschnitten; sodaß die Ein- zeichnungen für das Iahr 1808 und das Frühjahr 1809 fehlen und die nächste Tinzeichnung des Rektors erst das am 4. Sept. 1809 abgehaltene Herbstexamen betrifft. Auf Grund von ihnen konnten in prima 1 Schüler zur Universität entlassen, aus der Sekunda 3 Schüler in die Prima, aus der Tertia 2 Schüler in die Sekunda und aus der (Quarta 4 Schüler in die Tertia versetzt werden. Im Iahre 1810 fand das Frühjahrsexamen am 13. April wiederum in den einzelnen Klaffen statt- versetzt wurden aus der Sekunda jn die prima 1 Schüler, aus der (Quarta in die Tertia 2 Schüler.
Das Herbstexamen dieses Iahrs spielte sich am 3. September ab. Versetzt wurden dabei 1 Schüler in die prima und 5 in die Sekunda. Im Frühjahrsexamen des Iahrs 1811, das am 5. April stattfand,