Seite 240 989999999999999999999999 Unsere Heimat 66€66€€e6eeee€€e66€e€@€€ Nr. 30/31
Sonntag oder wochenend?
Liegt denn soviel an einem Wort? Ein harmloses Wort ist aus dem Westen in die deutsche Sprache eingewandert, gutgläubig gewährt sie ihm Bürger- recht- Eine presse wiederholt es und wiederholt es, bis es den Lesern so geläufig, so selbstverständlich geworden ist, daß sie gar nichts Anderes mehr wissen als dies: die Spanne der Zeit vom Sonnabenbmittag bis Montagmorgen heißt: Wochenend- Gab es nicht einst dazwischen einen Tag, der Sonntag hieß? Daß die Woche zu Ende ist, was sagt das? Nun baut das herz Brücken, nun erwartet es das Kommende, das Köstliche, den Sonntag. Will man den Sonntag ausschalten aus unserem Leben?
Aber ein harmloses Wort! Wer wollte das so wichtig nehmen!
Eine Presse wiederholt es und wiederholt es, bis der Leser vergißt, daß unsre Sprache einmal Feierkleider besaß, bis er vergißt, daß es ein Feierkleid der Seele gab, einen: Sonntag.
kAuS der „Torskirche") ^ticrcRa Wittmüß
Erinnerungen an meine Progymnafinheit in Schlächtern
besonders an das von Pfarrer i. R.
II.
ald nach Wiederbeginn des Schulunterrichts sollte dann die Ruhe der Schule, wie die unseres Kreisstädtchens, ja ganz Deutschlands, jäh unterbrochen werden. Für die meisten in Deutschland unerwartet, war die Spannung zwischen Deutschland und Frankreich im Laufe des Frühjahres von 1870 so groß geworden, daß es am 19. Juli seitens Frankreichs zur Kriegserklärung kam. .Mir, der ich als neunjähriges Kind weder eine Zeitung las, noch von Politik etwas wußte, kam trotzdem dieser Krieg gar nicht überraschend. Ich glaubte sein Kommen vorausgewußt zu haben. Im Winter 1869/70 hatte in unserm Dorf eine Zigeunerbande ein Hanskasperletheater vorgeführt, dem auch ich hatte beiwohnen dürfen. Napoleon III-, der Kaiser von Frankreich, hatte in dem gebotenen Stücke, das auf mich, da ich so etwas noch nicht gesehen hatte, einen tiefen Eindruck machte, eine Hauptrolle gespielt. Den Inhalt des Stücks weiß ich nicht mehr. Allein, die bei dieser Gelegenheit erfolgte Voraussage eines Kriegs zwischen Deutschland und Frankreich hatte sich mir tief eingeprägt und wurde von mir als unumstößliche Tatsache geglaubt. Nun, wo die Kriegserklärung wirklich erfolgt war, war, so meinte ich, die Voraussage in Erfüllung gegangen.
In der sonst so ruhigen Stadt herrschte eine unbeschreibliche Aufregung und Begeisterung. Die wildesten Gerüchte durchschwirrten sie und wurden vielfach geglaubt. Die einen wußten zu melden, daß in Frankfurt schon angeschrieben sei, mit wieviel französischen Soldaten es belegt werden solle und was es an Geld und sonstigen Lieferungen an den Feind zu leisten habe. Anbere erzählten sich gar, Frankfurt sei schon besetzt und der Feind im Anmarsch durch das Kim zigtal nach Gelnhausen und auch auf Schlächtern zu.
Die Einziehung der gedienten Soldaten bis zum 32. Iahre erfolgte bald. Der 22. Iuli war, wenn ich nicht irre, der Tag, an welchem die aus Schlüch-
Von der Mutter?
Besser einen reichen Vater verlieren als eine sparsame Mutter.
Der Mutter Fluch geht nicht aus dem Herzen-
*
Der Mutter Rute ist besser als der Stiefmutter Rosinen.
*
Die Mutter gibt, die Stiefmutter fragt: „Wollt ihr, Kinder?"
*
Eine Mutter ist unsres Herrgotts Kindermagd.
Ein alter Mann im Hause, ist ein Schrecken im Hause- eine alte Frau im Hause, ist eine Perle im Hause-
*
Eine blinde Mutter sieht ihr eigenes Antlih in dem ihres Sohnes-
Kriegsjahr 1&70/71
R. Becker, Kassel
lern und seiner Umgegend Einberufenen sich in Fuldu zu stellen hatten. Wenn auch von den Dörfern viele mit Leiterwagen direkt nach Fulda fuhren, so benutzten doch die meisten Beorderten die erst im Iahre 1868 eröffnete Eisenbahn. Eltern, Geschwister, Verwandte und Bekannte gaben den Bbreisenden bis zum Bahnhöfe das Geleite, und daß, von uns Jungen keiner bei diesem Zug zum Bahnhöfe fehlte, war selbstverständlich. Schon bis zum äußersten besetzt, kam der Eisenbahnzug mit Verspätung von Steinau her an, und nur mit großer Mühe konnten die neu Sukommenden sich noch Raum schaffen. Die Trittbretter wie die Dächer der Eisenbahnwagen waren und wurden besetzt. Unter dem Weinen vieler Ungehörigen der Eingezogenen, unter Hurrarufen und Abfingen von vaterländischen Liedern verließ der Zug mit neuer Verspätung den Bahnhof. Aus der nächsten Nachbarschaft meines großväterlichen Hauses mußten Abam Fehl, der Bruder meines Klassenkameraden, und Abam Schäfer, die beide einjährig gedient hatten, und der Buchbindermeister Lotz, der Bruder des Seminarleh- lehrers, mit ins Feld rücken.
Gleich in den ersten Tagen nach der Kriegserklärung fand auch auf einer an der Breitenbacher Straße gelegenen Wiese, natürlich auch wieder unter Anwe= senheit der Iugend, die Musterung des Pferdebestandes von Schlüchtern und Umgegend und der Ankauf der zum Kriegsdienste brauchbaren Pferde statt. Erinnerlich ist mir noch, wie der Bierbrauer Thaler um Erhaltung eines besonders schönen Gespannes kämpfte und auch sein Ziel erreichte, und wie dem alten ehrwürdigen katholischen Pfarrer von Ulmbach gestattet wurde, daß er sein gleichfalls altes Pferdchen, auf welchem er reitend angekommen war und dem man die Felddienstuntüchtigkeit ohne weiteres ansah, ohne absteigen zu müssen, präsentieren durfte. Die für das Heer angekauften Tiere wurden dann noch an demselben Nachmittage in den Schmieden der Stabtr so auch in der auf der andern Seite von uns an der