Seite 238 AAAAGAKIKAAAKAAAAKAIEHHH Unsere Heimat HHDHHHHHtzHHHtzHHHHHHHHHHH Nr. 30/31
Antritt seiner Reife im Juli in Hersfeld gewesen sein und dort das Bild entworfen haben.
Don Steinau aus reiste Ludwig Grimm Anfang September 1815 über Gelnhausen und Hanau nach Frankfurt zur Familie Stein zurück, wo er mit seinem Bruder Wilhelm zusammentraf. hier endigen die Aufzeichnungen („Da der Wilhelm jetzt hier ist, so ists genug mit dem Schreiben"). Dieser war bereits am 2. September in Frankfurt angekommen, um einer Einladung Savignps folgend mit ihm und Ludwig Grimm eine Nheinreise zu machen. Sur selben Seit weilte auch Goethe vom 12. August bis zum 17. September in Frankfurt, und Ludwig sollte durch Wilhelm Grimm ihm vorgestellt werden, weil man hoffte, daß er durch ihn gute Beziehungen anknüpfen könnte. Aber am Sonntag den 3. September ist Ludwig Grimm noch nicht in Frankfurt eingetroffen, und Wilhelm schreibt deshalb etwas besorgt an Jakob: „Nur der Louis macht mir Besorgnis, er ist noch nicht hier und hat auch nichts geschrieben, ich habe also gleich den Venhard um Nachricht gebeten; ich hoffe indes noch immer, daß es bloß seine Nachlässigkeit im Schreiben ist und er mehr zu zeichnen gefunden, als er anfangs gedacht."G). Den Tag seiner Abreise von Steinau hat Ludwig Grimm in seinem Brief an die Geschwister nicht angegeben. Jn dem Brief an Ferdinand heißt es nur: „Endlich aber mußte ich doch von der herrlichen Gegend Abschied nehmen. Den Tag meiner Abreise bin ich noch morgens in aller Frühe in den lieben Viengarten gegangen und setzte mich auf der lieben Mutter ihr Plätzchen. Nachts einhalb zwölf bin ich weggefahren, und wie ich durch den Steinweg fuhr, sah ich noch die Lies mit der Laterne aus dem Haus kommen, um mir Adieu zu sagen. Jn der ersten Dämmerung kam ich in Gelnhausen an und sah die schöne Nirche und den Barbarossa-Palast in unkenntlichen Massen daliegen und abends sieben Uhr') kam ich wieder in Frankfurt bei Stein an." Da der Brief Wilhelms an Jakob am Sonntag Mittag den 3. September geschrieben worden ist, kann Ludwig demnach frühestens Sonntag Abend oder Montag den 4. September mittags oder, da die Fahrt von Steinau nach Frankfurt nach Ludwig Grimms Angaben 17 Stunden dauerte (Stoll aa©. S. 555) Montag abends 7 Uhr in Frankfurt eingetroffen sein. Jedenfalls muß er am Dienstag den 5. September schon dort gewesen sein, denn an diesem Tage lernte er nach Goethes Tagebüchern in dem Hause der Familie von Guaita Goethe kennen und legte ihm die Zeichnungen vor, die er in hers- feld und Steinau angefertigt hatte. Es waren dies die schon erwähnte Amalie Burchardi aus Hersfeld, Töpfer hannes heid aus Steinau (Stoll S. 611, Nr. 92), das Preußje von Schlüchtern (ebö. Nr. 95), und, wie sich aus dem Brief Ludwig Grimms aus Steinau vom 6. August 1815 ergibt, ein Porträt der Tochter des Kaufmanns Bus („ein hübsch Mädchen"),
6) Briefwechsel aus der Jugendzeit (hrsg. v. h. Grimm und G. hinrichs) Weimar 1881, S. 468.
7) Dagegen heißt es in dem Brief an die Geschwister: „So bin ich denn durch Hanau in Frankfurt bei großer Hitze um 12 Uhr mittags angekommen." Ebenso heißt es in dem Brief an Ferdinand (Stoll aa®. 555), daß er am Sonnabend in Steinau angekommen sei, während er nach dem ersten Brief am Freitag ankam.
des jungen Präzeptors Breibenftein, sowie ein Land- schastsbild des Hundsrücks und des Steinebachs am alten Ladeplatz. Wie aus einem Brief Jakobs, der Mitte September auf seiner zweiten Reife ins große Hauptquartier in Frankfurt eintraf, aber seine Brüder nicht mehr antras, hervorgeht, müssen es noch mehr Zeichnungen gewesen sein. Denn Jakob schreibt am 13. September aus Mainz: 8): „Jn Wilhelms Bett bei Thomas Hab' ich vorige Nacht geschlafen und die Steinauer Bilder betrachtet, die mich recht freuten, es sind ihrer aber wohl noch mehr? Denn hier fehlt vieles, was der Louis gewiß gemacht hat, z. B. das Amtshaus, und der Mutter letztes Haus, sowie das Wagnerische."
Ueber die Beurteilung der Skizzen durch Goethe berichtet Ludwig Grimm in seinen Lebenserinnerungen-').
Ludwig Grimm ist fast fünf Wochen in Steinau zu Besuch gewesen. Welcher Liebe und Hochschätzung alles, was Grimm hieß, dort bei der Bevölkerung genoß, zeigt die überaus liebevolle Aufnahme, die Ludwig hier fand. Er hat zeit seines Lebens der Stei= nauer Gegend ein dankbares und treues Andenken bewahrt und die Anhänglichkeit an feine alte Heimat am besten dadurch bewiesen, daß er Pfingsten 1832 seine Hochzeitsreise mit seiner jungen Frau nach Steinau machte und daß aus den vorgesehenen drei Tagen schließlich volle vierzehn Tage wurden. Er wohnte dort mit seiner Frau bei dem Pfarrer D r. Dömel in dem alten Pfarrhaus, wo der Vater geboren war und sein Großvater über 30 Jahre gewirkt hatte. Dankbar schreibt er am 4. Juni 1834 über diesen Besuch : „Ich glaube, es vergeht kein Pfingstfest, wo ich nicht an Steinau erinnert werde und mir alles wieder vergegenwärtige"10) und in seinen „Lebenserinnerun- gen" n): „ich habe den ganzen Ninziggrund gar lieb, und ich kenne keinen ©rt, wo es mir so märchenhaft, so romantisch, so behaglich vorkommt wie in dieser Gegend!"
Steinau und Kassel, die Zeit der frühen Kindheit und reifen Mannesjahre, bilden den eigentlichen Mittelpunkt des heimatlichen Denkens und Fühlens der Brüder Grimm, insbesondere auch des Malers und Radierers Ludwig Grimm. Wie es kein Zufall ist, daß die schönsten heimischen Kindermärchen gerade aus diesen Gegenden stammen, so sind die besten und schönsten Arbeiten Ludwig Grimms in Steinau und Kassel entstanden. Es waren die fruchtbarsten und glücklichsten Jahre seines Lebens.
(Fortsetzung folgt)
8) Briefwechsel aus der Jugendzeit, aa®. S. 469. h Stoll aa®. S. 210 ff.
I0) „Unsere Heimat" 22. Jahrg. Nr. 21/24, S. 181. “) Stoll aa®. S. 469.
Stoffel hackte mit dem Beile. Dabei tat er sich sehr wehe, denn er traf in aller Eile ganz genau die große Zehe.
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Ohne jedes Schmerzgewimmer, nur mit Nuh' mit einer festen, sprach er: Ja, ich sag' es immer, nebenzu trifft man am besten.
W. Busch