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Seite 250 SKSSKAASSAASSAASAAGSSSSS Unsere Heimat 6e€€66€e6@€e€€€e6€666€6€ Nr. 30/31

Das alte Gymnasium Zu Schlächtern

Guellenstücke und Berichte aus seiner Geschichte

Don Med.-Uat Dr.

V. D i e Klosterschule des Kbts Lotichius ein Gymnasium. (Fortsetzung)

n Stelle des verstorbenen Rektors Hadermann wurde am 9. Juni 1785 der bereits 57 Jahre alte Konrehtor Johann Daniel Kreß durch das

Konsistorium in Hanau zum Rehtor des Gymnasiums zu Schlächtern ernannt.

Er war der Lohn des gewesenen Klosterkellers Wilhelm Marius Kreß zu Schlächtern und hatte bereits seit dem Jahre 1760 die Schlächterner Ksnrek- torstelle inne gehabt, sodaß er mit den Verhält­nissen des kleinen Landstädtchens und seines alten Gymnasiums wohl vertraut war.

Gleich nach seiner Ernennung zum Leiter des Schlächterner Gymnasiums hat er mit eignet Hand dem Schulalbum den, wie es sich für einen Rehtor der damaligen Seit noch geziemte, jn lateinischer Sprache abgesagten Eintrag einverleibt, der uns heute noch von dieser für ihn so bedeutungsvollen Ernen­nung die erwünschte Kunde gibt. Da dieser Eintrag nebenbei ein gewisses Licht auf die Persönlichkeit des neuen Rehtors wirft, möge er hier in Uebersetzung wörtlich wiedergegeben werden. Er lautet: „Kraft der allergnädigsten Verfügung des durchlauchtigsten Erb­prinzen, des Landgrafen von Hessen, unseres gnädig­sten Herrn, gegeben zu Wilhelmsbad nahe bei Hanau am 9. Juni 1785, bin ich, der ich schon seit dem Jahre 1760 Konrektor dieses hochberühmten Gymnasiums zu Lchlüchtern gewesen bin, zum Rehtor (desselben) ausersehen, ernannt und eingesetzt worden und an dieses hohe kirnt bei verkürztem und gemindertem Gehalt, hingegen durch das Hinzukommen der prima vermehrter Arbeit nach Entrichtung der reichlich be­messenen Nebengebühren, gefesselt worden. Ich bete zum allmächtigen Gott durch unsern Herrn Jesus Christus und bitte ihn täglich mit gebeugten Knien, daß er mir und den Meinigen, sowie den meinem Unterrichte Anoertrauten mit seinem väterlichen Legen beistehe, damit dieses Gymnasium zur Ehre seines heiligen Namens und zum Nutzen für die Wissenschaf­ten nach Vernichtung aller bösen Absichten und Ma­chenschaften der Neider und Nebelgesinnten fortdau­ernd bestehen — blühen möge."

Doch statt der so innig erbetenen Blüte des Gym­nasiums waren es mancherlei Aerger und Sorgen, die Rehtor Kreß in der nun folgenden Seit beschieden waren. Blieben zunächst auch die Zahlen der jährlich neu ausgenommenen Schüler noch nicht wesentlich gegen die früheren zurück, so verringerte sich doch die Unzahl der Schüler in den höheren Klassen und im besonderen auch die der Primaner, die das Ziel der Schule erreichten, so sehr, daß oft jahrelang überhaupt kein Schüler dieser Art mehr zur Entlas­sung kommen konnte. Umso schmerzlicher mag es daher für den Rehtor gewesen sein, als ihm im Jahre 1786 der einzige Primaner, den er zur Uni­versität zu entlassen hatte, auch. noch mit dem pro- motionsgeld durchging, verärgert fügte er dem Ein­trag von dessen Promotion in das Album in latei­nischer Sprache den Satz an: „©bengenannter sTs

Lauer, Schlächtern

war ein aus Davos in Graubünden stammender junger Mensch namens Georg Pleschj ist in der zwischen dem 8. und 9. Juni liegenden Uacht zusam­men mit dem Lohn des Herrn Regiftrators Gerlach nach manchen teils ausgelassenen, teils boshaften Streichen, wer weiß in welcher Ubsicht, heimlich von hier entwichen, ohne mir die schuldige Gebühr für die Promotion und den für die Bibliothek festgesetzten halben Gulden bezahlt zu haben."

Im Jahre 1796 wurde das Frühjahrsexamen im Schlüchterner Gymnasium am 21. März abgehalten. 3ur Universität konnte bei dieser Gelegenheit kein Schüler entlassen werden, weil die wenigen Primaner des Gymnasiums, die im Jahr zuvor nach der Ent­lassung der Abiturienten noch übrig geblieben waren, ihr Studium vorzeitig abgebrochen hatten und zugleich mit den damaligen Abiturienten aus dem Gymnasium ausgetreten waren.

Das Jahr 1796 sollte nicht zu Ende gehen, ohne daß sich in ihm Schlächtern noch einmal eines, wenn auch nur kurzen Besuchs durch die Franzosen zu er­freuen gehabt hätte.

Der Eintrag, den Rehtor Kreß über dieses Er­eignis, wie gewohnt, in lateinischer Sprache, im AB bum des Gymnasiums hinterlassen hat, lautet ins Deutsche übertragen: „Im Jahre 1796 den 5. Sep­tember ist das Herbstexamen in gewohnter Weise abgehalten worden,' aber gegen Ende ist es durch ungezählte Massen von Feld-Geschützen und von sie begleitenden Soldaten, Reitern und Fußgängern des französischen Heers unter dem Feldherrn Jourdan, das, in Franken von den Kaiserlichen unter dem Gberfeldherrn Erzherzog Karl geschlagen und über den Haufen geworfen, von der 3ten nachmittägigen Stunde an bis zur Mitternacht in ununterbrochner Reihenfolge nach Steinau durchgezogen und von dort weiter marschiert ist, unterbrochen worden. Keine Rebe ist gehalten worden. Keine Prüfung hat statt- gefunden. Die üblichen Prämien konnten nicht ver­teilt werden, weil das zur Verteilung bestimmte Geld vom Konsistorium nicht angewiesen und vom Kloster­keller mir nicht übergeben worden ist. Dies ist seit der Gründung des Gymnasiums, oder wenn Du es lieber willst, seit der Einführung der Prämien, glaube ich, der erste Fall gewesen, daß die Verteilung der Prämien aufgeschoben, verweigert worden ist. Wegen der oben genannten Umstände habe ich tnit wenig Worten die Angelegenheit und ben Ahtus erledigt und nur die Versetzungen vom Katheder aus verkündet. Der allmächtige Gott wolle uns weiter mit seiner gött­lichen Gnade beistehen."

Während im Frühjahr 1797 noch 2 Sekundaner nach Prima, 5 Tertianer nach Sekunda und 3 Quar­taner nach Tertia versetzt werden konnten, war im Herbste dieses Jahres kein einziger Schüler für die Versetzung reif.

„Versetzungen", schreibt daher der Rehtor am 4. September 1797 in das Schulalbum ein, „haben bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge und der gegenwärtigen Verfassung des Gymnasiums keinen