Seite 218 AAKAAKAASAAAKKAAAAAAAAKS Unsere Heimat 6e@e€e6€6e€€66666€€66@ee Nr. 27/29
meinen Gheim, den Professor Iosias Hadermann*) zu Bübingen. Von den wenigen Tagen, die ich bei ihm zubrachte, verwandte ich mehrere aus einen $o= lianten, der mich ungemein anzog. Es war eine Handschrift meines Großvaters Heinrich Hadermann, der fast sein ganzes Leben Rektor am Schlüchterner Gymnasium gewesen war. Meine Tante sagte zu mir, dies Buch, hat Ihr Dheim gesagt, soll nach seinem Tode Ihnen zugestellt werden.
*) Nettester Sohn des Rektors Hadermann zu Schlüchtern und Bruder der mit dem Schlüchterner Ratsherrn Johannes Lotich verheiratet gewesenen Marie Margarete Hadermann, der Mutter der Dr. Philipp Marius Lotich aus Schlüchtern, der den letzten Teil seines Lebens zu Herolz verbracht hat.
Mein Gheim war gestorben, seine Bibliothek war zerstreut. Niemand wußte mir Auskunft zu geben. Unendlich schade ist es um das ausführliche Tagebuch meines Großvaters während des Siebenjährigen Kriegs."
Nur zu deutlich weisen diese Zeilen darauf hin, wie schmerzlich der Verlust dieses Tagebuchs für uns bewertet werden muß/ denn es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß wir durch ihn eines sehr wichtigen Duellstücks nicht nur für die Geschichte des Schlüchterner Gymnasiums, sondern auch für die Geschichte unserer Heimat für immer beraubt worden sind.
(Fortsetzung folgt)
Erinnerungen an meine Proggmnasiaizeit in Schlüchtern besonders an das Kriegsfahr 13/0/71 von Pfarrer i. R. A. Becker, Kassel
I.
ie Familie Baist, welcher meine Mutter entstammte, gehört zu den alteingesessenen der Stadt Schlüchtern. 1579 verheiratete sich ein Thristian Beist mit einer Margarete Schmelz, 1581
geschieht eines henrich Veist Erwähnung, 1604 wird ein Valentin Beist und 1623 ein Lorenz Leist genannt. verschwägert und versippt ist die Familie Baist mit den andern alten Familien, den Weitzels, den Schultheißes, den Hafners, den Bolenders, den Leipolds und andern. Die Laists, deren Wohnhäuser ehedem meistens in der Hauptstraße der Stadt, in der Dbergasse lagen, waren neben Landwirten fast immer Bäcker und hatten zuweilen, nicht immer, in Verbindung mit ihren Bäckereien Gastwirtschaften. Später hatten einige von ihnen wohl auch nur Gastwirtschaft.
Bei dem großen Durchgangsverkehr, welchen Schlüchtern bei seiner Lage an der Frankfurt-Leipziger Landstraße hatte, brachten diese Berufe, wenn nicht grade ein reichliches, so doch ein sicheres Einkommen. 1677 geschieht eines Witwers Ioh. Henrich Baist Erwähnung, dessen Sohn Nikolaus Baist, der Besitzer der wirtschaft „zum goldnen Engel", sich in diesem Iahre mit Dorothea Weitzel verheiratete und 1717 seinen Besitz an seinen mit Iustine Schultheiß verheirateten Sohn, den Engelwirt und Bäcker Nikolaus Baist weitergab. Das in der Dbergasse gelegene Gasthaus „zum goldnen Engel", das ehemalige Thalersche Wohnhaus, ist wohl als Stammhaus fast aller jetzt noch in Schlüchtern vorhandenen Laiste anzusprechen. Aus dem „Engel" stammte der Schlüchterner Metropolitan Georg Friedrich Baist, aus ihm stammte auch meiner Mutter Urgroßvater, der Bäcker Ludwig Baist, der in die Bäckerei seines Schwiegervaters Erasmus Bolenber einheiratete, und der dann sein an der Ecke der Dbergasse und Schmiedsgasse rechter Hand gelegenes Haus auf Sohn und Enkel, namens Erasmus und Michael, die beide Bäckermeister waren, weiter vererbte. In diesem Hause meines Großvaters Michael Baist wurden, wie meine Mutter erzählte, jedes Iahr in der Gster- zeit von den Bubenfrauen, den Vorschriften ihres Glaubens gemäß, die Dfterbrote, die Matzen, zugerichtet und dann von meinem Großvater gebacken. '
Den dem „goldenen Engel" gegenüber gelegenen „goldenen Stern", der in der Mitte des vorigen Iahrhunderts der vornehmste Gasthof Schlüchterns war, besaß gleichfalls ein Baist, nach dessen Tod er an dieser Stelle der Stadt einging. Durch die in jener Seit noch in Wagen nach Lad Brückenau reisenden Kurgäste und durch andre Neisende, die vielfach in Schlüchtern übernachten mußten, hatte der „goldene Stern", der reichlich mit Stallung versehen war, guten Zuspruch und Verdienst.
Meiner Mutter Mutter war eine geborene Hufnagel. Ihr Vater, Wilhelm Hufnagel, war Hospitalverwalter und präsenzer in Schlüchtern und wähnte in dem jetzigen Ninglerschen Hause in der Pfarr- gasse. Er hatte in dem Hilfskorps, das der Graf von hanau im amerikanischen Unabhängigkeitskriege England zur Verfügung stellte, in Amerika mitge- kämpft. Das Schlüchterner Heimatmuseum besitzt unter Glas und Nahmen einen Brief, welchen dieser mein Urgroßvater Wilh. Hufnagel 1781 von seinem Vater, dem Pfarrer Ioh. Peter Hufnagel in Hinter- steinau, nach Amerika erhielt, und welcher so recht bezeichnend für die damalige Seit ist. (vergl. „Unsere Heimat" 1927 Nr. 5/6).
Meine Mutter, die als Lehrersfrau in einem Dorfe Niederhessens, im Hessenlande wohnte, wie der ha- nauer noch vor 60 Iahren in Erinnerung an die alte Selbständigkeit seines Ländchens sagte, hing mit großer Liebe an ihrer Heimatstadt, aus deren Geschichte, aus der Geschichte von deren Familien sie mir, ihrem ältesten Kinbe, viel und oft erzählte.
Ihr Vater war grabe Soldat in hanau gewesen, als die Franzosen 1806 das neutrale Hessen besetzten. Zur Kennzeichnung der billigen preise der damaligen Seit erzählte sie, daß ihr Vater, der Bursche bei einem Leutnant gewesen sei, zuweilen für diesen 1 Portion Hasenbraten für 7 Kreuzer, d. h. 24 Pfg., im Gasthause habe holen müssen. Schwer lag die Kriegszeit von 1806 bis 1813 auch auf Schlüchtern. Meiner Mutter Mutter war auf dem Gange von Hanau, wo sie bei ihres Vaters Bruber, dem Kon- sistorialrate und späteren Superintendenten Hufnagel, zu Besuch gewesen war, zwischen Steinau und Schlüchtern nur mit Not der Gewalttat französischer Soldaten entgangen. Als nach der Völkerschlacht bei