Nr. 25/26 SASSSAASSKAS-KSSSKSSSASS Unsere Heimat O.OtzHtzHtzHtzHtzHtzHtzStzHtzHtzHtzH Seite 195
die ausländischen reformierten Studenten an der Göttinger Universi.ät die lebenslang treuen Vermittler,' denn er hatte ihnen in der Fremde herz und haus geöffnet, Glaubensheimat geschenkt.
Ruch die persönlichen Interessen fanden in der Göttinger Seit weiterhin Pflege; die Liebe zur heimat- forschung und zu altertümlichem aller Rrt. So hat er für das Zustandekommen eines Rllertumsmuseums in Göttingen lebhaft mitgeholfen, hat vorgeschichtliche Ausgrabungen in der Umgegend mit größtem Interesse verfolgt, hat aus Familien- und Flurnamen Rückschlüsse aus die in geschichtlichem Dunkel lügende Vergangenheit zu ziehen versucht und sich außerdem der Kunst mit ganzer Seele erschlossen, vor allem hatten Dürer und Rembrandt es ihm angetan. Große
seelische Bereicherung und Vertiefung auch seines Glaubens hat ihm diese Liebe zur Kunst gegeben, aus der heraus er auch junge Künstler der Gegenwart, wenn er in ihnen nicht nur Können, sondern Seele spürte, aufs eifrigste förderte. Mit dem hessischen Heimatmaler Heinrich Pforr vor allem verband ihn treue Freundschaft.
In seinem Hause entfaltete sich ein reiches Familienleben. Seine Frau, e ine tief fromme, ideal empfindende Natur, war ihm nicht nur mit unerschöpflicher Liebe zugetan, sondern auch eine treue Helferin in der Gemeinde vom ersten Tage bis zu ihrem Ende vor 14 Iahren.
Seinen Kinbern hat Pfarrer Heilmann ihre Iugend froh und reich gemacht — nach deren eigenem Zeugnis. Er hatte eine köstliche Art zu necken, zu scherzen, zu erzählen, und wenn er auch strenge Zucht übte, so hat er die Iugend im Hause vielleicht doch am meisten erzogen durch die Freuden, die er ihr bereitete. Unvergeßlich bleiben ihnen die ersten Ausflüge im Lenz, um die ersten Frühlingsblumen zu suchen, die Wanderungen zu den Burgruinen, unvergeßlich sein Erzählen aus seiner Heimat und Rindheit. In der
Heimat weilte er zum vorletzten Male mit den drei ältesten seiner sechs Rinder im herbste 1910, den Seinen die seinem herzen so teuren Stätten seiner Iugend zeigend. Unvergeßlich bleiben auch mir die Stunden im stillen Stäbchen mit ihm, der mir erschien als einer, der in besonderer Weise schöpfen durfte aus den (Quellen von Glauben und Heimat.
Mit dem Kriege begann das Leid im eigentlichen Sinn sein Leben zu beschatten. Es fing an beim Mitleiden in der Gemeinde, in der man schon 1914 fast Haus bei Haus Gefallene betrauerte. Dazu kam die Sorge um zwei eigene Söhne und zwei Schwiegersöhne, die im Felde standen. Im Frühjahr 1916 verlor er seine Lebensgefährtin. Das gab eine Wunde, dir nicht wieder völlig verheilte. Und 1918 fiel sein jüngster Sohn, ein sangesfroher Wandervogel und Theologiestudent. von da an trat das Leiden in Erscheinung, das er nach Gottes Willen durch 12 lange, schwere Iahre tragen sollte: die Schüttellähmung.
1919 mußte er deswegen sein Pfarramt niederlegen. In der Pflege der jüngsten Tochter, mit der er 1918 noch einmal die alte Heimat auf suchte und auf dem Willingshose ihm unvergeßliche Wochen verlebte, blieb er zunächst in Göttingen. AIs diese Tochter 1925 heiratete, nahm sie den einsam gewordenen Vater mit in ihr Waldecker Dorfpfarrhaus in Twiste. Alle anderen Rinder waren durch Beruf und heirat in die Welt verstreut. Das Leiden verschlimmerte sich jedoch so sehr, die (Qualen wurden so unerträglich, daß ein Aufenthalt mit der Möglichkeit ständiger ärztlicher Hilfe geboten erschien. So wurde ein Zimmer- chen in der Nervenklinik zu Marburg die letzte Heimat des geduldig Tragenden, dessen Wanderweg sich dem Ende zuneigte. Die Hilfe der Rerzte, die entsprechende Pflege und die Rbgeschiedenheit von der Unruhe des Lebens taten ihm sichtlich wohl, so schwer es ihm oft auch war, in einer Anstalt sein zu müssen,' denn sein Geist war frisch bis zuletzt. In dieser letzten, schwersten Leidensschule, in der Zucht des Leidens, hat sich sein Wesen nur geläutert. Nichts von Bitterkeit war an ihm zu spüren, auch kein dunkler Ernst, sondern vielmehr — eine dankbare Fröhlichkeit, Friede. Ieder, der mit der ständig zitternden, gebückten Gestalt in Berührung kam, spürte etwas von der Macht inwendigen Lebens, die Trost und Kraft gab. Die Schrebergartenleute in der Nähe brachten ihm die Erstlinge ihrer Blumen und Früchte.
Und doch sollte er nicht in der Klinik sterben. Seine letzten Lebenstage waren noch eigenartig besonnt. Rurze Zeit noch durfte er im neuen eigenen Doktorhaus seiner ältesten verheirateten Tochter sogar Großvaterfreuden haben und in der Liebe seiner Rinder und Enkel auf Erden noch einmal ganz daheim sich fühlen. Nach einer Woche des Besuchs aber befiel ihn eine Lungenentzündung, die sein Ende herbeiführte. voll tiefen Friedens und ohne Kampf nach vieljährigen Leidenskämpfen durfte er eingehrn in die Heimat im Licht.
Seien diese Zeilen im Heimatblatt zugleich ein Rränzlein der Dankbarkeit auf sein Grab! vieler Herznot um Glauben und Heimat ist er nun enthöben. Eine Bitte aber erklingt aus seinem Wirken zu uns: „Lebet in beiden!"
Georg Slemmig