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Nr. 12
Gemeinde Schlüchterns trennender Graben nach Sem Kuchenrain zu lief.
Nunmehr wurde der Wiesengrund durchschritten, der vom Hager-Wasser durchflossen wird, und steigend gelangte man durch die Ahlhecke auf den Ziegen- berg 9) und weiter auf dem nach Hintersteinau führenden Weg zum Bühl.
In der Mitte des Bühls befanden sich als Erenz- mal ein mit einem Kreuz gezeichneter Stein, wenige Schritte davon ein Steinhaufen und an seinem Ende nach Hans Leipolds Acker zu ein mit drei Kreuzen gezeichneter Kirschbaum, der ebenso wie die beiden auf ihn noch folgende Grenzbäume, zu den drei alten, etwas verwachsenen, noch zwei neue Kreuze eingehauen erhielt.
Nunmehr wandte man sich der Kohlgrube zu. Nachdem auf dem Wege dahin noch einge Erenzzeichen, darunter ein „großer Waldstein gleich einem Tisch", die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten, gelangte man an die Stelle, wo die Wallröther schon eine Weile auf den Erenzgang gewartet hatten, „obwohl es si", wie es in unserem Schriftstück heißt, „hier nicht gebührt hätte".
Gemeinschaftlich zog man nun zunächst abwärts nach dem „SchlüchternerSchweinestall" und von do über Ior Hopfen Wiese und den Röhrigsser Pfad nach der Stelle des Distelrasens, wo der Herrschaftliche Landrück sein Ende hatte.
Hier wurde zu kurzem Verschnaufen Halt gemacht. Dann ging es weiter zunächst die Landwehr hinab bis an den Schlag, den Stickelshain hinauf auf den Drasenberg, hinter der großen Scheuer und oben an den Aeckern des dortigen Klosterhofs vorbei an den Weg nach Rückers; auf ihm ein Stück abwärts bis
9) Der Ziegenberg war damals noch mit Eichen bestanden.
etwa in die Höhe des Hofs Reith und von da über das Elmfeld zur Landwehr, wo man, da es inzwischen Nacht geworden war, müde von dem langen und beschwerlichen Weg auseinander ging.
Vergleichen wir den hier wieder gegebenen Grenz- zug der Schlüchterner Gemarkung mit dem heutigen, wie er sich in dem 1906 herausgegebenen Meßtischblatt der Königl. Preußischen Landervermessung eingezeichnet findet fsiehe die beigefügte Karte), so sehen wir, daß er, wenn auch die Richtung seines Verlaufs im großen und ganzen dieselbe geblieben ist, doch an einzelnen Stellen nicht unerhebliche Verschiebungen zu ungunsten der Gemarkung von Schlüchtern erfahren hat. Die Gründe für die dadurch bedingte auffallende Einbuße der .Gemarkung Schlüchtern beruhen darauf, daß die früher dem Kloster Schlüchtern zugehörigen Höfe Ziegelhütte (bei Ahlersbach), Lindenberg und Drasenberg mit den ehemals zur Gemarkung Schlüchtern gehörigen Teilen ihres Grund und Bodens ausgeschieden sind und daß es den Gemeinden Hohenzell, Niederzell und Breitenbach im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts durch lang - wierige und kostspielige Prozesse gelungen ist, nicht unerhebliche Teile des bis dahin von Schlüchtern beanspruchten Waldes wohl auf Grund von alten Nutzungsrechten endgültig an sich zu bringen.
Heute erinnern nur noch die von Zeit zu Zeit statt- findenden Begehungen der Landesgrenze an die ehemals allerorts üblichen Erenzgänge. Wie so manchen andern alten Bräuchen hat der moderne Rechtsstaat auch den feierlichen Grenzgängen ein Ende gemacht und neue und bessere Sicherungen für Das Grundeigentum an ihre Stelle gesetzt. Trotzdem kann der Volksfreund nur mit Bedauern an das Verschwinden dieses altehrwürdigen Brauchs denken, denn er hat wie kein anderer der Stärkung des Heimatgefühls und der Liebe zur Heimat gedient.
Lwei herzliche Sitten des ^eimatbunbed,
"Tn den mit Tausenden von Verwundeten belegten Frank- J furter Lazaretten ist ein starker Mangel an frischem Obst vorhanden, das für unsere Verwundeten einen besonderen Genuß bedeutet, der um so wichtiger ist, als die Ernährung durch die Knappheit an Lebensmitteln nicht so reichlich wie früher sein kann. In unserem Kreise war der Obstsegen überreich. Er hat Keller und — Taschen gefüllt. Alle diejenigen, welchen die harte Zeit das Herz noch nicht oerhärtete, bitten wir um ein paar Aepfel oder haltbare Winterbitnen. Die Verteilung erfolgt durch Lazarett-Vertrauensmänner, sodaß jeder Mißbrauch ausgeschlossen ist. Wir bitten dringend, der Bitte, die von Frankfurt aus an uns erging, Erhörung zu gewähren.
Zum andern bitten wir die Schulkinder unseres Kreises, vor Weihnachten noch die Sammlung oon Dörrobst, Brotaufstrich und andern Lebensmitteln für ärmste Kranke, Alte, Verlassene der Großstädte in unserer Nähe, die unter den Entbehrungen dieser Notzeit besonders hart leiden, wiederholen zu wollen. Es muß sein! Die Not ist bei den Genannten, von denen gar manches im Menschenmeer der Großstadt gar leicht übersehen wird, jetzt und im kommenden Winter besonders vielgestaltig, sodaß wir auch diese Bitte wagen, aller Müdigkeit im Geben zum Trotz, weil auch die Liebe in dieser Zeit keinen Rasttag haben kann und darf. Wir denken an solche, die keine „Beziehungen" haben und keine Wucherpreise zahlen können. Wir bitten, der Unlust zum Geben nicht dadurch Vorschub zu leisten, daß man aus die Außenseite mancher Großstadtverhältnisse sieht, welche das Gegenteil von Not vortrügt. Wir wissen, daß es viele gibt, die bitter leiden, für eine Gabe mit Tränen der Freude danken und durch sie in
ihrem Glauben an den unversiegbaren Quell wahrer Barmherzigkeit gestärkt werden. Ihnen wollen wir helfen ! Wir bitten die Herrn Lehrer, diese Sammlung in gleicher Weise wie im Januar gütigst vermitteln zu wollen. Es kann jeder Geber wohltun, ohne sich weh zu tun
Auch die Sammlung des Frischobstes, die sofort erfolgen müßte, bitten wir schon in der erprobten Weise bewirken zu wollen. Für Schlüchtern und nähere Umgebung nimmt Frau Prorektor Nielsen jederzeit die Gaben in Empfang. In den weiter entfernten Orten wolle man nach erfolgter Sammlung dem Schriftführer des Heimatbundes Mitteilung machen, um Anschrift der Empfangsstelle entgegenzunehmen.
„Gut sein will ich und glücklich machen, will verwandeln Leid in Dank und Lachen, laß mich Sonnenschein vielen Menschen sein, daß ein Segen walte,
wo ich geb’ und schalte."
Der Vorstand des Heimatkundes,
Einer half dem andern und sprach zu seinem Nächsten- Sei getrost!
lesajas 4], 6.