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Nr. 12

aber auch jedem zeigen, wie sein Tun und seine Hal­tung und das seiner Standes-, Amts-, Werkgenossen auf andre wirkt und wie die eigene Lebensgestaltung auch zum Heile der anderen geführt werden kann und geleitet werden muß. Da ist's viel schwerer zu sagen:Was geht mich der andere an?" Viel­leicht macht ein Beispiel klarer, wofür ich nach Aus­druck suche: Wenn man in der Schule das Meer und sein Leben veranschaulichen will, geht man an den Dorfweiher, und wenn man von der Erdkugel redet, holt man den Globus vom Schränk. So ge­winnt man am Bild Verständnis und in unserem Falle mehr noch für das Ganze. Das In­teresse am großen Vaterlande, die wahre Liebe zu ihm, die dem Hurrapatriotismus so ähnlich ist wie eine Eiche dem Steinpilz, das Verständnis für des Gesamtvolkes vielgestaltiges Leben und unseren An­teil daran, die überall mit einander ringenden Kräf­te und ihre Wertung erstarkt nur gesund, wenn es nicht einseitig geweckt und sofort von Parteien eingefangen und erzogen wird, sondern in der kleinen Lebensgemeinschaft, der Heimat, das Ganze zu nächst verstehen und als Leben sehen lernt. Darin liegt ein heilendes, helfendes Moment. Der Heimat- gedanke hat neben anderem Schönen und Guten die Fähigkeit, innerlich die Menschen zusammenzuführen, zu einigen. Also warum münzen wir dies Gold nicht noch mehr? Den Segen davon hat sicher das Vater­land. Ein wahrhaft gesundesLiebenlehren" der Heimat muß immer im kleinen Kreis geschehen, in Nähe und Stille; in Familie, Gemeinde und Heimat hat Gott einen jeden von uns gestellt, dort ein Segen zu werden. Darum wäre wohl auch zu wün­schen, daß überall, wenigstens im Hessenlande, Hei­matbündnisse erwüchsen, in denen man das unser Volk Einigende bewußt auf den Schild erhebt und lehrt, und im Kleinen pflegt, was der Heimat nützt, uns abwehrt, was ihr wahres Wohl schädigt. Daß die Pflege der Heimat geschichte, Heimatkunde, mit Be­dacht in unsern Arbeitsplan ausgenommen wurde, bedarf keiner Begründung. Das Wort Jakob Grimms:Wer seine Heimat liebt, muß sie auch ver­stehen ; wer sie aber verstehen will, muß überall in ihre Geschichte zu dringen suchen" hat bei der Grün­dung unseres Bundes vor 9 Jahren die erste Weg- weisung gegeben. Die Fäden, die von der Lebens­not und -freude der Altvorderen sich zu uns herüber­spinnen, fesseln auch an den Boden, der uns wie sie trägt und einmal zwischen ihnen aufnehmen soll, was von uns der Erde angehört. Es liegt uns bei unserer Arbeit fern, Sterbendes, das seinen Lauf vol­lendet, zu neuem Leben wecken und erhalten ocer geschichtlich gewordenes Unkraut vor dem Vergehen bewahren zu wollen. Aber wir wehren uns auch

mit aller Kraft dagegen, daß man uns religiöses, gei­stiges und anderes wertvolles Erbgut raubt und ver­schleudert, weil's der gerade herrschenden, vielleicht in ruheloser, dem Scheinleben huldigender Treib­hausfremde geborenen Modsmeinung nicht paßt. Aber wir wollen auch helfen, neuem Gutem die Tore der Heimat sperrangelweit zu öffnen. Wie unser Heimatbund zu arbeiten versuchte in den 9 Jahren seines Bestehens, haben Sie ja gesehen. Sprechen Sie ihm nun das Urteil! Sagen Sie Ihre Wünsche, For­derungen, Ausstellungen! Daß wir uns in der Kriegszeit hauptsächlich auf Blatt, Kalender, Schrif- tenverbreitung u. dergl. beschränkten, war selbstver­ständlich. Alle Arbeit für den Bund, alle Mitarbeit am Blatte, ist stets umsonst geschehen. Wir sind stolz darauf, daß sich gerade für unsere Sache soviele fanden, die in dieser Zeit dazu bereit sind. Druck, Papier, Versendung freilich müssen bezahlt werden. Wir haben stets die nötigen Mittel gehabt weil sich die Opferwilligkeit der Bundesmitglieder über alles Er­warten bewährte. Das Echo vondraußen" ist ge­radezu herzerquickend. Die günstige Beurteilung sei­tens Fernstehender, das ständige Steigen der Mit­gliederzahl und des Absatzes der Druckschriften des Bundes (der Kalender für 1917 wurde in über 5000 Exemplaren verkauft!) rechtfertigt die Arbeit aufs beste und macht sie auch Müdegewordenen immer wieder lieb, und daß sich der Schriftleiter vorUn­sere Heimat" nach einem Ersatzmann für sich sehnt, hat seinen Grund darin, daß er fürchtet, ihr nicht mehr in gewohnter Weise dienen zu können. Mit dieser Nummer liegt der dritte stattliche Band der Heimatzeitschrift, in der auch die nach uns Kommen­den sicher noch gern blättern werden, vor. Eine Heimatchronik, die unser Erleben daheim ganz ein­gehend und getreu den Nachfahren überliefert und sich deshalb der Veröffentlichung heute entzieht, wird gleichfalls geführt. Ich schließe mit dem Wunsche, daß der Heimatbund allezeit helfen möge, daß alle Heimatgenossen auch durch diese einzigartig schwere Zeit reicher werden in der Erkenntnis dessen, was wirklich Wert hat in diesem armen Leben, reicher im Verständnis und Vertrauen für einander, sorgsamer in der Erziehung der Werdenden, offener und wahrer unter einander und reicher in der Liebe! Möchte auch die Bitte, die wir alle bewußt und unbewußt täglich mit uns tragen und im 85. Psalm so wunderschön ihren Ausdruck findet, Erhörung finden:

Gott, du kannst neu uns beleben! Ich will lauschen, was Er zu mir redet: Liebe und Treue vereinen sich, Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Treue sproßt auf von der Erde, und Gnade blickt vom Himmel herab!"

E. Flemmig.

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Geist vom weistnachtssest.

... So finde ich auch die Brücke vom Kriegszweck zum Liebcsgebot. Für das Bestehen meines Vaterlandes trete ich ein mit dem Schwerte, aber über dieser Aufgabe thront d i e Liebe. In der Sekunde, wo der Kriegszweck erfüllt ist, hat die Liebe Geltung, und es zählt zu meinen kostbarsten Erinnerungen in diesem Kriege, wo ich diese Liebe zur Gel­tung bringen konnte, und in meinem kleinen Teil mitarbeiten durfte an der Ueberwindung des Nationalhasses, wo z. B. ein gebildeter, schwerverwundeter Franzose auf dem Schlachi- feld in dunkler Nacht meine Fürsorge für ihn mit den erster­benden Worten belohnte:Ich weiß nun, daß di e Deut­schen gut sinb, oder wo eine französische, von Haus und Herd vertriebene Familie für den deutschen Offizier betet, weil

er ihr in den schweren Stunden der Beschießung ihres Dorfes mit ihr in einem dunklen Keller hockend, beistand.

(Aus einem Feldpostbrief eines württ. Offiziers.)

Wir haben wohl alle das Bewußtsein: in diesem Kriege sind sittliche Kräfte zum Vorschein gekommen, hier betätigen sich Heldengesinnungen, die noch zu Höherem berufen sind, als nur zur Vernichtung feindlicher Angriffe, Kräfte, die nicht im Zerstören, sondern im Aufbauen, nicht im Siegen, sondern im Verzeihen, nicht im Zeitlichen, sondern erst im Dienste des Ewigen ihre Erfüllung finden können. Befreie dich von allen Haßaffekten, tue das Deine aus Liebe zu deinem Vaterlande, aber nicht aus Haß gegen den Feind, so wirst du im Krieg deine Seel retten. Fr. W. Förster.