Nr. 12 c^^i^^i^c^c^^c^^^c^ Unsere Heimat ^^c^^c^c^c^e^^i^c^c^ Seite 269
die Heimatliebe wird uns auch da vor Torheiten bewahren helfen. Sie steht auch an der Quelle alles dessen, was neu und anders werden soll und muß als treue, gütige Helferin und Hüterin, daß wir im Ueber« eifer nicht wegwerfen, was gut und groß und schön war. Drum ist's gut, daß der Sinn dafür, was wir an unserer Heimat haben und an allem Heimatlichen, Ererbten, wieder erstarkt und auch die um = gelernt haben, welche vor dem Kriege sangen:
„Wohin der Weg mich führet,
Hat überall ein Herd gebrannt.
Nur ich hab' nie verspüret,
Was Heimat ist und Vaterland."
Die Heimat ist halt doch die gute, liebe Mutter, nach der die fernen Söhne sich sehnen und in deren Liebe und Traulichkeit Heimgekehrte untertauchen und sich einhüllen. Die Heimat und ihre linde Hand werden auch die Risse wieder heilen helfen, die die Seele da da draußen erhalten, und vieles glätten, was der Sturm zerzaust. Gar mancher, der seinen Lieben nun schon drei lange Jahre draußen weiß, sorgt sich im stillen, daß dieser sich der Heimat entwöhnen möchte, und fast möchte mans glauben, besonders wenn man derer gedenkt, die am allerübelsten dran sind und für die wir so wenig tun können, der Brüder in der Gefangenschaft. Wer das glaubt, unterschätzt die Macht der Heimat. „Jedesmal, wenn ich aus dem Felde heimkomme", sagte neulich mein Bruder zu mir, „meine ich immer, ich sei nie fortgewesen". Das ist der Zauber der Königin, die der Deutsche Heimat nennt und mit ihren unsichtbaren Fäden die Herzen ihrer Kinder an sich gefesselt hält. Darum ist der Heimatgedanke eigentlich ein Gold, das wir zur Pflege des deutschen Gemütes immer noch zu wenig münzen und beim inneren Ausbau unseres geistigen Volkshauses noch viel zu wenig nutzen. Man bedenke doch nur, welch eine einigende, zusammenfassende Macht er offenbart. Auf dem Acker der Heimatpflege gibt's keine Parteien und Konfessionen. Die Heimat hat jeder lieb. „Und wer die Heimat nicht liebt und die Heimat nicht ehrt, ist ein Lump und des Glücks in der Heimat nicht wert." Und so etwas Einigendes hätte unser ganzes Volk eigentlich so bitter nötig. Sehen wir doch, daß es selbst, umringt von haß- und todspeienden Feinden, nicht einig bleiben kann. Hätten wir doch jetzt überall etwas, was wahrhaft einigend von unten auf alles sammelte, was Herzbluten kriegt angesichts der inneren deutschen Not, des unseligen Zwistes, der uns um alle mit Blut erkauften Errungenschaften dieser Qualzeit zu bringen droht! Wir meinen, es sei am besten, von unten auf, von klein an bauen, weil es so schwer, ja fast unmöglich erscheint, das dauernd innerlich zu vereinen, was infolge der verschiedenartigsten, überaus mächtigen materiellen Interessen immer wieder auseinander strebt. Und welcher Boden erschiene besser geeignet, ein in Konfessionen, Klassen, Parteien und so fort geschiedenes Volk innerlich zu gemeinsamem Tun, zu gemeinsamer Freude auch im Frieden zu sammeln, als der Heimatboden, den, wie schon gesagt, ja alle lieben. Er ist der neutrale Boden, auf dem man alles, was sonst auseinander läuft und sich gesondert setzt, einmal an einen Tisch bringen kann. Das Wort „Vaterland" habe ich mit Fleiß gemieden; denn es bezeichnet einen für unsere Zwecke viel zu großen Raum. In schier unübersehbaren Gärten und Schul-
klassen ist die der Eigenart entsprechende Behandlung, das Eingehen auf die Bedürfnisse des Einzelnen so schwer. Man kann nicht den westdeutschen Schwerindustriellen und ostelbischen Tagelöhner, den mecklenburgischen Rittergutsbesitzer und den süddeutschen Handwerker in gleicher Weise vereinen, nicht ohne weiteres alle auf einem Boden dauernd für etwas innerlich gewinnen, das sie verschieden sehen. Das vermag nur jäh aufflammende Not vorübergehend. Wohl aber ist es möglich, eine solche Vertiefung, Verinnerlichung und Zusammenführung in
kleineren Lebensgemeinschaften anzubahnen und zu pflegen. Man kann sehr wohl die Kinder eines engeren Heimatkreises, Besitzer und Nichtbesitzer, politisch und konfessionell Geschiedene bewegen, sich in derselben Luft und die Augen auf dasselbe Ziel gerichtet, zu vereinen und für einander zu „interessieren." Von der persönlichen Fühlungnahme hängt soviel ab. „Daß sich das Herz zum Herzen findet!" In der kleinen, übersehbaren Lebensgemeinschaft kann man jedem vor Augen führen, wie auch im Großen eins ins andere greift, jedes ein Teil des Ganzen ist,