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Seite 266 s^i^i^^^ unsere Heimat ^C^t^^^C^^CW^^^M> Nr. 12

erreicht worden sind. Es ist wie ein Taumel über gewisse Kreise gekommen. Und wenn diese Kreise auch nur den kleineren Teil unseres Volksganzen aus­machen : der Schaden, den sie anrichten, ist un­schätzbar. Sie sind die Ursache der steigenden Ver­bitterung, des Schwindens des hochgemuten Opfer- geistes, der in den Augusttagen 1914 emporflammte. Sie verderben, was die da draußen gut machen. Sie machen uns das Durchhalten schwer. Sie verlän­gern den Krieg. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß gerade die Gesinnung dieser Schmarotzerkreise durch Spionenarbeit mit den üblichen Uebertreibungen im Ausland verbreitet wird, und daß unsere Feinde daraus immer aufs neue Mut schöpfen, immer noch einmal den Versuch zu wagen, ihre verlorene Sache zu retten, befangen in der wahnsinnigen Hoffnung, das deutsche Volk werde nun endlich auseinanderfallen und zusammenbrechen. Gewiß, sie täuschen sich. Unser Volk ist in seinem Kern gesund und festen Mutes zum Ausharren entschlossen. Der Hindenburggeist ist in den Herzen lebendig. Das beweisen die zwölfeinhalb Milliarden der 7. Kriegsanleihe, das beweist der Sturm der Entrüstung, 'her durch die öffentliche Mei - nung ging, als der Abgeordnete Heine im Reichstage Hindenburg einenSchwätzer"

nannte. Das beweist die Treue, mit der Tausende und Abertausende unseres Volkes die auch im Lande unvermeidlichen Nöte des Krieges tragen. Um so schärfer müssen Mir uns gegen die Miesmacher, die Parteischwätzer und Friedensduseler wenden, die in diesen drei schweren Kriegsjahren immer noch nicht gelernt haben, daß wir um so schneller zu einem dauerhaften Frieden kommen werden, je weniger wir davon reden. Alle Gutgesinnten sollten sich zusam­menschließen und keine Gelegenheit versäumen, um den Maulwurfsnaturen in unserem Volke ihre Ver­achtung zu zeigen und sie als das zu kennzeichnen, was sie sind: Verräter an der guten Sache des Vater­landes. Sollte ein Volk, das mit einer Welt von Feinden fertig wird, nicht die Möglichkeit haben, der minderwertigen Kreaturen im Lande Herr zu wer­den ? Keinem Volk der Erde ist soviel an innerer Kraft und Gesinnungstüchtigkeit gegeben wie üsm deutschen Volk. Deutschland ist das Gewissen der Welt. Aber wem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt. Noch haben wir es in der Hand. Noch schwankt die Wage des Weltgerichtes. Es könnte trotz all der Opfer zuletzt doch heißen:Gewogen, gewogen und zu leicht befunden!" Geht es uns zu gut?

Hugo C. Jüngst.

Von heimischer Kriegsarbeit

chlüchtern steht zur Zeit im Zeichen eines Schuh­flickkursus für Frauen, das merkt jeder, der in den Mittags- oder Abendstunden in der Nähe des Kaiser Wilhelmdenkmals vorüberkommt. Da sieht man Frauen und Mädchen mit einem großen Paket, aus dem in der Regel Hammer und Beiß­zange hervorlugen, eilends demHessischen Hof" zu­streben. Der kleine Saal dort dient in diesen Zeit­läuften nicht mehr dem Vergnügen, sondern er ist gegenwärtig Zeuge von dem festen Willen Der Frauen,mitzuhelfen beim Durchhalten und in der Heimat zu kämpfen bis zu dem Tage, an dem unsre Feinde einsehen, daß unsre Friedensbereitschaft nicht ein Zeichen der Schwäche ist, sondern das ehrliche Streben, dem furchtbaren Ringen und Blutvergießen ein Ende zu machen. 130 Teilnehmerinnen haben sich zu diesem zweiten Schuhkurs gemeldet, die in 4 ver­schiedenen Abteilungen unter Anleitung einer tüch­tigen Lehrerin die Schuhmacherkunst erlernen wol­len. Es sei vorausgeschickt: Leichte Arbeit ist's nicht, und keinem kommt's in den Sinn, es den männ­lichen Lehrlingen gleich zu tun und ein luftig' Lied- lein zum Schustern zu pfeifen. Es liegt sicher nicht nur am Ernst der Zeit, denn manch jung', vergnügt' Blut sitzt mit an den Tischen, aber:Die Schuhe müssen mit dem Kopf gemacht werden", so belehrte eine im Lappenschuhmachen erfahrene Frau einen jun­gen Lehrling. Also aus Lappen entstehen unter viel Rücken und Schieben des Papiermusters auf dem in der Regel recht knappen Stoff tadellose Hausschuhe, Stiefel, Spangenschuhe usw. mit Stoff- und Holz­sohlen. Letztere sind zwar weniger elegant als zeit­gemäß. Für die Sonntagnachmittagsausgangsschuhe sucht man zu Hause noch 'mal alle Ecken nach einem Stückchen Leder, Linoleum oder Gummi ab. Das Holz wird aber auch da nicht ganz verschmäht, denn zu einem feinen Schuh gehört heutzutage ein schöner hoher Absatz, auf dem sichs besonders in Schlüchtern

sehr angenehm gehen läßt. Aus Holz läßt dieser sich hochfein herstellen.

Jedes Alter von 14 Jahren ab und jeder Stand ist in der Werkstätte vertreten. Es dünkt sich keiner zu fein und vornehm, und keines meint, sich genie­ren zu müssen, weil doch die Frau Rat aüch da ist. Hier sitzt die Frau eines Landstürmers, die für ihren in Rußland frierenden Mann ein Paar schöne warme Schuhe macht, dort eine Braut, die ihrem in Frank­reich in Gefangenschaft geratenen Bräutigam den Willen zeigt, beim Kampf an der wirtschaftlichen Front dabei zu sein, und ihm darum dieseHand­arbeit" zu Weihnachten verfertigt. Wie sind sie alle so froh bei der Arbeit, und wie leuchten die Augen beim Gedanken an die freudigen Kindergesichter, das Staunen des Mannes, der Mutter oder Geschwister, wenn sie den fertigen, sauber gemachten Schuhe vor sie hinstellen werden ! Daß die Schuhe gefallen, zeigt uns die große Zahl der Besucherinnen des 2. Schuh­flickkursus, und die Haltbarkeit hat sich auch bewiesen laut Zeugnis der Teilnehmerinnen des ersten Kurses, der anfangs September stattfand. Es wird nicht nur Neues aus Altem gemacht, auch das Alte wirs erhalten; denn es werden Schuhe besohlt, Absätze gefleckt und Riester aufgesetzt.

Der vor kurzem gegründeteLandw. Hausfrauen- verein" hat die Sache ins Leben gerufen, und ihm gebührt der Dank dafür. Die Schuhmacher am Platze sind uns ob unsres Beginnens sicher nicht böse, sondern freuen sich wohl, daß sie nicht mehr gar so sehr gequält werden, denn es ist keine Ausnahme, daß man seine Schuhe y^ Jahr oder länger nicht sieht, wenn man sie zum Flicken gegeben hat. Denen draußen von der Zunft kann ich zur Beruhigung sagen, daß wir Frauen ihnen später das Brot nicht wegnehmen werden, denn Schuhmachen ist in der Hauptsache entschieden Männerarbeit.

Frau Fr.