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^^^^L^^^^k^^^c^ Unsere

fjeimnt c^^^^^^^^^c^^ Seite 255

Nr. 11

getan; es war im zweiten Kriegsjahr alles so gut hereingekommen wie sonst, weil die Sonne wacker mithalf. Aber Heuer war dem Wetter wirklich nicht zu trauen. Das Wetterglas machte Sprünge wie die Hauskatze, wenn sie Mutters Garnknäuel erwischt hat, und der Turmhahn guckte mit einer Beharrlich­keit schon die ganze Heuernte hindurch nach Westen, daß es polizeiwidrig war. Aber es hatte trotzo^m gut getan! Nun aber der Roggen, die Brotfrucht! Wenn die verfaulte, war ja nicht er geschädigt, son­dern die Allgemeinheit, denn das Reich war in d e m Krieg eine große Gemeinde geworden, der alles ge­hörte, was von oben kam und unten, den einzigen Richtungen, denen die Feinde keine Riegel vorschieben konnten. Wenn's nun heute ein Gewitter gab und weiterregnete wie 1912, da die Roggenkörner fingers- lang ausgewachsen waren? Damals kam's so genau nicht darauf an; aber heuer, wo alle Zufuhr von außen abgeschnitten ist und jedes Körnlein doppelten Wert hat. Was macht einer da nur ?---Er geht ins Zimmer und liest die Verfügung des Landrats noch einmal. Hm! Befohlen war's nicht nur er­laubt. Es hing also von ihm ab. Zum K.ik- kuck auch, warum schieben einem dir Herren solche Kneifzange ins Gewissen! Da steht auf der einen Seite sein Heidelberger Katechismus, der klar uno deutlich sagt, der Christ solle aus Dankbarkeit seinem Herrgott einen Tag in der Woche schenken ohne Ab­zug, der eigenen Seele zuliebe! Und hinter dem Kate­chismus der Herrgott selber und die „alte Königin", die die Eckenbauern seit Menschengedenken in Treue respektiert. Man ist doch nit im Unterland daheim, wo man die Leut' draußen arbeiten sieht, wenn man mal am Sonntag nach Frankfurt muß, sondern im alten Kurhessen, wo den meisten Menschen die Ach­tung vor der Sonntagsordnung der Väter in Fleisch und Blut übergegangen ist. Aber auf der andern Seite — Guck einer an, da rasselt schon der Brückenbauer mit zwei Leiterwagen zum Dorf hinaus. Nein, nun spannt der Eckenbauer am Sonntag die Pferde nicht vor den Erntewagen; denn der Brücken­bauer wäre der Letzte, dem er etwas nachtäte. Der macht jeden Montag blau. Natürlich, so einer hat dann Kourage am Sonntag! Und er setzt sich auf die Hausbank und grübelt weiter . . . Zwei, drei Wagen Korn sind kein Essig, zumal heuer! Und oer Brückenbauer, der doch Kirchenältester ist, hat an Sonntag nach Pfingsten Heu heimgetan und gesagt: „Leut', wir ernten diesmal nicht für uns, sondern für alle!" Aber recht angeguckt hat er einen dabei auch nicht. Er war seiner Sache trotz aller Sprüche nicht ganz sicher, das hatte man ihm angesehen. Und am Montag drauf hatten die andern ihres auch heim­gekriegt. Und der „Kirchenmann" hatte allerlei ein­stecken müssen. Soweit war der Eckenbauer in seinem Gedankenritt gekommen, da sieht er den Lehrer des Dorfes um die Ecke biegen. „Herr Cantor, auf ein Wort!" Der alte, weißhaarige Lehrer setzt sich neben seinen erwachsenen Schüler und tut, als wüßte er, was nun kommt. „Herr Cantor, soll ich mein Korn heut heimtun oder nicht?" „Friedrich, das hat mich heut' schon mancher gefragt; ich kann Dir aber auch nichts andres sagen als: Das mußt Du selbst entscheiden. Für solche Sachen hat der Mensch sein Gewissen. Du weißt, um was sich's handelt, und was Dir Dein Gewissen unter den Umständen sagt, ist für Dich das Richtige! Das tu'!" „Ja, aber unser Pfarrer hält' eigentlich heut' morgen nach der Predigt den Mund

auftun können und sagen, was zu tun ist." „Der hat's selber schwer, Friedrich. Dem hat heute morgen der Briefträger eine Verfügung vom Konsistorium gebracht, die sagt, daß die kirchliche Behörde Die Sonntagsarbeit öffentlich anrät. Er hat's nicht fertig gebracht, das Schreiben heute morgen gleich von der Kanzel zu verlesen. Es macht ihm Kopf­schmerzen . ." „Warum, Herr Cantor!" „Er meint, wenn eine Lücke in die fromme Scheu gebrochen wird, folge anderes nach und die Menschen seien so wie so geneigt, das Materielle, Irdische über geistige, religi­öse Güter zu stellen. Und das sei verderblich. Am nächsten Sonntag wird er das Schreiben der Kirchen- behörde schon vorlesen; aber - leicht wird's ihm nicht." „So, und da soll unsereiner" „Tun, was sein Gewissen ihm sagt, Friedrich! Mach's gut!"

Soweit habe ich die Gewissensnot des Eckenbauern um den Sonntag miterlebt. Ich mußte heim. Ich weiß nicht, ob der Eckenbauer doch noch auf den Acker gefahren ist. Das tut ja eigentlich auch nichts zur Sache. Denn ich habe meine volle Freude daran gehabt, daß es Menschen gibt, die um den rech­ten So nntagnochHerznotbekommen. Der Sonntag ist nämlich einer von den Freunden unseres Volkes, die mir ans Herz gewachsen sind. Und es hat mir bitterweh getan, als mir - im Frieden einmal ein Bauer gesagt, ihm wäre An g st vor jedem Sonntag. Denn irgendwo wäre immer „was los", und er habe vier Söhne und das Holzgeld sei noch nicht bezahlt. Doch hat man damals nicht gehört, daß solche Not Beachtung gefunden hätte; aber denen, die darunter litten, schien es besser, am Sonn­tag 311 arbeiten, als ihn zu verludern. Und der Ge­danke ist auch nicht unrichtig. Zu welchen Schlüssen und Entschlüssen aber kommt derjenige, dem der Sonntag ein hohes, heiliges Erbgut und eine Gottes­gabe ist, die Kriegsnot und ihre Forderungen aber auch mahnend vor der Seele steht? Vielleicht ist manchem mit meiner nachfolgenden Ueberzeugung ge­dient :

Die ewige Liebe gebot, einen Tag von sieben Gott und der Seele besonders zu weihen und zu ruhen von Erdenarbeit. Dieselbe Liebe aber, die alles Le­bende auf Erden jahraus, jahrein nährt und erhält, will auch nicht, daß etwas von dem, was sie hat wach­sen lassen, verdirbt. Und wenn das, dem Verderben droht, durch Sonntagsarbeit gerettet werden kann, sollen wir zugreifen. Wenn Jesus retten, heilen, helfen konnte, tat er das ohne Zaudern auch am Sabbat. Erhaltung von Leb en, Stillen von Not, stand ihm höher als religiöse Satzung. Die Arbeit an sich trennt nicht von Gott; rechte Arbeit ist sogar Gottesdienst. DieLiebehatkeinenRuhetag! Aber nur diese! Habgier und Gleichgültigkeit gegen Gott und Seele haben kein Recht, sich in ihren Man­tel zu hüllen. Und wenn Friede sein wird, wollen wir um so treuer halten zu unserem besten Erden­freund, dem Sonntag, und helfen, daß alle ihn als solchen erkennen. Flg.

Gute 3üd]er,

Karl Hesselbacher, Daheim geblieben. (Salzer, Heilbronn) 1 M. Derselbe, Die Kirchnerin. (Salzer, Heilbronn) 2,50 M.

Fried Stern, Heimat und Vaterland. (Klimsch's Druckerei, Frankfurt a. M.

Die beiden erstgenannten bitte ich auch in die Volks­bibliotheken aufzunehmen; sie find ganz ausgezeichnet. Das dritte sollte man auch bei uns in Massen verteilen, wie es anderwärts geschieht. Flg.