Nr. 11
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trennet ß^i^c^r^ßä^^c^^ Seite 253
kellersoderRentmeisters von Hausen, Burg- joß und Njederleuchtersbach. 6)
Von den Mainzer Kurfürsten scheint Daniel Brendel von Homburg (1555 1582), der im Oktober 1559 zur Entgegennahme der Huldigung söl- tens der Untertanen des Amtes Hausen erschienen war, für das idyllisch gelegene Schloß ein besonderes Interesse gehabt zu haben. Unter ihm wurde nämlich im Schloßhof an der Nordseite, wo vordem die Scheuer und Ställe gestanden, das noch bestehende lange Gebäude errichtet, wie man an seinem Wappen mit der Jahreszahl 1568 über dem Eingang ersieht. Der vordere Teil des Neubaus diente bei Anwesenheit des Kurfürsten als Wohnung und Kanzlei für die Beamten, der andere als Marstall. Auch liest er 1572 aus rotem Mainsandstein einen Balkon mit kurmain- zisch-Brendel'schen Wappen in sauberer Steinmetzarbeit anfertigen ,der wohl ursprünglich am Schloß angebracht war und erst nach dessen Verfall an der westlichen Ecke der Wallmauer eingefügt wurde. Sodann ward zu seiner Zeit, im Jahre 1581, das große Wohnhaus für den Hofmann und Amtskellerer an der Straße nach Salmünster erbaut, dessen breites, massives Mauerwerk noch manches weitere Jahrhundert überdauern kann. 7) Selbstverständlich durfte
Vorbau am Haufener Schloß.
(Zeichnung von W. Praesent.)
auch hier über der Haustür das kurfürstlia/s Wappen nicht fehlen. Endlich sei noch der von den Hütten 1530 aus Sandsteinquadern gebaute Keller genannt der an derselben Straße nach Meines zu liegt und so geräumig ist, daß man „darein ob 200 (?) Fuder Weins legen mag; Kost mehr denn 1000 Gulden zu bauen."
6) Von den Amtskellern seien nur zwei genannt. Georg Behem, gest. 1603. An ihn erinnert noch ein steinernes Bild- stöckchen, westlich vom Schloß, mit einem aus gemeißelten Palmbaum (Behem) und den Buchstaben G. B. K. 1598 u. ein anderes am obern Waldwege von Alsberg nach Salmünster, mit dem Zeichen G. B. K.(ellerer) Z(u) H(ausen) 1596. Ferner Ioh. Adam Beizler, Amtskellerer von 1719—1747, gebürtig von Salmünster, wo er vorher Stadtschreiber, dann Schultheiß gewesen. Er ruht mit seiner Gattin und Tochter in der Pfarrkirche zu Oberndorf, wie eine an der Evangelienseite des Mittelschiffes angebrachte Gedenktafel anzeigt.
’) Heute Wirtschaft „zu den Häuser Höfen" Besitzer Herr Johann Roll.
Ein eigenartiges Geschick führte in jenen Jahren den Fürstabt von Fulda, BalthasarvonDerm- bach, nach Hausen. Dieser war i. I. 1576 zu Hammelburg von den verbündeten Rittern und Kapitu- laren des Hochstifts genötigt werben, auf seine Regentschaft zu verzichten. Nach Felde zurückgekehrt, begab er sich bald nach seinem Schlößchen Neuhof und widerrief dort die ergangene Verzichtleistung. Da ein Angriff seiner Gegner bevorstand, entschloß sich der Fürstabt am 12. Juli, von wenigen Getreuen begleitet, über Schlüchtern und Steinau ins Mainzische zu fliehen. Im Schloß Hausen fand er gastfreuno- liche Aufnahme, indem ein Herr von Hütten 8) ihn im Namen des Kurfürsten Brendel willkommen hieß. Acht Tage zuvor, am Donnerstag den 5. Juli, hat^e der mit der Verwaltung des Hochstifts betraute Fürstbischof von Würzburg, Julius Echter von Mespel- brunn, sich in seinem Vertreter Alexander von Ior- storff, Domherr zu Würzburg und Augsburg, auf dem Salmünsterer Rathause den Treueid leisten lassen. Balthasar von Dermbach blieb die Monate Juli und August in Hausen, worauf er zum Reichstag nach Regensburg reiste, um seine Klagesache gegen die buchonische Ritterschaft und das Kapitel dem Kaiser und den versammelten Reichsständen vorzutragen.
Besondere Erwähnung verdient noch das große H a u s e n e r H o f g u t, das heute in vier Güter geteilt ist und ebensoviele Besitzer zählt. Nicht ohne Interesse ist es, zu erfahren, wie jenes Gut vor 380 Jahren bewirtschaftet wurde und welches sein damaliger Ertrag war. Was zunächst den Acker- und Wiesenbau betrifft, so brauchte der Hofmann 9) oder Gutspächter die Feldarbeiten nicht von gemietetem Dienstpersonal ausführen zu lassen, diese mußten vielmehr von den kurmainzischen Untertanen im Frondienst verrichtet werden. Und zwar hatten diejenigen von Salmünster 10) die Zugtiere und Fuhr- geschirr besaßen, die Fahrenden, vier Tage des Jahres zu Hausen zu „zackern" und einen Tag Korn zu schneiden; die übrigen, die sogen. Hintersäßer, sowie die Ortsnachbarn von Alsberg, Ahl und Willenroth waren schuldig, Korn und Hafer zu schneiden, solang die Ernte währte, auch im Schnitt das Korn auf bte Bandt zu tragen und den Hafer zu rechen. Desgleichen mußten die Untertanen die Wiesen mähen, das gemähte Gras dürr machen und heimführen und zur Herbstzeit die Wildschweinshecken am Walde ausbessern. Der Hofmann aber war verpflichtet, oen Leuten ihre Verköstigung zu stellen. - Dem erwähn- Kaufverzeichnis von 1540 gemäß bestand der damalige Fruchtertrag in 300 Malter Roggen und 200 Malter Hafer.
Ferner findet sich der V i e h b e st a n d aus jener Zeit angegeben. Es wurden auf dem Häuserhof 60 Stück Rindvieh und 100 Schweine gehalten. Der Hirt, dessen Wohnung an der Westseite des Schloßgrabens lag, trieb die Schweine zur Mast in die Eichen des Reisigbergs und Häuserwaldes. — Am bedeutendsten aber war die Schafzucht zu Hausen. Sie wird, wie wir oben sahen, bereits 1497 eigens erwähnt. Um 1540 „mochte der Trieb und die Hut
8) wohl Valentin v. Hütten aus Soden-Stolzenberg, der Schwager des Kurfürsten.
®) Als Hofverwalter werden genannt, 1559 Jörg Har- nischfeger, 1605 Kunz Rüger, 1652 Ludwig van Hagen usw.
I0) Im I. 1683 löste Salmünster die Fronpflicht von der kurmainzischen Regierung um jährlich 100 Gulden ab. Der Vertrag mußte jedoch alle 6 Jahre erneuert werden.