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Nr. ii c^c^c^c^^c^c^c^^ Unsere Heimat ^^^^^^^^^^^£^> Seite 247

wie -er Mensch nicht vom Brot allein, so leben die Staaten nicht allein von militärischer Macht und polizeilicher Ord­nung. v. Gerlach.

Ein Mann saugt seine beste Kraft Aus seiner Heimat, wie der Baum Aus tiefer Wurzel seinen Saft. Ibsen, „Brand."

as gibt's Neues daheim?

eute, am Jahrestage des Sieges über Napo­leon I. bei Leipzig, sind die Zeichnungen der 7. Kriegsanleihe im gegenwärtigen Weltkrieg geschlossen worden. Damals, vor 104 Jahren, lauschte bangend der Erdenball dem Dröhnen der gewaltigen Entscheidungsschlacht, deren Ausgang die Deutschen von langer französischer Fremdherrschaft erlöste. Die Deutschen hatten damals Schlimmeres hinter sich, als wir seit Beginn des Weltkrieges erduldet haben. In immer wieder sich erneuernden Raubkriegen der Fran­zosen, die damals wie heute Vorgaben, uns die Frei­heit bringen zu wollen und die für diese frohe Bot­schaft auch gläubige Hörer bei uns fanden, hatten die Truppen fast aller Völker Europas, zuletzt auf dem Zuge nach Rußland, den Boden Deutschlands zer­stampft und seinen Bewohnern das letzte Stück Brot genommen. Das kleine, in Fetzen zerrissene Preu­ßen schuldete- dem brutalen Eroberer Millionen, für das arme, ausgesogene Land, das kaum die eigenen Kriegsschulden bezahlen konnte, eine unerschwingliche Summe. Das Hessenland stand unter der Herrschaft des Franzosen Jerome und mußte unausgesetzt Geld­summen und Menschen zur Kriegführung des fran­zösischen Kaisers liefern. In preußischen Festungen lagen noch französische Besatzungen, als die Preußen und Russen schon den Rhein überschritten hatten.

Hohe Geldsummen waren es nicht, die damals die ausgemergelten deutschen Völker für ihren Freiheits- kampf aufbrachten. Aber dieses zusammengetragene Geld und Gut waren zum großen Teil Spenden, dem Staate geschenkt mit einer Opferfreudigkeit, oie nur ein Volk in sich erzeugen konnte, das dieSchrek- ken des Krieges durch Jahre im eigenen Hause er­duldet hatte; das lieber mit Ehren untergehen, als die Fremdherrschaft und den Uebermut der Sieger ertragen wollte. Und dieser Sinn brächte den Sieg, mußte ihn bringen auch gegen eine hundertfache Uebermacht.

Auch unsere Kriegsanleihen sind Schlachten, sie sind bisher auch Siege gewesen. Denn sie zeigten den einheitlichen, energischen Verteidigungs- und Kampfwillen und lieferten aus Sinn und Taschen die Mittel für die notwendigen Kriegsausgaben; so zerstörten sie den Wahn der Feinde, daß wir aus Mangel an Geld den Krieg verlieren müßten uno stärkten den Glauben unseres Volkes an seine eigene Kraft und Leistungsfähigkeit. Daß aber unter all denen, die im Kriege und durch den Krieg reichlich verdient haben oder durch ihn nicht zu Schaden ge­kommen sind, sich auch viele befinden, die die Taschen jetzt zuknöpfen, wer wollte sich darüber wundern? Den Besitz mehren und sich arm stellen, um nicht mehr Steuern bezahlen zu müssen, ist wohl der Haupt­grund für die Ablehnung der Zeichnung. Bequemer ist der Grund: „Wenn wir nichts mehr hergeben,

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hört der Krieg von selbst auf!" Bequem deswegen, weil aus so dumme Redensarten jede Belehrung über­flüssig erscheint. Es ist leider Tatsache, daß große Geldsummen unverzinslich in den Tischkästen liegen, damit der Besitz Geheimnis bleibe. Auch haben Viele sich nicht klar gemacht, daß ein Staats- bankerott ihr verheimlichtes Vermögen nicht schützen kann.

Daß unsere 7. Kriegsanleihe nun doch nach den ersten Schätzungen mindestens 12i/2 Milliarden ge­bracht hat, beweist im Ganzen, daß unsere Volkswirt­schaft auch heute noch auf gesunden Grundlagen steht; sie zeigt im Einzelnen — auch für unseren Kreis -- welch reiche Einnahmen unsere Ob st ernte ge­bracht hat. Ihr Ertrag kann auf über 2 Millionen Mark geschätzt werden, da allein für über iy2 Mil­lionen Mark Aepfel und Zwetschen verkauft worden sind. Leider haben einzelne Teile des Kreises an die­sem Segen gar keinen oder nur recht geringen Anteil. Manche Dörfer haben ihr Obst kaufen müssen.

Zu dem Obstsegen kam noch die überaus reiche Kartoffelernte, die in manchen Gemarkungen Erträge gebracht hat, wie sie die ältesten Leute noch nicht erlebt haben wollen. Das schöne, trockene Herbst­wetter begünstigte die Arbeit des Ausmachens, oas so leicht und flott von statten ging, daß, als die 14tägige Regenzeit einsetzte, nur wenig noch zu ber­gen war. Brächte uns die Trockenheit des Früh­jahrs und des Vorsommers schlechte Aussichten für sie Körnerernte, so hat uns der Kartoffelreichtum voll­kommen der Sorgen um die Ernährung im vierten Kriegsjahr enthoben. Wir werden das Brot, wenn es knapp werden sollte, mit Kartoffeln strecken; wir werden, wie unsere Eltern und Großeitern vor 30 Jahren und wie Viele heute noch, auch zum „Morgen­kaffee" Kartoffeln essen; und wir wissen, daß diese Ernährungsweise uns ebenso wenig an unserer Kraft und Gesundheit schädigen wird, wie sie die Alten geschädigt hat. Unsere Vorfahren haben im Frieden mehr entbehrt als wir heute im Kriege entbehren; würden sie aufstehen und unsere Ansprüche hören können, so würden sie uns entrüstet zurechtweisen.

Daß nun der Segen des Jahres 1917 Heu-, Obst- und Kartoffelernte nicht so recht als sol­cher dankend empfunden und angenommen wird, sondern daß ein großer Teil der Empfänger nur von der mittelmäßigen und schlechten Körnerernte zu er­zählen, zu klagen weiß, wen mag das heute noch wundern? Es ist jetzt ein großes Murren und Schel­ten, oft Schimpfen in der Heimat grade so wie drau­ßen ; und die, die alles mit freundlichen Augen und mit Zuversicht zu betrachten gewohnt sind, die mei­nen, das hätte sogar sein Gutes. Wer seinen Un­mut und Aerger herauspoltert, ist noch lange nicht der Schlimmste. Dieselben Leute, die in der Enge der